Leben

Schön, erfolgreich – und einsam

Von Nicole Althaus (Clack). Aktualisiert am 27.07.2011

Die Suche nach der Paarungsformel: Nach den Soziologen und Biologen bemühen sich nun die Mathematiker, das Rätsel zu lösen, weshalb attraktive Frauen oft keinen ebenbürtigen Partner finden.

Ist der Hintern wichtiger als das Hirn? Schauspielerin Sandra Bullock, nach ihrer Scheidung vor einem Jahr eine der bekanntesten Singlefrauen Hollywoods.

Ist der Hintern wichtiger als das Hirn? Schauspielerin Sandra Bullock, nach ihrer Scheidung vor einem Jahr eine der bekanntesten Singlefrauen Hollywoods.

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Untersuchung zu Dating-Chancen der Frauen auf der Online-Plattform OK.

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Es ist ein Topos so alt wie die Emanzipation: Erfolgreiche und schöne Frauen haben es schwer auf dem Heiratsmarkt. Oder anders gesagt: Es gibt für gut ausgebildete Frauen in den Dreissigern nicht genug ungebundene kluge und attraktive Männer. Seit die «Newsweek» 1985 eine Studie über das Heiratsverhalten von Uniabgängern in den USA mit der Schlagzeile verkaufte «Frauen um 40 haben die grössere Chance, von einem Terroristen getötet als geheiratet zu werden», ist das erfolglose Liebesleben von Karrierefrauen zum beliebten Thema geworden, an dem sich Statistiker, Filmemacher, Soziologen, Evolutionsbiologen und Partnerschaftsbörsen abarbeiten. (Lesen Sie dazu auch: Die 5 Dating-Fehler der Frauen.)

Fakt ist: Der anekdotische Eindruck vom Überschuss an klugen, attraktiven Single-Frauen lässt sich belegen. Auch wenn man die Wahrscheinlichkeitsrechnung von «Newsweek» nicht für bare Münze nimmt, auch wenn sich seit den 80er-Jahren einiges zwischen den Geschlechtern verändert hat. In der Schweiz etwa bleiben mehr Akademikerinnen Single und kinderlos als Akademiker. Ausserdem beweisen neuere Studien wie etwa die von Clack-Job-Coach Christina Künzle, dass es «eine eindeutig positive Korrelation gibt zwischen beruflichem Aufstieg von Frauen und privatem Misserfolg».

Erklärungsmuster sind schnell parat: Am Stammtisch heisst es, dass die Frauen selber schuld sind, weil sie allesamt zu viel wollen: Kinder, Karriere und ein Clooney-Abbild, das die Toilette putzt. An Frauenabenden sind die Männer die Doofen, weil ihnen der weibliche Hintern wichtiger ist als das brillante Hirn und sie trotz Glatze und Bauch eine Frau suchen, die aussieht wie Claudia Schiffer und kocht wie die Mama. Soziologen erklären den Miss-Match auf dem Heiratsmarkt mit der Bildungsexpansion von Frauen, und Evolutionsbiologen sind überzeugt, dass der Mensch in Liebesdingen noch immer wie ein Urtier funktioniert: Der Mann bringt Status und Einkommen in die Ehe, die Frau Jugendlichkeit und gutes Aussehen.

Liebe als Game

Tatsächlich hat auch im virtuellen Raum, dem periodisch eine Fähigkeit zur Umkremplung der Geschlechterverhältnisse angedichtet wird, das Beuteschema unserer Urgrosseltern die digitale Revolution der Liebe unbeschadet überstanden: Ob in Washington, USA, oder in Köln, Deutschland, die Zahlen von Datingplattformen sprechen eine deutliche Sprache: Frauen kontaktieren mit Vorliebe Männer mit höherem oder gleichem Bildungsniveau, Männer hingegen orientieren sich nach unten. Salopp gesagt: Der Arzt sucht die Krankenschwester, die Sekretärin den Abteilungsleiter.

Liebe macht ganz offensichtlich viel weniger blind, als gern behauptet wird. Jedenfalls nicht für die Titel auf der Visitenkarte oder die Zahlen auf dem Bankkonto. In der Liebe wird vielleicht mehr gerechnet, als uns lieb ist. Davon jedenfalls ist der spanische Ökonomie-Professor José-Manuel Rey überzeugt, der den Liebeskummer einsamer Single-Frauen mit der Mathematik erklären will. Und zwar mit der Game-Theorie: Gilt eine Frau einhellig als sehr attraktiv, dann ist es gemäss dieser Theorie logisch, dass viele Männer sich geringere Chancen zu landen einräumen und nicht um diese Frau werben. Das würde erklären, weshalb die Dating-Site OK vor kurzem feststellte, dass nicht die Frauen, welche von Single-Männern einstimmig als besonders attraktiv eingestuft wurden, am meisten Mails und Blind-Dates erhielten, sondern eben gerade die Ladys, über deren Attraktivitätsgrad die Männer sich nicht einig waren.

Der schöne Überschuss

Mit der Game-Theorie erklären Mathematiker übrigens auch den Überschuss an gut ausgebildeten Single-Frauen über dreissig. Man stelle sich die Partnerschaftssuche als Auktion vor, in der die Männer unter den Hammer kommen und die Frauen bieten (denn letztlich, darüber sind sich alle Experten einig, wirbt der Mann, während die Frau wählt). Je selbstbewusster die Frau – Bildung und Schönheit tragen im Normalfall dazu bei –, desto eher gehört sie zu den sogenannten «strong bidders» und ist wählerisch. An Auktionen aber machen die «weak bidders» meist das bessere Geschäft, prophezeit die Game-Theorie und belegen Untersuchungen. Sie nämlich seien sich bewusst, dass sie überboten werden können, mischten deshalb aggressiver mit und gäben sich auch mal mit einem suboptimalen Fang zufrieden.

Tja, meine Damen, was diese Gleichung über die eigene Partnerwahl aussagt, müssen Sie sich schon selbst fragen beziehungsweise ausrechnen. Da ist frau letzten Endes noch dankbar, dass das weibliche Geschlecht nicht den Ruf hat, in Mathe besonders zu glänzen, oder?

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(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.07.2011, 21:16 Uhr


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