Sie haben einen Partner und gehen dank Internet trotzdem fremd
Von Katrin Hafner. Aktualisiert am 22.09.2009 17 Kommentare
Das Internet machts möglich: Seitensprung ohne Vorgeplänkel und Verpflichtung.
Wer meint, im Internet suchten nur Alleinstehende nach Flirts und Sex, täuscht sich. Längst tummeln sich auf all den Kontakt- und Vermittlungsplattformen auch gebundene und verheiratete Männer und Frauen - meist stehen sie offen zu ihrem Beziehungsstatus.
Die vor einem Jahr gegründete Vermittlungsagentur Casual Dating, kurz C-Date, was frei übersetzt so viel wie «ungezwungene Verabredung» heisst, wirbt offensiv um liierte Damen und Herren. Die Agentur betreibt mittlerweile in 25 Ländern Internetportale und hat über eine Million deutschsprachige Mitglieder im Alter zwischen 30 und 50 Jahren registriert. Fast die Hälfte der Userinnen und User - 45 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen - sind laut eigenen Angaben fest liiert (verheiratet oder sonst gebunden) und dennoch offen für einen Flirt und mehr.
Die Suche nach einem geeigneten Partner oder einer Partnerin funktioniert anonym, es werden weder Mailadressen noch Bilder gezeigt. Das scheint besonders viele Frauen anzuziehen: Über die Hälfte der Registrierten sind Frauen.
Was reizt die liierten Männer und Frauen am Fremdgehen via Internet? Wie gehen sie mit allfälligen Skrupeln um? Wir haben zwei von ihnen befragt.
Sie will sich sexuell ausleben
Andrea (41) aus Deutschland ist verheiratet, Management- und Direktionsassistentin, seit zehn Monaten verbringt sie täglich 30 Minuten auf C-Date.
Warum machen Sie, als verheiratete Frau, bei C-Date mit?
Die Beziehung zu meinen Mann ist harmonisch und bereichernd, ich kann mich nicht beklagen. Aber bezüglich Sexualität fühle ich mich ein wenig unausgefüllt.
Können Sie dies Ihrem Mann nicht sagen?
Doch, klar, das tue ich auch. Aber er möchte bestimmte Sexualpraktiken nicht mit mir machen, weil er sagt, er verliere sonst den Respekt vor mir.
Weil Sie bizarre sexuelle Wünsche hegen?
Es ist nicht so wild, geht in Richtung Sadomaso, zum Teil Rollenspiele, die er zu Beginn der Beziehung mitmachte, jetzt aber nicht mehr mag. Ich jedoch will meine Sehnsüchte ausleben, darum suche ich mir andere Männer.
Was sagt Ihr Mann dazu?
Er ist informiert und hat nichts dagegen.
Keine Eifersucht, nichts, dass sich in Ihrer Beziehung durch das Fremdgehen via Internet verändert hat?
Nein, es hat sich deswegen nichts verändert, auch in sexueller Hinsicht nicht. Wir sind beide der Meinung, dass man nicht alle seine Wünsche auf eine einzige Person projizieren darf und dass man den anderen respektieren soll, wie er ist. Solange Ehrlichkeit und absolute Offenheit bestehen, sehe ich nichts Negatives, wenn ich ausserhalb der Ehe einen Kick hole.
Warum suchen Sie Ihren Seitensprungpartner nicht einfach in der nächsten Bar?
Nach einem langen Arbeitstag ist es mir zu anstrengend, auszugehen. Mit dem Internet bin ich zeitlich unabhängig, kann mal nachts um drei Ausschau halten - und bleibe total anonym, solange ich das will.
Er sucht via Postleitzahl
Marcus (33) aus der Schweiz ist seit acht Jahren in einer festen Beziehung, diplomierter Wirtschaftsinformatiker und seit einem Jahr Mitglied von Casual Dating.
Was motivierte Sie, sich als User von C-Date registrieren zu lassen?
Sexueller Frust. Im Grunde sind meine Freundin und ich ein gutes Team, wir verstehen uns super, nur im Bett wurde es immer eintöniger. Ich suche nichts Festes, sondern nur das erotische Abenteuer.
Wie sehen diese Abenteuer aus?
Durch meinen Job bin ich viel unterwegs. Mit der Postleitzahlensuche bei C-Date arrangiere ich mir vor Ort ein Date und vermindere so das Risiko, dass meine Freundin davon erfährt.
Haben Sie ein schlechtes Gewissen?
Meist denke ich nicht daran, aber wenn meine Freundin und ich Zukunftspläne schmieden oder einen romantischen Abend verbringen, habe ich ein schlechtes Gewissen, ja.
Wie laufen die Treffen ab?
Da gibt es nicht viel zu berichten: Entspricht ein Profil meinen Vorstellungen, schreibe ich ihr ein kurzes Mail. Gefallen ihr meine Angaben, schicken wir uns Fotos. Bei einer Verabredung treffen wir uns an einem unauffälligen Ort oder in der Hotellobby. Wir stellen uns kurz vor und dann gehts nach oben - kurz, knapp und ehrlich.
Würde es Sie stören, wenn auch Ihre Freundin auf C-Date Kontakte suchen würde?
