«Unsere Kinder werden viel zu hart bestraft»
Von Matthias Meili, Philadelphia. Aktualisiert am 13.11.2009 49 Kommentare
«Jugendlichen begehen oft Verbrechen, weil sie noch unreif sind»: Laurence Steinberg.
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Wegweisender Forscher
Der Jugendpsychologe und Neurowissenschaftler lehrt an der Temple University in Philadelphia. Am 3. Dezember wird ihm in Zürich der Klaus-J.-Jacobs-Forschungspreis verliehen, der mit insgesamt einer Million Franken dotiert ist und der laut Pressemitteilung «herausragende wissenschaftliche Leistungen würdigt, die wegweisend zur erfolgreichen Entwicklung junger Menschen beitragen». Steinbergs Forschungsergebnisse haben dazu beigetragen, dass in den USA die Todesstrafe bei jugendlichen Tätern unter 18 Jahren abgeschafft wurde.
Er konnte zeigen, dass das Gehirn Heranwachsender noch unreif ist und sie folglich nicht gleich schuldfähig wie Erwachsene sind. Zuvor hatte Steinberg jahrelang die Beziehungen zwischen Eltern und Heranwachsenden erforscht und mehrere Bücher zum Thema Erziehung verfasst, unter anderen das auch auf Deutsch erschienene Ratgeberbuch «Die 10 Gebote der Erziehung» (2005/2008). Steinberg ist 57 Jahre alt, lebt heute mit seiner Frau in Philadelphia. Er hat einen erwachsenen Sohn. (mma)
Herr Steinberg, Jugendliche verhalten sich bizarr, werden frech und machen Probleme. Ist es nicht furchtbar anstrengend, mit Heranwachsenden zu forschen?
Ich wollte immer wissen, wie Menschen zu dem werden, was sie sind, und welche Faktoren dabei entscheidend sind. Die Jugend ist eine Zeit, in der wir uns sehr stark verändern; im Erwachsenenalter ist das viel weniger der Fall. Zudem liebe ich Teenager sehr, das ist vielleicht etwas speziell. Viele können nichts mit ihnen anfangen oder haben sogar Angst vor ihnen. Aber ich mag sie. Sie sind voller Energie, voller Leben, voller Neugier und aufblühender Intelligenz. Wirklich, es macht mir Spass.
Sie haben behauptet, dass das Hirn von Jugendlichen so unreif sei, dass sie für schwere Verbrechen gar nicht voll schuldfähig sein können.
Ich sage nicht, dass man Heranwachsende für Verbrechen nicht zur Rechenschaft ziehen darf. Aber ich denke, wir sollten das auf eine Art und Weise tun, die den jungen Menschen gerecht wird. Heute glauben viele, dass nur noch der kriminelle Akt betrachtet werden muss – ein Raub ist ein Raub, ein Mord ist ein Mord. Jemand sagte mir einmal, dass es gleich wehtut, ob man von der Kugel eines 15-Jährigen oder von der Kugel eines 30-Jährigen getroffen wird.
Was ja auch stimmt ...
Das stimmt, aber dann frage ich ihn, ob er auch so denken würde, wenn er von einer Kugel getroffen wird, die ein Vierjähriger abgefeuert hat. Wollen Sie einen Vierjährigen wie einen Erwachsenen beurteilen?
Was geht denn im Hirn von Jugendlichen vor?
Etwa zur Zeit der Pubertät zeigt sich im Hirn ein dramatischer Anstieg von Dopaminrezeptoren. Der Nervenbotenstoff Dopamin vermittelt vor allem Freude und Belohnung. Der Anstieg der Dopamin-Aktivität führt dazu, dass die Jugendlichen viel neugieriger werden und den Nervenkitzel regelrecht suchen; sie sind geradezu süchtig nach Gefühlen der Belohnung und der Bestätigung. Aber es gibt ein zweites System im Gehirn, nämlich eine Art kognitive Kontrolle, das uns hilft, nach vorne zu schauen, die Konsequenzen unseres Handels abzuschätzen, zu planen. Dieses Kontrollsystem ist auch eine Art Impulsbremse, doch es ist erst Mitte zwanzig ausgereift. Die Diskrepanz in der Entwicklung dieser beiden Hirnsysteme führt dazu, dass sich Heranwachsende oft riskant und rücksichtslos verhalten, bis hin zum Verbrechen, obwohl sie intellektuell schon in der Lage sind, rationale, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.
