Leben

Teens mögen keinen Kinderhelm

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 22.06.2011 68 Kommentare

Das Velohelm-Obligatorium für Kinder soll bei 14 Jahren enden. Das macht den Helm zum Baby-Artikel, den kein Teenager trägt.

Bild: Widmer

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Kinder unter 14 Jahren sollen beim Velofahren einen Helm tragen müssen: So will es der Bundesrat, und der Ständerat sagt Ja dazu. Der Nationalrat hat noch nicht entschieden.

Hauptargument der Befürworter einer Helmpflicht: Kinder müsse man besonders schützen, sie seien die Schwächsten im Verkehr. Wohl wahr. Aber was ist mit den Teenagern? Die dürfen auch in Zukunft fröhlich ohne Helm herumkurven. Und das werden sie mit Sicherheit noch viel öfter tun, wenn die Helmpflicht bis 14 gilt.

Bei Teenagern droht Lücke

«Früh übt sich» gilt hier nämlich nicht, sondern vielmehr das Prinzip der Abgrenzung. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was ein voll pubertierender Jugendlicher an seinem 14. Geburtstag mit dem Velohelm anstellt, wenn dieser für Jüngere vorgeschrieben ist.

Richtig. Er schmeisst ihn zuunterst in den Schrank (im besten Fall) oder gleich in den Mülleimer (im wahrscheinlichsten Fall). Man ist ja kein Baby mehr, und das gilt es um jeden Preis den Kollegen mitzuteilen. Zudem leidet die Frisur unter dem Helm, und Teenagern ist das Aussehen bekanntlich oft wichtiger als mögliche Gefahren – mit 14 neigt man ohnehin dazu, sich für unverletzlich zu halten.Mag sein, dass der eine oder andere später den Helm wieder aufsetzt. Aber es bleibt bei der Gefahr, dass sich bei den Teenagern eine helmtechnische Lücke öffnet. Und diese dürfte schwer zu schliessen sein, wenn der Velohelm erst einmal als Babyartikel gilt.

Das Grundproblem bleibt ungelöst

Wer es also ernst meint mit der Helmtragpflicht, der hat nur eine Wahl: Die Pflicht müsste für alle gelten. Aber auch das ist nicht unproblematisch. Dass dann wohl weniger Leute Velo fahren würden (Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass dieses Szenario real ist), wäre notfalls noch zu verschmerzen, wenn die Sicherheit dafür massiv steigen würde. Dass der Staat einmal mehr aus wohlmeinender Fürsorglichkeit ein Gesetz erliesse, das die persönliche Freiheit einschränkt, liesse sich auch hinnehmen, wenn es dazu führen würde, dass weniger Velofahrer verunfallen.Aber genau das ist zweifelhaft.

Denn das Grundproblem bleibt so ungelöst. Warum tragen Velofahrer überhaupt einen Helm? Weil sie sich die Strasse mit Autofahrern teilen müssen und ständig Gefahr laufen, unter die Räder zu kommen. Wohlverstanden, das soll keine pauschale Schuldzuweisung an die Adresse der Automobilisten sein. Tatsache ist ganz einfach, dass es zwangsläufig zu Friktionen kommt, wenn sich so völlig unterschiedliche Fahrzeuge wie Velo und Auto auf derselben Fläche bewegen. Und Tatsache ist ebenso, dass die Velofahrer die Schwächeren sind. Natürlich kann ein Velohelm im schlimmsten Fall die allerschlimmsten Folgen mindern (weshalb die Autorin selbst Helm trägt). Aber: Mit einer Helmtragpflicht wird kein einziger Unfall verhindert.

Bloss ein Feigenblatt

Wer wirklich Abhilfe schaffen will, der muss radikaler zu Werke gehen. Verkehrsflächen zu entflechten, ist nur eine denkbare Variante. Eine andere wäre es, alle Beteiligten zu mehr Aufmerksamkeit zu zwingen, indem viel weniger signalisiert wird als heute. Vor beiden möglichen Schritten aber schreckt die Politik zurück, denn der eine kostet Geld, der andere Wählerstimmen.

Da ist es einfacher, eine Helmpflicht für Kinder zu beschliessen. Dann kann man sich beruhigt zurücklehnen. Man hat ja das Problem erkannt und etwas getan. Auch wenn es nur ein Feigenblatt ist, das man sich umgehängt hat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.06.2011, 21:43 Uhr

68

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

68 Kommentare

Roger Bartholdi

22.06.2011, 09:56 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Wieso nur Helmtragepflicht? Weshalb keine Pflicht zum Tragen von Rückenprotektor, Knie- und Schienbeinschorner? Helmtragepflicht bei Kletterer, Wanderer, Skifahrer, Inliner? Die Menschen sollen wieder lernen eigenverantwortig zu übernehmen, solche Verbote sind absolut fehl am Platz. Antworten


Bernard Birchmeier

22.06.2011, 09:27 Uhr
Melden 25 Empfehlung

Zur mehrfach vorgeschlagenen Helmtragepflicht für alle:
Schlussendlich ist es doch Sache jeder einzelnen zu entscheiden ob sie einen Helm trägt. Durch keinen Helm tragen verhindert frau weder Unfälle noch gefährdet sie Andere(Autofahrer zb). Es ist also wirklich nicht nötig dafür ein weiteres Gesetz zu erlassen.
Antworten




Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.