Teenager trinken später, dafür umso heftiger

Jede vierte Person in der Schweiz raucht, gut jede fünfte trinkt zu viel Alkohol. Vor allem Jugendliche bereiten Sorgen.

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Rauchen und Rauschtrinken sind in der Schweiz weiterhin ein Problem. Das Konsumverhalten hat sich im vergangenen Jahr insgesamt zwar kaum verändert. Eine Verschiebung hat es jedoch bei den 15- bis 19-Jährigen gegeben, wie das Panorama 2016 von Sucht Schweiz zeigt. Gefordert sind laut den Fachleuten nun Politik und Wirtschaft.

«Mitverantwortung statt nur Eigenverantwortung bei Suchtproblemen», lautet der Titel des heute erschienenen Berichts zu den aktuellen Konsumtrends von Jugendlichen und Erwachsenen. Mit jährlich mehr als 11'000 Todesfällen und 10 Milliarden Franken Folgekosten forderten Suchtprobleme die ganze Gesellschaft. «Eine nicht selbstverständliche Sichtweise, wie der Blick auf die suchtpolitischen Entwicklungen zeigt.»

Sorgen bereiten den Experten vor allem die neusten Zahlen und Fakten zur jüngeren Generation: Zwar wird bis zum Alter von 15 Jahren tendenziell weniger Alkohol, Tabak und Cannabis konsumiert. Unter den 15- bis 19-Jährigen nimmt das Rauschtrinken seit 2011 aber wieder zu. Auch der Glimmstengel wird bei dieser Altersgruppe wieder beliebter.

Raucherquote stagniert

Über die ganze Bevölkerung hinweg ist es laut Sucht Schweiz weiterhin nicht gelungen, einen Rückgang der Raucherquote zu erreichen. Die tabakbedingten Todesfälle haben mit 9500 pro Jahr sogar noch etwas zugenommen. Dies zeichne die ansteigende Anzahl der Raucherinnen und Raucher in den vergangenen Jahrzehnten mit Verzögerung nach.

Der Markt verändert sich gemäss Suchtpanorama aber. Es werden weniger konventionelle Zigaretten gekauft, dafür wird mehr zu selbstgedrehten Zigaretten, Wasserpfeifen und E-Zigaretten gegriffen. Bei Letzteren handle es sich wohl meist um einen Probierkonsum.

Wenige trinken alles

Alkohol bleibt derweil die Gesellschaftsdroge Nummer eins. Auffallend ist, dass gut 11 Prozent der erwachsenen Bevölkerung die Hälfte des gesamten Alkohols trinken.

Weiterhin sterbe alle 5 bis 6 Stunden ein Mensch an den Folgen des übermässigen Konsums, bilanzieren die Suchtexperten. Schätzungsweise 250'000 Menschen in der Schweiz litten an einer Alkoholabhängigkeit, eine weitere halbe Million unter dem Alkoholproblem naher Angehöriger. Rund 100'000 Kinder kommen aus alkoholbelasteten Familien.

Dauerthema Cannabis

Auch der Cannabiskonsum ist nach wie vor weit verbreitet. In der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen raucht jeder Vierzehnte regelmässig einen Joint. Die Diskussion um mögliche Vor- und Nachteile einer Cannabisregulierung steht vielerorts im Zentrum der drogenpolitischen Agenda.

Auf dem Radar haben die Suchtexperten auch das neue Geldspielgesetz, das den profitablen Markt auch im Internet öffnen will. Ohne ausreichende Massnahmen für den Spielerschutz riskiere der Gesetzgeber damit eine Zunahme der Probleme, heisst es. Schon heute spielt jeder Hundertste auf problematische oder pathologische Weise.

Weniger Ideologie, mehr Sachlichkeit

Die Stiftung Sucht Schweiz kritisiert in ihrem Bericht die oft zu engstirnig geführten Diskussionen in der Sucht- und Drogenpolitik: «Das Argument, dass regulierende Massnahmen die Eigenverantwortung und persönliche Freiheit einschränken, greift zu kurz.»

Aktuelle Befragungen zeigten, dass beispielsweise ein Verbot der Tabakwerbung oder Massnahmen gegen Spottpreise beim Alkohol von der Mehrheit der Bevölkerung befürwortet würden. «Für die meisten wären diese Massnahmen kaum spürbar, hingegen würden sie junge Menschen und solche mit problematischem Konsum schützen.» Das neue Tabakproduktegesetz, das dieses Jahr beraten wird, biete eine Chance.

«Es bleibt zu wünschen, dass die Suchtpolitik weniger ideologisch, sondern auf sachlichen Analysen der bisherigen Erfahrungen basiert.» (rub/sda)

Erstellt: 08.02.2016, 09:59 Uhr

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