Studierte Mütter arbeiten eher Teilzeit
Von Mirjam Comtesse. Aktualisiert am 11.10.2010 7 Kommentare
Dagmar Fresenius (36): 100%-Stelle bei der Swisscom und zwei Söhne (1,5 und 2,5 Jahre alt). (Bild: Urs Baumann)
Ursula Praz (40): Vollzeitmutter von zwei Kindern (2 und 4 Jahre alt). (Bild: Beat Mathys)
Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, ist schwierig – sowohl für Männer als auch für Frauen. Das stellt viele Väter vor Herausforderungen, wie wir bereits berichtet haben. Doch die Folgen für die Mütter sind noch einschneidender. Denn gemäss den neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) trägt in 8 von 10 Schweizer Paarhaushalten mit Kindern die Frau die Hauptverantwortung für die Hausarbeit.
Mit der Geburt des ersten Kindes ändert sich deshalb alles. Meistens hört die Frau mehrheitlich auf zu arbeiten. Nur noch 15 Prozent aller Mütter sind voll berufstätig, 61 Prozent arbeiten Teilzeit und 24 Prozent bleiben ganz daheim.
Alles weist in eine Richtung
«Auffallend ist, dass Kinder nicht etwa zu einer Zunahme von egalitären oder neuen Erwerbsmodellen führen, sondern viel eher die traditionellen, verbreiteten Muster festigen», schreibt das BFS. Oft begünstigen die Strukturen in der Arbeitswelt diese Rollenverteilung: Der Mann verdient in der Regel mehr, kann sein Pensum kaum reduzieren, und Fremdbetreuung von Kindern ist teuer – also ist es für alle Beteiligten einfacher, wenn die Frau zum grösseren Teil oder ganz die Hausarbeit übernimmt.
Gut Ausgebildete im Vorteil
Einen Einfluss darauf, wie sich eine Familie organisiert, hat natürlich ihre finanzielle Situation. Manchmal gibt es gar keine Wahl: Beide Elternteile müssen Geld verdienen, weil ein Erwerbseinkommen allein nicht ausreicht. So erklärt sich das Phänomen, dass laut BFS überdurchschnittlich viele Frauen mit Hochschuldiplom ihr Pensum nach der Geburt des ersten Kindes reduzieren. Sie können es sich leisten: Sie verdienen weiterhin relativ gut, und ein Arbeitgeber überlegt es sich genau, ob er eine hoch qualifizierte Arbeitnehmerin ganz verlieren will. Schlechter Ausgebildete dagegen getrauen sich entweder nicht zurückzustufen oder ziehen sich gleich ganz aus dem Erwerbsleben zurück.
Schaden für Wirtschaft
Gleichzeitig sind Frauen mit einem höheren Schulabschluss in der Regel nicht bereit, völlig auf einen Beruf zu verzichten, weil sie viel in ihre Ausbildung investiert haben. Mit ihrem Teilrückzug gehen aber immer noch Wissen und Erfahrung verloren. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist dies ein grosser Verlust.
Schere öffnet sich weiter
In der Schweiz stecken im europäischen Vergleich besonders viele Frauen beruflich zurück, wenn sie Mutter werden. «In den übrigen europäischen Ländern kommt dies nicht so stark zum Ausdruck», hält das Bundesamt für Statistik fest: Entweder ist dort die Erwerbsquote von Frauen ohnehin tief. Oder die Frauen hören nicht auf zu arbeiten, weil es längere Mutterschafts- oder Elternurlaube gibt.
Erst wenn die Kinder in die Schule gehen, steigen die Schweizer Mütter vermehrt wieder ins Erwerbsleben ein oder stocken ihre Pensen auf, wie die Statistiken zeigen. Doch dann erreichen sie meistens keine Kaderposition mehr, weil sie Jahre an Erfahrung verpasst haben. Die Folge davon: Der Lohnunterschied zum Mann, der schon zuvor dazu geführt hat, dass die Frau eher zurückschraubt, wird nun noch grösser. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.10.2010, 10:41 Uhr
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7 Kommentare
Wer Frauen fördern will, muss Vätern mehr Rechte (Vaterschaftsurlaub, gemeinsames Sorgerecht) einräumen. Dies mag paradox klingen. In Deutschland hat dies Frau von der Leyen jedoch begriffen. Die Schweizer Feministen sind damit intellektuell überfordert und vor allem von ihrem Hass auf Männer getrieben. Deshalb werden wir hier auch auf die Förderung von Teilzeitstellen für Väter noch lange warten. Antworten
Liebe Frau Comtesse Ein netter Beitrag, doch lässt er gleich den Anschein der Parteilichkeit zu, da Sie auf ein kleines, aber doch erhebliches, Manko der schweizer Wirtschaft nicht einmal hingewiesen haben, Männer aber seit geraumer Zeit dafür kämpfen: Vaterschaftsurlaub! Wohl auch ein Grund weshalb vielen Männern ein gewisser Spielraum fehlt. Das kann an den Statistiken rütteln, da ja bekanntlich Statistiken nur so gut wie ihr Statistiker sind. Nordeuropäer haben da die Nase weit vorne. Antworten
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