Entschuldigen diese neurowissenschaftlichen Fakten ein Verbrechen?
Nein, aber sie gebieten uns, dass wir Jugendliche für ihre Taten anders beurteilen als Erwachsene. Das ist ja auch der Sinn des Jugendstrafrechts. Das wurde in den letzten 20 Jahren vergessen. Diese Jugendlichen begehen oft Verbrechen, weil sie noch unreif sind.
In diesem Jahr haben in Europa sinnlose Gewalttaten von Jugendlichen für Unruhe gesorgt, die sie scheinbar aus purem Spass und in der Gruppe verübt haben.
Wir wissen aus der Verhaltensforschung, dass Jugendliche mehr Risiko eingehen und rücksichtsloser handeln bis hin zu Verbrechen, wenn sie statt allein mit Kollegen zusammen sind. Bei Erwachsenen ist das nicht der Fall. Wieso ist das so? Wir haben verschiedene Tests durchgeführt, um dieses Verhalten zu überprüfen. Während dieser einfachen Tests, in denen die Jugendlichen riskante Situationen zu bestehen hatten, haben wir MRI-Aufnahmen ihres Gehirns gemacht. Dabei hat sich gezeigt, dass vor allem das Belohnungssystem aktiv ist, das kognitive Kontrollsystem dagegen ist inaktiv. Die Jugendlichen suchen also vor allem Bestätigung von ihren Kollegen.
Mitgegangen, mitgehangen ...?
Wenn wir wissen, dass Jugendliche von Natur aus dem Druck ihrer Kollegen weniger standhalten können, müssen wir das doch auch im Strafmass berücksichtigen. Aber alle unreifen Menschen werden reifer, wenn man sie heranwachsen lässt und wenn man ihnen eine Umgebung bietet, die ihnen dabei hilft.
Sind Sie nicht etwas zu optimistisch, was die Entwicklung von gewalttätigen Jugendlichen betrifft?
92 Prozent aller jungen Straftäter werden als Erwachsene keine Verbrechen mehr begehen. Sie nennen das vielleicht Optimismus, ich nenne es Wissenschaft. Wenn man zum Beispiel sagt, ein 13-Jähriger werde sich nie mehr rehabilitieren, ist das falsch. Denn die Wissenschaft zeigt, dass das in den allermeisten Fällen klappt.
Auffällig ist, dass vor allem männliche Jugendliche in gewalttätige Verbrechen verwickelt sind. Widerspiegeln sich diese Verhaltensunterschiede in der Entwicklung des Gehirns von jugendlichen Männern und Frauen?
Die Unterschiede in der Hirnentwicklung bei Männern und Frauen sind äusserst gering. Bei beiden Geschlechtern läuft praktisch das gleiche Programm ab. Ich glaube eher, dass der unterschiedliche soziale Kontext dafür verantwortlich ist, dass junge Frauen weniger Verbrechen begehen. Mädchen wurden bis anhin in den meisten Kulturen und Gesellschaften von ihrem sozialen Umfeld viel enger kontrolliert als Männer.
Bei den besonders rücksichtslosen und brutalen Gewalttätern ist doch nicht die Frage entscheidend, ob das Hirn unreif ist, sondern vielmehr, ob es krank ist ...
Menschen werden aus den verschiedensten Gründen zu Verbrechern, aber die grosse Mehrheit davon ist nicht krank. Einige Jugendliche müssen in der Tat weggesperrt werden, weil sie gefährlich sind. Dann geht es nicht darum, diese Jugendlichen zu resozialisieren, sondern darum, die Gesellschaft zu schützen. Die Zahlen, die wir haben, zeigen, dass nur etwa fünf bis acht Prozent wieder straffällig werden.
Kann uns die Neuropsychologie sagen, wer diese Wiederholungstäter sind und wer eine zweite Chance verdient?
Vielleicht ist das einmal möglich, aber im Moment haben wir die Technologie noch nicht. Ich glaube eher nicht, dass wir mit technischen Methoden einmal feststellen können, ob ein Mensch ein kriminelles Gehirn hat und später ein Verbrechen begehen wird. Wir können die Menschen nach wie vor nur aufgrund ihres Verhaltens beurteilen. Wir wissen aber mit Sicherheit, dass eine Prognose aufgrund der Schwere der begangenen Tat nicht möglich ist. In der Regel wird heute jedoch auf der Grundlage entschieden, als ob das möglich wäre.
