Selbstmordserie unter Models
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 24.06.2010
Wenige Stunden, bevor die ersten Models über die Laufstege der Mailänder Fashion Week flanierten, erschütterte eine Tragödie die Branche. Nach der Rückkehr von einem Versace-Catwalk-Training, stürzte sich der 22-jährige Tom Nicon, ein männliches Topmodel, aus dem Fenster seiner Mailänder Wohnung im vierten Stock und starb. Selbstmord, so vermuteten die mailändischen Behörden.
Nicons Tod ist der letzte einer ganzen Reihe von Selbstmorden in der Modelszene. Im April hatte sich das Männermodel Ambrose Olsen (24) in seinem Appartement in New York erhängt. Im Mai versuchte das Model Noemie Lenoir (30), laut «Dailymail» Carl Hirschmanns neue Freundin, sich mit Alkohol, Drogen und Tabletten umzubringen. Im November erhängte sich das südkoreanische Daul Kim (29), nachdem sie auf ihrem Blog verkündet hatte, sie sei wütend, depressiv und überarbeitet. Im April stürzte sich das kolumbianische Model Lina Marulanda in den Tod – sie befand sich ebenfalls in Scheidung von ihrem Mann. Am meisten Aufsehen erregte der Selbstmord des britischen Top-Designers Alexander McQueen im Februar. Er erhängte sich am Tag vor der Beerdigung seiner Mutter.
Zufällige Häufung?
Die Serie wirft Fragen auf. Etwa, ob der Druck der Modebranche diese jungen Menschen in den Tod trieb, oder ob es sich nur um eine zufällige Häufung handelt. Nicons Kollegen vermuteten nach seinem Tod letzteres. «Alle möglichen Leute nehmen sich das Leben. Wenn ein Model das tut, erhält das einfach mehr Aufmerksamkeit in den Medien», sagte etwa Model Tom in der «Corriere della Sera». Andere Kollegen berichteten, es habe keinerlei Alarmzeichen gegeben. «Tom Nicon wirkte leichtherzig, positiv und schön», sagte Model Jethro Cave, Sohn des Sängers Nick Cave. «ich hätte mir nie vorstellen können, dass ihm so etwas passiert.»
Anders sehen es die Veteranen der Branche. Designerin Donatella Versace, die am Freitag noch mit Nicon gearbeitet hatte, berichtete, Nicon sei ruhiger als üblich gewesen. Und Giorgio Armani wollte einen Zusammenhang mit dem Druck, der in der Mode-Industrie herrscht als Grund für den Selbstmord nicht ausschliessen: «In dieser Welt ist Jugend alles, so dass man den Eindruck bekommen könnte, nach dem 22. Lebensjahr ende das Leben.», gab er zu Protokoll. «Wir sollten den Jungen vermitteln, dass das Leben auch nach 23 weiter geht.»
Wichtige Familienbande
Bekannt ist, dass der Druck in der Modebranche riesig ist. «Man geht zu Castings und wird nach einem Blick wieder nach Hause geschickt.», so ein anonymer Kommentator auf einem Fashion-Blog. «Da fragt man sich natürlich, was mit einem nicht stimmt. Warum bekam ich den Job nicht?»
Natürlich ist der Druck in der Modebranche gross, aber das wissen alle Models von Beginn weg. Auffällig bei der angeführten Selbstmordserie ist aber noch etwas anderes. In fast allen Fällen waren schwere Krisen im nahen Umfeld Auslöser für den Suizid. Auch Nicon hatte sich gerade erst von seiner Freundin getrennt und soll laut Freunden depressiv gewesen sein. Für Models, die ihr Leben in Hotelzimmern und Flugzeugen verbringen, scheint ein stabiles persönliches und familiäres Umfeld noch entscheidender zu sein als bei uns Normalos. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.06.2010, 12:50 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






