Verfängliche Flirttechnik
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Soll man es tun? Oder wohl besser lassen? Angelsächsische Online-Medien – selbst einigermassen seriöse – diskutieren derzeit angeregt die Frage, ob sexuell explizite digitale Kommunikation via SMS oder gar MMS (subsumiert auch unter dem Begriff Sexting) ein Segen für das Liebesleben des modernen Menschen ist – oder doch eher ein Fluch. Verdienstvollerweise hat sich «The Huffington Post» dieser Frage unerschrocken angenommen und zitiert dazu die Standpunkte einschlägiger Experten.
Spätestens seit dem Skandal um den US-Abgeordneten Anthony Weiner, der ein Bild seiner prall gefüllten Unterhose statt an seine Geliebte versehentlich an 55'000 Twitter-Follower verschickte, wissen wir ja, dass Sexting mittlerweile in den besten Kreisen ein Thema ist.
Das Ansteigen der Spannung
To sext or not to sext? Das ist für Carlos Xuma, den in der «Huffington Post» zitierten Dating-Experten (ja, in den USA gibt es diesen Beruf), keine Frage. Selbstverständlich soll man es tun, SMS seien für den Mann ein Tool, Frauen ins Bett zu kriegen: «Die beste Verführungstechnik besteht darin, vor einem Date die Frau mit SMS in eine erotische Stimmung zu versetzen.» Short Messages als Vorvorspiel gewissermassen, «es geht darum, Spannung aufzubauen» – wobei hier, notabene, nicht die Rede ist vom Verschicken von Nacktbildern, von sogenannten Body Shots, wie dies der unglückliche Weiner tat, sondern ausschliesslich vom sublimeren Sexting-Genre der Textnachricht. (Lesen Sie dazu auch:«Wer sich wie schnell abschleppen lässt».)
Das Sinken der Hemmschwelle
Die Ratschläge von Xuma, eines Autors von hunderttausendfach verkauften Ratgebern wie «The Bad Boy Formula» oder «Secrets of the Alpha Male», zielen im Grunde immer wieder auf dasselbe ab: Das Objekt der Begierde, sei es nun eine Frau oder ein Mann, mit digital vergebenen Komplimenten für sich einzunehmen und auf sich einzustimmen (Lesen Sie dazu auch: «Komplimente: Was Frauen hören wollen»). «Es fällt vielen, vor allem Männern, leichter, via SMS einer Frau ihre Bewunderung mitzuteilen als face-to-face.»
Das mag sein. Aber es ist sicher kein Zufall, dass eine Frau einräumt, solche Ratschläge seien etwas zu simpel. Anna Breslaw, Autorin bei glamour.com, mokiert sich darüber, wie schnell doch insbesondere Männer bereit seien, den Ratschlägen irgendwelcher Dating-Experten zu folgen. «Sexting mag cool sein mit jemandem, den man bereits kennt und mag. Aber man lässt sich dadurch nicht verführen, wenn einem die Person im Grunde gleichgültig ist.» Einverstanden, denn das weiss man schon seit der Erfindung des guten alten Liebesbriefes: Die Botschaft ist vom Sender nicht zu trennen, auch Sexting macht aus einem Frosch noch lange keinen Prinzen.
Die Unbefangenheit der Digital Natives
Übrigens: Worüber Erwachsene derzeit noch in Online-Foren debattieren, scheint für viele Jugendliche, für viele der sogenannten Digital Natives, mittlerweile unhinterfragt normal zu sein. Eine Studie an der englischen University of Plymouth ergab: Sexting führt bei Jugendlichen zu mehr Gelegenheitssex. So hatten 10 Prozent der Befragten im Alter von 16 bis 24 bereits Geschlechtsverkehr nach einer anfänglichen Kontaktaufnahme im Internet. Und 60 Prozent der Befragten waren zudem der Ansicht, dass Online-Aktivitäten fester Bestandteil der Interaktion in einer Beziehung seien.
Bleibt nur zu hoffen, dass diese Kinder des Internetzeitalters die neuen Flirttechniken tatsächlich besser beherrschen als Web-Gruftie Anthony Weiner.
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Erstellt: 23.01.2012, 21:48 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