Gibt es denn bessere Indikatoren, die eine solche Voraussage erlauben?
Einer der besten Hinweise auf eine künftige Kriminellen-Karriere ist, wenn der Jugendliche ein Drogen- oder Alkoholproblem hat. Ein weiterer Indikator ist, wenn Jugendliche eine sehr lange Geschichte von kriminellen Taten mitbringen. Jugendliche, die erst in der Adoleszenz kriminell werden, haben eine viel bessere Prognose als solche, die schon als Kind kriminell waren. Deshalb denke ich, dass wir Ersttäter in keinem Fall zu hart bestrafen dürfen, selbst wenn es sich um ein schweres Verbrechen handelt. Denn dadurch gerät er in einen Teufelskreis von Strafvollzug und Kriminalität. Ich glaube, dass jeder Jugendliche eine zweite Chance verdient.
Gerade wenn man annimmt, dass ihr Gehirn noch unreif ist, sind doch Strafen ein wichtiges Mittel, um den Jugendlichen ihre Grenzen aufzuzeigen und die Werte der Gesellschaft weiterzugeben – sozusagen als erzieherische Massnahme.
Bestrafung alleine funktioniert nicht, denn sie trägt nichts dazu bei, die Fähigkeiten dieser Jugendlichen zu fördern, die diese brauchen, um in der Gesellschaft bestehen zu können. Was haben wir erreicht, wenn ein Junge acht Monate im Gefängnis sitzt?
Er bekommt seine gerechte Strafe.
Und er verpasste die Schule für ein Jahr, er wurde in eine Gemeinschaft mit anderen Kriminellen eingeschlossen, von denen er mit Sicherheit nicht profitiert, und dann kommt er zurück in eine Umgebung, mit der er vorher schon nicht klargekommen ist. Wer ist denn da überrascht, wenn der Betreffende weitere Verbrechen begeht?
Muss sich eine Bestrafung nicht auch nach der Schwere des Verbrechens richten?
Ich glaube nicht. Was, wenn ein Jugendlicher ein schweres Verbrechen begeht, weil er ein ernsthaftes Drogenproblem hat? Dieser Mensch braucht eine Drogenbehandlung, denn wenn er weggesperrt wird, ohne dass das Drogenproblem behandelt wird, kommt er raus und begeht erneut ein Verbrechen. Viele Jugendliche begehen schwere Verbrechen, weil sie von ihren Freunden dazu gedrängt wurden. Das passiert häufig. In vielen Teilen der USA werden Mitläufer aber gleich hart wie die eigentlichen Täter bestraft. Manche dieser Jugendlichen sind bei solchen Taten einfach dabei, weil sie zur Clique gehören. Oft sind es noch Kinder im Alter von 13 oder 14 Jahren. Es bringt doch nichts, diese Kinder wegzusperren.
Die Strafen sind doch einfach zu wenig hart, die Jugendlichen nehmen sie gar nicht ernst.
Das stimmt, sie machen sie nur wütend. Ich denke zwar auch, dass Jugendliche, die Verbrechen begehen, bestraft werden müssen. Aber unsere Kids werden viel zu hart bestraft. Wir haben in einer Studie, die wir demnächst veröffentlichen werden, zeigen können, dass die Dauer der Strafe keinen Einfluss auf das Ergebnis hat. Es kommt nicht drauf an, ob ein Jugendlicher drei Monate oder drei Jahre weggesperrt wird, der Effekt bleibt der Gleiche.
Aber eine harte Strafe ist auch nicht falsch?
Sie ist einfach sinnlos. Jugendliche, die aus dem Jugendstrafvollzug kommen, haben dasselbe Risiko, wieder ein Verbrechen zu begehen, wie Jugendliche, die nicht weggesperrt wurden und die eine sozialtherapeutische Hilfe erhalten haben. Der einzige Unterschied ist, dass wir 50'000 Dollar verschwendet haben, um das Kind einzusperren. In Staaten wie Kalifornien kostet ein Gefängnisplatz pro Jahr 100 '00 Dollar. Diese Geldverschwendung ist einfach schockierend. Sie können ein Kind für weniger Geld ein Jahr lang nach Harvard schicken, als es für ein Jahr im Gefängnis kostet. Bei uns in den USA erhalten nur fünf Prozent der Delinquenten eine Behandlung, deren Nutzen wissenschaftlich abgestützt ist.
