«Pimp my Hödi»
Adrian Müller (38) aus Buttisholz ist Betreiber der Internet-Site www.30ccm.ch. In seiner Datenbank befinden sich die Namen von rund 45 Töffli-Romantikern. Knapp die Hälfte von ihnen macht im Mai eine Ausfahrt ins Ausland. Für Müller ist klar: «Das Töffli ist Kult.»
Er will festgestellt haben, dass in den Gemeinden Buttisholz, Willisau und Wolhusen das Motorfahrrad gegenwärtig ein Revival erlebt und beliebter ist als die schnelleren und grösseren Roller.
Der 30ccm-Klub sei kein Verein, sondern eine Gruppierung ohne Statuten. Die in der Datenbank erfassten Mitglieder teilen die Faszination «Hödi». Einmal im Jahr wird eine zweitägige Ausfahrt unternommen; dieses Jahr führt sie nach Freiburg im Breisgau D. Vokuhila, ohne Helm
Wer in den 1980er-Jahren in der Pubertät war und ein echter Kerl sein wollte, liess sein Sackgeld von einem Puch oder einem Belmondo verdunsten. Mit verlängerter Gabel, einer Sitzbank statt eines Sattels, mit einer verchromten Rückenlehne, mit Stollenpneus und einem Gitterchen vor der Lampe wurden die Schnäpperli und Hödis aufgemotzt - und mit allerlei verbotener Tricks schnell gemacht.
Mit einer Vokuhila-Frisur und ohne Helm war das Gefühl der Freiheit gross. Mit 14 wähnte sich manch ein Teenager «Easy Rider»-like auf der Route 66 in den USA, wenn er jeweils von der Agglomeration in die Stadt in den Ausgang fuhr - meist im Konvoi, oft einen Velofahrer an der Schulter «angehängt».
Ein kleines Fenster rausgefeilt
Viele Teenager verbrachten einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit in einer zur Werkstatt umfunktionierten Autogarage. Dort wurde an den Puchs, Belmondos, Sachs', Ponys, Ciaos und Herkules' herumgebastelt und herumgetüftelt. Auch Buben mit zwei linken Händen avancierten zum Mechaniker eines Tempo-30-Boliden.
Ein kleines rausgefeiltes Fensterchen im Kolben wirkte Wunder, genau so wie ein grösserer Ritzel: Sofort lief das Statussymbol 40 bis 50 km/h - was nicht mehr mit der Leistung der Bremsen im Einklang stand und darum der Polizei ein Dorn im Auge war.
Hödi in Einzelteile zerlegt
War der Fahrer einmal in eine Kontrolle geraten, wurde der frisierte Puch Velux auf eine Rolle gestellt, die Geschwindigkeit nach Abzug einer Toleranz Schwarz auf Weiss festgehalten und der Tuning-Experte mit einer Busse belegt. Zu allem Elend wurde ihm das geliebte Töffli in seine Einzelteile zerlegt wieder zurückgegeben.
Das Grösste am Töfflifahren seien die Jugenderinnerungen, sagt Müller über seinen Verein. «Da kann ich wieder ein bisschen Bub sein», sagt Müller. Die Männer, die gemeinsan nach Freiburg «hötterlen», sind im Alter von 25 bis 58 Jahren.
Teure Töffli
Bei den Jungen sind die Schnäpperli hingegen nicht mehr en vogue, weil sie mit 16 einen Roller fahren dürfen. «Für zwei Jahre kauft sich ein Teenager kein Töffli», sagt Bruno Pfiffner. Der St. Galler Zweirad-Händler erinnert sich: «In den 80er-Jahren kostete ein Puch Maxi automatic exakt 999 Franken.» Heute gebe es ein neues Töffli erst ab rund 2500 Franken.
Als vor Jahren der Mountain-Bike-Boom einsetzte und unlängst die E-Bikes auf den Markt kamen, setzte das dem Töffli noch mehr zu. Gemäss Bruno Pfiffner produzieren Firmen wie Puch und Sachs schon seit Jahren keine Motorfahrräder, so die offizielle Bezeichnung der Hödis, mehr. (oku/sda)
Erstellt: 05.04.2010, 16:29 Uhr

































































































































