Leben

Was aus Menschen Psychopathen macht

Aktualisiert am 16.03.2010

Wenn das Hirn den körpereigenen Belohnungsmechanismus verstärkt, könnte das laut einer Studie zu psychopathischen Verhalten führen. Das Bewusstsein für Risiko oder die Angst vor Strafe wird ausgeblendet.

Filmreifer Psychopath: Anthony Hopkins als Hannibal Lecter.

Filmreifer Psychopath: Anthony Hopkins als Hannibal Lecter.

In ihrer im Fachmagazin «Nature Neuroscience» publizierten Studie gingen die US-Forscher um Joshua Buckholtz von der Vanderbilt University der Frage nach, was bei Psychopathen stark ausgeprägt ist. Eine wesentliche Rolle spielt demnach möglicherweise der Botenstoff Dopamin, der beim Empfinden von Glück und damit für die körpereigene Belohnung eine grosse Rolle spielt.

Erhöht waren etwa Erregbarkeit, die Bereitschaft, hohe Risiken einzugehen und die Suche nach Belohnung. «Psychopathen sind so stark zu einer Belohnung - dem Zuckerbrot - hingezogen, dass es das Gespür für Gefahr oder Angst vor der Peitsche besiegt», erklärte der Ko- Autor David Zald.

In einem ersten Test wurden Versuchspersonen Amphetamine verabreicht. Die Droge, auch als «Speed» bekannt, führt wie Kokain, Nikotin und Alkohol im Gehirn zu einer Ausschüttung von Dopamin. Im Gehirn von als Psychopathen eingestuften Probanden wurde als Reaktion auf die Amphetamine fast viermal mehr Dopamin ausgeschüttet als bei den anderen Versuchspersonen.

Dollarblick

In einem zweiten Test wurde den Probanden gesagt, sie könnten Geld verdienen, indem sie einfache Ausgaben lösen. Hier konnten die Forscher in der Hirnregion, die mit einer Belohnung über die Ausschüttung von Dopamin in Verbindung gebracht wird, bei den psychopathischen Testpersonen eine sehr viel höhere Aktivität beobachten als bei den anderen Versuchsteilnehmern.

«Wegen dieser übertriebenen Dopamin-Reaktion können Psychopathen, wenn sie die Chance für eine Belohnung erkennen, ihre Aufmerksamkeit möglicherweise nicht mehr auf etwas anderes lenken - bis sie das haben, was sie wollen», sagte Studienleiter Buckholtz.

«Ein hyperaktives Dopamin-Belohnungssystem könnte die Ursache für einige der problematischsten Verhaltensweisen von Psychopathen sein, wie zum Beispiel Gewaltkriminalität, Drogenkonsum und eine hohe Anfälligkeit dafür, rückfällig zu werden.» (sda)

Erstellt: 16.03.2010, 16:05 Uhr


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