Als sinnvolle Alternative zum Gefängnis gelten Boot-Camps, in denen die Jugendlichen in kürzerer Zeit und mittels harter Arbeit endlich lernen, sich in eine Gesellschaft einzuordnen.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben klar gezeigt, dass diese nichts bringen – im Gegenteil, sie verschlechtern die Dinge.
Wieso das?
Boot-Camps beinhalten viel Bestrafung, sie bringen die Kids in eine ganz schlechte Gesellschaft mit anderen kriminell gewordenen Jugendlichen und bieten wenig Rehabilitation und Resozialisation. Das ist das beste Rezept, um straffällige Jugendliche noch mehr in die Kriminalität zu treiben. Es sind nur die Politiker, die das wollen, um zeigen zu können, dass sie hart im Umgang mit Verbrechen sind. Einer unserer Parlamentarier schlug zum Beispiel vor, alle Jugendlichen, die aus dem Gefängnis kommen, nicht mehr in die normale Schule, sondern in eine spezielle Schule für vormals straffällige Jugendliche zu schicken. Ein haarsträubender Vorschlag!
Bitte nennen Sie uns Alternativen ...
Dies können nachschulische Programme für die Jugendlichen selber sein oder unterstützende Massnahmen für Familien in Problemquartieren, zum Beispiel in der Frühkinderziehung. Solche Programme sind für 15'000 Dollar im Jahr zu haben, also für einen Bruchteil der Summe, die ein Gefängnisplatz kostet – und sie bewirken mehr.
Beeinflussen Eltern mit einer guten Erziehung die Entwicklung des Gehirns ihrer Zöglinge positiv?
Natürlich tun sie das, gerade auch im Teenageralter. Wir wissen heute, dass es zwei Perioden gibt, in denen unser Gehirn sehr formbar ist. Das sind die frühe Kindheit und das Jugendalter. Es gibt gute Gründe zu glauben, dass eine gute Elternschaft die Gehirnentwicklung der Heranwachsenden positiv beeinflusst.
Gute Elternschaft ist ein ziemlich schwammiger Begriff ...
Wir haben jahrelang untersucht, von welcher Erziehung die Kinder profitieren und von welcher nicht. Gute Eltern begegnen ihren Kindern mit viel Wärme, sie setzen aber auch klare Grenzen und leben klare, einsichtige Regeln vor, die sie auch durchsetzen. Und sie unterstützen das psychologische Bedürfnis der Kinder, autonome Persönlichkeiten zu werden. Kinder von solchen Eltern bringen bessere Leistungen in der Schule. Nicht günstig für die Entwicklung der Kinder sind sowohl eine autoritäre wie auch eine nachlässige Erziehung.
Und wie beeinflusst die Erziehung das Heranreifen des Gehirns genau?
Wir wissen nicht, wieso und mit welchen Mechanismen dies geschieht. Unsere Untersuchungen der verschiedenen Erziehungsmethoden haben aber gezeigt, dass Jugendliche von Eltern, die ihre Kinder gut erzogen haben, weniger impulsiv sind. Irgendetwas geht dabei also im Hirn ab. Was genau, möchte ich gerne einmal verstehen.
Kriminelle Jugendliche sind also von schlechten Eltern?
50 Prozent der Jugendlichen, die kriminell werden, haben in der Tat furchtbar schlechte Eltern. Aber das würde man auch erwarten. Aber 15 Prozent unserer delinquierenden Jugendlichen haben nach allen Kriterien, die wir kennen, gute Eltern. Und trotzdem werden sie zu Verbrechern. Diese Kids sind auch von anderer Seite beeinflusst, von Mitschülern und Kollegen, von der Nachbarschaft, in der sie leben. Das lehrt uns doch, dass die Eltern nicht an allem schuld sind.
Dann hatte also die Erziehungswissenschaftlerin Judith Harris Recht, die 1998 sagte, dass die Peers für die Entwicklung der Jugendlichen verantwortlich sind und nicht die Eltern?
Nein, im Ausmass, wie sie es behauptet hat, liegt sie definitiv falsch. Sie hat zwar sicher Recht, dass die Peers sehr wichtig sind, übersieht aber zum Beispiel die Tatsache, dass Eltern auch auf die Auswahl der Peers grossen Einfluss haben. Denn welche Freunde und Kollegen sich Kinder aussuchen, hängt auch davon ab, wie sie erzogen werden.