Ja, ich wäre auf jeden Fall eifersüchtig! (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.09.2009, 10:04 Uhr
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17 Kommentare
Als Mann hat man bei C-Date keine Möglichkeit, sein Profil irgendwie individuell zu gestalten (Fotos etc.) Ein paar unterschiedliche Standard-Vorlieben können angekreuzt werden - das war's dann auch schon. Das führt dazu, dass die Damen (falls es auf C-Date überhaupt welche gibt, die keine finanziellen Interessen haben) eine Fülle von austauschbaren, nichtssagenden Männer-Vorschlägen erhalten... Antworten
Hallo BAZ Dies was man hier oben liest ist ja sehr verheissungsvoll, jedoch ist das ganze C-Date ein riesiger Schwindel. Die Nutzer werden lediglich abgezockt und mit täglichen Vorschlägen berieselt. Jedoch kommen lediglich Antworten von Frauen, welche einem via E-Mail kontaktieren wollen mit heissen Versprechungen und die obligate 0900 Nummer zum kontaktieren. Wollen Sie mehr wissen? Ch.Windisc Antworten
Eine Webseite mehr, um naiven Männern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Angaben,dass 50 % oder sogar mehr der Suchenden Frauen sind, lässt sich ja leider nicht überprüfen. Das wirkliche Verhältnis normaler Frauen zu Männern dürfte aber eher bei 1 zu 100 liegen. Oder dann sind es Frauen abseits der Norm, die wegen ungewöhnlichen Sexpraktiken oder extremem Äusseren sonst nichts finden. Antworten
wer diese Art von Seitensprung sucht, dessen Beziehung funktioniert sowieso nicht mehr, aber trennen kostet häufig viel Geld, deshalb sind alle Gebundenen dort auf der Suche nach dem Fünfer und dem Weggli! Also da sieht man, um was es geht ? Oder? Im Internet eine seriöse Partnerschaft finden ist eine reine Illusion! Antworten
Das ist doch alles Quatsch, wenn ich das "Reissen" habe und etwas knisternd erotisches möchte, dann begebe ich mich auf die Pirsch welche bereits vor der Tür meines Hauses beginnt. Das Revier kann sich vom Coop zur Migros und über den ganzen Globus erstrecken! Antworten
Hatte bei meinem 1.Kommentar ausser Acht gelassen, dass Frauen offenbar doch kostenlos mitmachen können. Aber Interessierten empfehle ich eine kleine Google Suche: Es handelt sich hier offenbar um Betrug. Die Kontaktvorschläge, die Mann bekommt, sind ganz offensichtlich computeregeneriert. Kaum hat man nämlich bezahlt, gibt es fast keine Interessentinnen mehr und die wenigen werden nie antworten. Antworten
Ich finde die Idee ganz OK, gerade für Paare, die den mutigen Schritt eines Partnertausches wagen. Alle, die mit ihrem Partner/ihrer Partnerin ein ausgefülltes Sex-Leben haben: Schön, geniesst es! Es gibt aber genügend Menschen, die sich Sex (und nur Sex) mit anderen als ihren Partnern wünschen. Gute Sache also. Antworten
Ich werde mich einmal aufmachen das Ganze zu sabotieren. Es gibt nichts schlimmeres seine Partnerin/Partner zu hintergehen. Das Ganze basiert auf die Ehrlichkeit der User - beide wollen das Gleiche und deshalb haben sie kein Interesse daran den Sex-Partner zu entlarven. Doch wenn Jemand die Treffen mimacht nur um zu entlarven, dann wird es lustig... Antworten
Eigentlich nicht schlecht gemacht, wenn die Gleichgesinnten mit automatisierten Vorschlägen zusammengebracht werden, ohne Bilder oder ein Profil zu veröffentlichen. Ich glaube aber niemals, dass hier tatsächlich mehr Frauen registriert sind! Das würde man nicht einmal hinbekommen, wenn Frauen gratis. Attraktive Frauen bekommen doch täglich x unseriöse Angebote und sind generell viel zu knausrig Antworten
Also, wenn man sich in seiner Beziehung irgendwie 'unausgefüllt' fühlt, dann sollte man sich vielleicht einen anderen Partner suchen, das wäre ehrlicher und für alle Seiten besser. Fremdgehen ist da kaum eine Lösung, ausser dem kurzlebigen 'kick'. Und wer gerne fremd geht, der täte das auch ohne Internet. Antworten
Also wenn man Sex mit jemandem anderen hat, ist dies 1. nicht mehr treu, 2. das beste Mittel, sich mit einer Geschlechtskrankheiten AIDS etc. anzustecken. 3. Im Unterschied zum versteckten einfach ein offener Betrug,was am Schluss auf Dasselbe rausläuft! Antworten
Remy Fadieze hat recht, wer sowas nutzt soll es seinem Partner sagen, alles andere ist einfach Betrug. Was die Frau in dem Interview macht finde ich völlig in Ordnung aber der Typ am Schluss ist das letzte. Wie kann er sich den "Kick" auswärts besorgen aber wenn seine Freundin das machen würde, wärs ein Problem? Das ist Egoismus pur. Antworten
Liest sich wie eine Abschrift der Werbung eines solchen Portals. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich jede und jeder irgendwo selbst belügt, wenn die Rede davon ist, dass sich "nichts ändert". Zumindest die innere Gleichgültigkeit gegenüber dem Partner oder der Partnerin wird so nur noch verstärkt. So steuert man längerfristig darauf zu, dass man sich fragt, wieso man sich nicht gleich trennt Antworten
Der letzte Satz bringt den Haken an der Sache genau auf den Punkt: die meisten sind nicht gewillt, dem Partner das zuzugestehen was sie selbst machen...und da ist der Betrug! Meine Freundlin und ich sind ehrlich zueinander: wir sagen es uns wenn wir sex haben mit jemand anderem. Das ist wahre Treue! Antworten






Andreas Riggenbach
Ich habe mich für CHF 59.90 (Premium) bei C-date angemeldet. Es kamen innert weniger Minuten 3 Kontakte, seither ist Funkstille. Welch ein grossartiger Betrug! Wichtig ist nur, dass die Kasse stimmt. Antworten