Sie machte aus einem Pudding einen Mann

Eine Frau stellt ihre Karriere zurück für den Erfolg ihres Lebensgefährten: Spielt Valérie Trierweiler, die Lebensgefährtin von François Hollande, die entscheidende Rolle im französischen Wahlkampf?

Sie machte aus ihrem Lebenspartner François Hollande einen kantigen Präsidentschaftskandidaten: Valérie Trierweiler im französischen Fernsehen.

Sie machte aus ihrem Lebenspartner François Hollande einen kantigen Präsidentschaftskandidaten: Valérie Trierweiler im französischen Fernsehen. Bild: AFP

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Bisher war sie der Öffentlichkeit kaum bekannt. Aber nun sagen viele Valérie Trierweiler eine tragende Rolle im politischen Leben Frankreichs voraus. In der Tat: Wenn ihr Lebensgefährte, der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande, diesen Mai die Wahl gegen Nicolas Sarkozy gewinnen sollte – und die Chancen dafür stehen gut –, so wird die elegante 46-Jährige als Première Dame in den Palais de l'Élysée einziehen.

Damit würde sie ihre Rivalin Carla Bruni verdrängen, mit der sie mehr gemeinsam hat, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Denn wie Bruni ordnet auch Trierweiler die eigene Karriere dem Ehrgeiz ihres Mannes unter. Ein Entscheid, der, wie es scheint, französischen Frauen leichter fällt als anderen. Man denke nur an die bis zum bittersten Ende loyale Anne Sinclair, Ehefrau des gefallenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn, die nun mit 62 als Herausgeberin der französischen «Huffington Post» ihr berufliches Comeback versucht. (Lesen Sie auch: «Der wichtigste Karriere-Entscheid Ihres Lebens»)

Feministin, Journalistin und ein «Rottweiler»

Auch Valérie Trierweiler ist Journalistin. Als Reporterin des Wochenmagazins «Paris Match», für welches sie seit 1989 arbeitet, lernte sie das Polit-Business auch von seinen schmutzigen Seiten kennen. Sie soll übrigens mal eine leidenschaftliche Feministin gewesen sein, heisst es; einmal habe sie gar einen sexistischen Witze reissenden Kollegen vor Publikum geohrfeigt. (Lesen Sie auch: «So sabotieren Sie Ihre Karriere»)

Wegen ihres energisch-zielstrebigen Naturells wird Trierweiler von Leuten, die sie nicht so sehr mögen, auch «Rottweiler» genannt. Ihre Freunde hingegen beschreiben die attraktive Brünette als temperamentvoll und kämpferisch – Qualitäten, die sie in ihrer Laufbahn als Magazinjournalistin und Fernsehmoderatorin unter Beweis stellte und sie zu einer der renommiertesten Polit-Journalistinnen Frankreichs machten.

Seite an Seite im Wahlkampf

Doch mit Politjournalismus ist erst mal Schluss. Vollblutjournalistin Trierweiler muss wegen des Interessenkonflikts derzeit auf ihre politische Berichterstattung verzichten, sie verstummt als politisch relevante Medienstimme. Das fällt ihr, wie sie selber gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Le Nouvel Observateur» einräumte, schwer: «Ich beneide diejenigen Kollegen, die über François' Wahlkampf berichten dürfen.»

Doch sie macht auch keinen Hehl daraus, wie sehr sie die Rolle als Frankreichs First Lady reizt. Blieb sie früher bei Hollandes Auftritten hinter den Kulissen, so spielt sie ihren Part mittlerweile offensiv. Sie hat ein Büro in Hollandes Hauptquartier im siebten Arrondissement von Paris, wo sie, wie «Le Monde» unlängst schrieb, an den Sitzungen des Wahlkampfteams teilnimmt und mit ihrem Rat nicht zurückhält. Und sie sitzt an Politevents ihres Lebensgefährten in der ersten Reihe, inmitten Frankreichs Sozialisten-Prominenz; so auch Ende Januar in Le Bourget, wo François Hollande seinen Wahlkampf startete, den Feldzug gegen Sarkozy eröffnete.

Sie machte aus einem Pudding einen kantigen Kandidaten

In Le Bourget überraschte Hollande das Parteivolk und die Politbeobachter nicht nur mit einem griffigen und populären Wahlkampfprogramm. Am meisten zu reden gab vielmehr das gewandelte Äussere des 57-Jährigen: Früher noch als «Pudding» verlacht, hatte der sozialistische Präsidentschaftskandidat mindestens zehn Kilo abgenommen, sich obendrein eine neue Brille und eine neue Frisur zugelegt und gab sich kantig, gar aggressiv. In Hollandes Umfeld und unter Politkennern ist es klar, wie das alles zustande kam: Valérie, die clevere Fernsehfrau, habe ihren Partner gestrafft und getrimmt, sie habe Hollande geformt, gar neu erfunden. «Ich kann ihm einiges beibringen», meinte Trierweiler dazu diplomatisch in einem Interview. (Lesen Sie auch: «Was Männer hören wollen») Das ist leicht untertrieben. Umfragen zeigten, dass Hollande mit seinem neuen Look bei den Französinnen und Franzosen entscheidend punkten konnte.

Trierweiler und Hollande haben ihre Beziehung lange geheim gehalten. Die beiden sind schon seit den vorigen Präsidentschaftswahlen ein Paar – damals war Hollande allerdings offiziell noch mit der damaligen Kandidatin Ségolène Royal liiert. Erst 2010 machte Hollande die Beziehung öffentlich, in der französischen «Gala».

Valérie vs. Carla, ein delikates Duell

Wenn Trieweiler nun, zwei Jahre später, im Rampenlicht steht und für ihren Partner und die eigene Zukunft kämpft, so ist es die Ironie ihres Schicksals, dass sie dabei auch gegen eine Frau antritt, die ziemlich ähnlich tickt wie sie selbst: Präsidentengattin Carla Bruni. Nach der Geburt von Tochter Giulia meldet sich die aktuelle Première Dame im Tagesgeschäft zurück und liess dieser Tage verlauten, sie werde präsent sein, «um ihren Mann im Wahlkampf zu unterstützen».

«The Telegraph» nennt den Wettstreit zwischen Trierweiler und Bruni «The battle to be first lady» und die Chancen der Herausforderin stehen gut. Ihre elegante Erscheinung kann es allemal mit Carla Bruni aufnehmen, auch wenn sie nie gemodelt oder vor einer Filmkamera gestanden hat. Zwar gibt es keine Umfragen zum Direktduell der Damen, aber die neusten Umfragen zur Popularität der Herren sehen Hollande vorne und prophezeien dem Sozialisten den Wahlsieg.

Der Plan der Valérie Trierweiler scheint aufzugehen.

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(Erstellt: 20.04.2012, 16:35 Uhr)

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Blieb sie früher hinter den Kulissen, so spielt sie ihren Part mittlerweile offensiv: Hollande und Trierweiler am Politevent in Le Bourget. (Bild: AFP )

Trierweiler trifft auf eine Rivalin, die ganz ähnlich tickt wie sie selbst: Die Noch-First-Lady Carla Bruni im Januar dieses Jahres. (Bild: AFP )

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