Die Eltern sind also doch verantwortlich für ihre Kinder?
Ja, nicht für alles, aber für vieles.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.11.2009, 14:26 Uhr
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49 Kommentare
Den meisten Kommentarschreibern scheint wohl entgangen zu sein, dass der Professor AMERIKANER ist und vom AMERIKANISCHEN SYSTEM spricht. Die Strafen dort entsprechenden dem was die meisten von ihnen hier laut herumschreiend verlangen und die Folge dieser Strafen scheint eben noch mehr (Jugend-)Kriminalität zu sein. Antworten
Sehr interessant und stimme zu, aus pers. Erfahrung! Folgende Fragen hätte ich noch zu: Zitat: "...dass junge Frauen weniger Verbrechen begehen. Mädchen wurden bis anhin ... von ihrem sozialen Umfeld viel enger kontrolliert als Männer." Warum macht man dies nicht auch mit Männern? Was sagt man zum Todschlagargument "Kuscheljustiz!"? Link auf diesen Artikel! Antworten
So Unrecht hat Joseph Leninger nicht. Dieses Recht-und-Ordnung-Denken muss aufhören. Ich verstehe nicht warum man so denken kann. Es gibt keinen Grund dazu ausser Neid. Neid vor denen, die sich nicht ans Recht halten und damit durchkommen. Antworten
Nur kurz zur Erinnerug: Das Zitat : Unsere Kinder werden viel zu hart bestraft, bezieht sich auf die Situation in den USA wo selbst Minderjährige (= unter 21) zum Tode verurteilt werden können. Seine Aussagen beziehen sich wohl eher auf den US-Kontext. Das Problem in der CH ist nicht das die Jugendlichen zu hart bestraft werden sondern das sie gar nicht bestraft werden. Antworten
In vielerlei Hinsicht hat Herr Steinberg recht, aber denkt er auch an die Opfer, was sie eventuell ein Leben lang physisch und psychisch aushalten müssen. Der Grundsatz der Bestrafung sollte Sühne und finanzielle Wiedergutmachung dem Opfer gegenüber sein. Das Stossende ist, dass der Täter besser wegkommt als der Geschädigte und so darf es einfach nicht sein. Bei uns werden die Täter belohnt. Antworten
Ich finde nicht, dass Jugendliche zu hart bestraft werden. Ich glaube, dass es mir gut getan hat, als Jugendlicher eine ordentliche Bestrafung zu erhalten. Ich bin dadurch aufgewacht. Jetzt wo ich erwachsen bin möchte ich selbst für Recht und Ordnung sorgen. Ich gehe jetzt zur Polizeischule. Kann gut sein, dass ich auch einmal junge Straftäter zur Rechenschaft ziehe. Das Leben ist ein Kreislauf. Antworten
Das Unvermoegen vieler LB-Schreiber, den Sachverhalt des Herrn S. zu verstehen, steht zum Unvermoegen derselben, die Jugendlichen zu begreifen. Alle Kinder, denn um Kinder geht es doch, brauchen mehr Liebe, Geborgenheit, Zuwendung, Aufmunterung. Das Isolieren der Kinder vor der Gesellschaft ist eine totale Kapitulation und demonstriert die Unfaehigkeit dererer. AUF SIE ZUGEHEN, ZUHOEREN,LERNEN... Antworten
Einige Leserinnen und Lesern kommt der Opfer-Schutz zu kurz und sie verlangen daher härtere Strafen. Damit ist den Opfern aber in keinster Art und Weise geholfen. Schlussendlich geht es um Prävention (und dafür plädiert Herr Steinberg im weitesten Sinne), denn nur so können weitere Straftaten und damit weitere Opfer verhindert werden. Antworten
es war immer so und es wird so bleiben. hauptsache sie erleben irgendwie menschliche werte sowie menschliches verhalten. aber wenn ich mich umsehe wie einige erwachsene u.a. auch politiker und wirtschaftsvertreter sich aufführen, sehe ich schwarz, sei es für die jugendlichen sei es für deren eltern! schlechte vorbilder. übrigens, wir waren z.t. auch so, haben wir das alles wirklich vergessen? Antworten
Beim durchlesen der Kommentare frage ich mich, ob die Mehrheit den Artikel (und nicht nur den Titel) überhaupt gelesen hat. Der Mann versteht was von menschlicher Psychologie. Ich möchte nicht auf einzelne Kommentatoren eingehen aber bei manchen Kommentaren kann ich nur den Kopf schütteln. Da sitzt eine falsche Meinung so fest im Gehirn, dass man verschlossen für jegliche Wahrheit ist. Traurig... Antworten
Jetzt sind die Eltern die Sündenböcke! Weitere Studien beweisen, dass auch die Eltern Opfer ihrer Eltern waren und nichts für ihre Erziehung können. In letzter Konsequenz wäre die ganze Gesellschaft verantwortlich. Und vielleicht wäre das gar nicht so falsch. Doch auch die Jugendlichen sind bekanntlich Teil dieser Gesellschaft und können sich damit der eigenen Verantwortung nicht entziehen. Antworten
Das Problem liegt in unterschiedlichen Zielen: Herr Steinberg will das Rückfallrisiko minimieren. Die meisten Kommentatoren wollen dagegen vor allem Vergeltung. (Rache ?) Will ich ein möglichst kleines Rückfallrisiko, brauche ich Erziehung. Will ich Vergeltung, gilt "Auge um Auge". Eines sollte aber endlich klar sein: Abschreckung funktioniert nicht. Antworten
Sehr guter Beitrag, welcher die verschiedensten Zusammenhänge aufzeigt, über die sich halt nicht alle anfreunden können, weil es ein wenig darüber hinausgeht als nur von Kuscheljustiz zu reden, was realistisch gar nicht stimmt. Welche Vorbilder haben denn die"Jungen"? Gewaltverherrlichende Filme, nachäffendes Machogehabe, Medialer Sexmüll und vieles mehr in einer Morbid gewordenen Gesellschaft. Antworten
unglaublich wie viele leute den artikel nicht gelesen haben, sondern nur aufgrund des titels kommentieren. autoritäre erziehung ist genauso wie anti-autoritäre erziehung eine extreme, ungeignete erziehungs strategie (wird im artikel erwähnt). es braucht klare regeln wie auch freiheiten! wie so oft im leben muss ein mittelweg gefunden werden, aber der eignet sich nicht als stammtisch thema... Antworten
Also, ich habe beruflich einige Jahre mit sehr schwierigen Jugendlichen gearbeitet ( 16 bis 23 Jahre alte Burschen, im Jugendstrafvollzug). Alle jenen, die von "Kuscheljustiz" schwatzen sage ich, dass es dies nicht gibt. Wir haben hart mit den Jugendlichen gearbeitet, aber immer fair und mit positivistischer Haltung. Strafen war jedoch nicht im Mittelpunkt unserer Arbeit, sondern aufzeigen, führen Antworten
Nur weiter so!!! Von den Aengsten, den Schmerzen und Qualen der Opfer redet niemand!!! Nur immer die armen, armen Täter!!! Wann erwachen endlich unsere rot-grünen Weltverbesserer und Kuscheljustizler??? Es ist einfach wahnsinnig, dass immer die Täter die Armen sind!!! Diese Herrschaften von Psychologen sollten solche Todesängste und Schmerzen auch mal durchmachen müssen!!! Antworten
Beim Lesen einiger Kommentare erstaunt es mich nicht, dass wir mehr Probleme bekommen als Lösen! Es grenzt ja teils schon an Hass. Wie würde ich in so einem Umfeld noch vernünftig handeln könne? Anstatt über den Artikel nachzudenken, lieber stur an den Fehler festhalten, wie die jugendlichen Delinquenten? Tolle Vorbilder. Und übernimmt je einer der Kommentatoren die Verantwortung? Leider Nein. Antworten
Natürlich, viel zu hart bestraft. Stattdessen braucht es mehr Ausflüge auf Sardinien und weitere Tätschelhätschelprogramme. Der Herr zeigt einmal mehr, dass sich linke ideologische Verblendung unmittelbar auf die Wahrnehmung auswirkt. Von "Wissenschaft" kann man da nicht mehr reden! Antworten
Im Artikel wird deutlich gesagt, dass in der Erziehung Regeln wichtig sind und Grenzen gesetzt werden müssen - Herr Steinberg ist also durchaus für eine klare Linie. Unser Jugendstrafrecht soll die Kriminalität senken. Eine primitive "Auge um Auge..."-Politik, wie es hier einige predigen, bringt nachgewiesenermassen einfach nichts, auch wenn dies rechts-konservative Kreise immer wieder fordern. Antworten
Endlich einmal ein Beitrag von wissenschaftlicher Seite her. Zu beachten wäre in diesem Zusammenhang aber, dass man straffällig gewordene Jugentliche auch nicht zu sanft bestrafen sollte. Experimente an Tauben haben dies belegt. Jedoch stimme ich in vielem überein. Kritisch zu sehen ist vor allem das Einsperren mit anderen kriminell auffälligen Jugendlichen. Antworten
Na klar, lassen wir die Jugendlichen nur weiter prügeln, rauben, morden und pöbeln. Sie sind ja nur unreif. Mit ein paar zusätzlichen Streicheleinheiten kommt es dann schon gut. Die links-grünen Traumtänzer würden lieber sterben, als zuzugeben, dass die antiautoritäre Erziehung der grösste Fehler aller Zeiten war. Nur knallharte Regeln bringen Jugendliche weiter. Antworten
Ein Amerikaner, der dieselben Worte verwendet wie wir, meint vielleicht nicht ganz dasselbe bzw. geht von einem anderen Erfahrungshintergrund aus. Immerhin wertvoll, wenn ein Amerikaner die Sinnhaftigkeit von Bootcamps in Zweifel zieht; davon hält man hierzulande sowieso nicht viel. Ausser vielleicht bei der SVP. Antworten
Die Erwachsenenwelt ist ja oft genug auch exzessiv seelisch grausam zu den Jugendlichen. Sie meint, diese mit aller Gewalt in diese Gesellschaft einzupassen, sie gleichzuschalten, trotz eben all der Ideen und Kreativität und Visionen. Zur Wahl stehen Kleinbürgertum oder Kleinbürgertum. Grosse Tabus wie Lebensform, Gesellschaftsform, Macht und Geld stehen gar nie zur Debatte, Vogel friss oder stirb Antworten
Gibt es eigentlich jemanden der fuer die Opfer einsteht? Immer nur diese armen Taeter. Disziplin brauchen die. Schon ab 4 Jahren. Das ist das Problem. Boese Taten haben bei uns keine Konsequenzen mehr, sondern werden gutgeredet. Villeicht sollte man schlechten Eltern verbieten, noch mehr Kinder auf die Welt zu stellen. Antworten
Gratulation zu diesem Interview! Es ist wichtig, dass solche Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften und auch solche der sozialwissenschaftlichen Jugendforschung an die Öffentlichkeit gelangen. Jugendliche sind wie wir alle nicht einfach individuell für unser Verhalten verantwortlich. Vorherrschende Diskurse und uns nahestehende Menschen beeinflusen unser Handeln. Antworten
Einmal mehr der Ruf nach Kuscheljustiz, von der wir ja sattsam wissen, dass genau diese die jugendlichen Gewalttäter erst recht anreizt. Nur gut gibt es für alles Experten, die es besser wissen. Dank solchen werden wir uns also auf noch mehr Jugendgewalt gefasst machen müssen. Da helfen wohl nur noch Wahlen, in denen wir Politiker wählen, welche die laschen Strafnormen verschärfen. Antworten
- "Wer an das Gute in den Kindern glaubt, zweifelt nicht an einer erbaulichen Zukunft." - "Wer seinen Kindern immer nur Rosinen vorsetzt, darf sich nicht wundern, wenn sie sich später über harte Nüsse beklagen." - "Nur wer sich um die Sorgen der Kinder kümmert, kann auch wieder an ihrem Frohmut teilhaben." - "Es gibt Kinder, die werden sehr gut schlecht erzogen." Antworten
Wenn man die Bestrafung von Jugendlichen in den USA mit derjenigen in der Schweiz vergleicht, dann vergleicht man Äpfel mit Birnen. Ein sinnvoller Kompromiss ist, wenn man solche Täter für ein oder zwei Jahre 'aus dem Verkehr zieht' und sie in ein geschlossene Anstalt (inkl. professioneller Betreuung) steckt. Und das wichtigste: Die Konsequenzen müssen zeitnah (d.h. rasch nach der Tat) erfolgen! Antworten
Laurence Steinberg@ Die Eltern sind also doch verantwortlich für ihre Kinder? Ja, nicht für alles, aber für vieles. Ja Herr Steinberg, ganz meine Meinung...! Aber leider von vielen Eltern nicht mehr ganz wahrgenommen...! Warum auch immer es sind sicherlich viele Gründe die dazu führen…? Antworten
Interessant, ich wurde in meiner Jugend auch handgreiflich bestraft, und ich kann sagen, dass ich nie einen Drang hatte, gegen meine Mitmenschen handgreiflich zu werden: Ich behaupte, dass wenn die Jugend mit Liebe UND handgreiflicher Härte (wänn gnueg isch, isch gnueg) bestraft würde: wir hätten die heutige Brutalität nicht - ausser, die Brutalität ist Programm einer importierten Kriminalität. Antworten
In den Medien kommen fast nur negative Meldungen über unsere Jugend. Aber der allergrösste Teil der jungen ist anständig, motiviert, verantwortungsbewusst, und voll integriert! Das dürfte auch mal ein Thema sein! Dass die Jugend alles anders, und besser machen will, als ihre Alten, muss so sein, sonst würden wir noch in Zelten und Höhlen leben. Antworten
Ich glaube, dass eine drakonische Bestrafung von Kindern/jungen Jugendlichen unsinnig und nicht zielführend ist. Ich glaube aber auch, dass die CH-Kuscheljustiz nichts bringt. Es kann ja nicht sein, dass jugendliche Gewalttäter nur mit Psycho-Therapien und ähnlichem 'bestraft' werden. Wichtig ist, dass auch die 1. Gewalttat eines Jugendlichen Konsequenzen hat (z.B. 1 Jahr geschlossenes Heim). Antworten
Bei der harten Bestrafung von jugendlichen Straftätern belohnt sich das erwachsene Hirn des Richters leider auch mit Dopamin - er fühlt sich bestärkt, im Kampf gegen das Böse als der Gute obsiegt zu haben. In Wirklichkeit hat er animalisch gehandelt. Wir sind und bleiben eben Affen. Für einen auf Pragmatismus und Nachsicht beruhenden Strafvollzug braucht es noch viele Generationen Entwicklung. Antworten
Was ist das Fazit? Keine ach so harten bedingten Strafen mehr für Gewaltverbrechen? Lieber das Belohnungssystem mit McDonalds-Gutscheinen anregen falls der Täter netterweise mal bisschen sanfter zugeschlagen hat? Solch theoretischen neurowissenschaftlichen Erkenntnisse mögen ja interessant sein, nur leider ziehen die Politiker daraus in letzter Zeit die falschen Schlüsse.... Antworten
Noch so ein "Weichspühler" ! Wir sind verpflichtet, den Kid`s die Grenzen aufzuzeigen. Es ist die Sache des Staates hier einzugreifen. Wer sich in der Gesellschaft nicht einordnen kann, muss mit Sanktionen rechnen. Die Definition von "guten Eltern" ist demzufolge (wie bereits erw.) eine schwammige Bezeichnung. Antworten
Mir ist schon klar wieso Herr Steinberg die 50 - 100'000 Dollar, die ein Jahr Gefängnis eines Jugendlichen kosten, lieber auf seinem Konto als im Strafvollzug sieht. Das die Betreuung (angeblich 15'000 Dollar) auch ohne weitere Vorkommnisse und Straftaten des Jugendlichen so günstig sein soll kann ich mir nicht vorstellen. Antworten
so ein mist. wetten die sinnlose gewalt geht mit geeigneten massnamen welche einschneidende persönliche konsequenzen haben rasch zurück. es kann doch nicht sein, dass gewalttätige jugendliche erwachsene abtreschen können praktisch ohne folgen. während ein erwachsener der zuschlägt oder sich wehrt bei so einem jugendlichen nachher massive persönliche konsquenzen tragen muss. Antworten







Alma Redzic
@einige hier völlig hasserfüllte/frustierte Menschen: Wenn Jugendliche schon von Kindsbeinen an -als Strafmassnahme- drangsaliert und geschlagen werden, fragen Sie sich nacher, warum diese keine Grenzen kennen? Vielleicht weil sie gelernt haben: solange mich niemand misshandelt, kann ich machen, was ich will! Wie können Sie von diesen respektvollen Umgang erwarten, wenn diese ihn nie lernten? Antworten