Leben

Wenn Mütter ihre Töchter verkaufen

Von Bettina Weber. Aktualisiert am 07.10.2009 14 Kommentare

Samantha Geimer und Brooke Shields sind zwei aktuelle Beispiele, wie sich Mütter auf Kosten ihrer Kinder die eigenen Träume erfüllen wollen.

Bekleidet und erwachsen: Das wohl erste, veröffentlichte Foto von Brooke Shields zeigt sie im Alter von zehn Jahren, nackt in einer Badewanne.

Bekleidet und erwachsen: Das wohl erste, veröffentlichte Foto von Brooke Shields zeigt sie im Alter von zehn Jahren, nackt in einer Badewanne. (Bild: Reuters)

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Das Bild, das auf Anraten der Metropolitan Police letzte Woche aus der Londoner Tate Modern Gallery entfernt wurde, zeigt die 10-jährige Brooke Shields, die nackt in einer Badewanne steht. Sie posiert ein wenig seitlich abgedreht zur Kamera und hält einen Schwamm in der Hand. Der kleine Körper glänzt nass, das Gesicht ist stark geschminkt, die Haare sind kunstvoll-zerzaust frisiert.

Gemacht wurde das Bild ursprünglich 1976 von Garry Gross; der amerikanische Künstler Richard Prince hat die Fotografie später erneut fotografiert, und dieses Werk war bis vor einer Woche Teil der zurzeit stattfindenden Ausstellung «Pop Art: Life in a Material World». Weil Kinderschutzgruppen die Aufnahme als eindeutig pornografisch einstuften und von einem «Magnet für Pädophile» sprachen, sah sich die Polizei veranlasst, dem Museum das Abhängen des Bildes nahezulegen.

Hinter der Fotografie steckt die Mutter des Mädchens, Teri Shields. Nacktaufnahmen sollten die Model- und Film-Karriere der Tochter beschleunigen; Brooke Shields hatte schon im Alter von 11 Monaten einen Werbespot für Seife gemacht – Teri Shields war eine ehrgeizige Frau. Sie verkaufte die Bildrechte für 450 Dollar an den «Playboy», der die Fotos in «Sugar n Spice» veröffentlichte, gemäss englischen Zeitungen «ein Soft-porno-Magazin». Und danach ging es tatsächlich schnell aufwärts mit der jungen Brooke Shields: Bereits ein Jahr später spielte sie in «Pretty Baby» von Louis Malle ein Mädchen, das in einem Bordell aufwächst. Sie war darin so oft nackt zu sehen, dass ihr ihre Filmmutter Susan Sarandon ein hautfarbenes Höschen besorgt haben soll, weil ihr diese ständige kindliche Nacktheit obszön erschien. Dann, 1980, folgte «Blue Lagoon», eine Art Robinson-Film, in dem Brooke Shields ebenfalls hauptsächlich nackt ist, und schliesslich im gleichen Jahr die legendäre Kampagne für Calvin Klein, in der sie haucht: «Nichts kommt zwischen mich und meine Jeans.» Da war sie 15.

Model-Karriere im Blick

Der Fall Brooke Shields erinnert an den Fall Samantha Geimer. Die 13-jährige Geimer wurde Roman Polanski von ihrer Mutter vorgestellt, auf dass dieser das Kind für die französische «Vogue» fotografiere. Der Mutter schwebte eine Model-Karriere für die Tochter vor. Bereits bei den Probeaufnahmen im Hause Geimer musste sich Samantha auf Geheiss Polanskis ausziehen, dennoch überliess die Mutter dem 30 Jahre älteren Mann ihre Tochter ohne Begleitung für weitere Aufnahmen auf dem Anwesen von Jack Nicholson. Dort wurde dann nicht fotografiert, sondern Geschlechtsverkehr erzwungen.

Der Lolita-Effekt funktioniert

Die Mütter von Brooke Shields und Samantha Geimer lebten ihre eigenen Ambitionen über ihre minderjährigenTöchter aus. Und für die Berühmtheit, die sie sich so sehr für sich selbst wünschen, missbrauchen sie ihre Kinder. Gerade die Sexualisierung von Mädchen ist ein verlässliches Mittel, das die Berechnungen der Mütter regelmässig aufgehen lässt.

Es funktioniert immer, das Spiel mit dem Lolita-Effekt, und es ist kein Zufall, dass weibliche Karrieren oft mit der Rolle als Kinderprostituierte anfangen: Shirley Temple als 4-Jährige in «Polly Tix», Jodie Foster als 14-Jährige in «Taxi Driver», Penélope Cruz als 13-Jährige in der französischen Erotikreihe «Série Rose» und eben die 12-jährige Brooke Shields in «Pretty Baby».

Britney Spears in Kniestrümpfen

Auch Britney Spears verdankt ihren Durchbruch als 16-Jährige in erster Linie dem Video zu ihrem Hit «Baby Hit me one more time», in dem sie in Schuluniform, Kniestrümpfen und Zöpfen die verruchte Minderjährige mimte. Genau nach demselben Muster gestrickt ist der Erfolg von Miley Cyrus, dem zurzeit berühmtesten Teenager der Welt, die mit dem keusch-lasziven Sexappeal einer 15-Jährigen vermarktet wird.

Die heute 44-jährige Brooke Shields hat längst in langwierigen Prozessen versucht, die Veröffentlichung der Bilder zu verbieten – vergeblich. Sie seien nicht pornografisch, urteilten damals die Richter, erwähnten immerhin, dass hier bedauerlicherweise ein Kind Opfer zweier Erwachsener geworden sei.

Und auch wenn nun in der englischen Presse eine heftige Debatte darüber entbrannt ist, wie sehr und ob überhaupt die Justiz sich in die Kunst einmischen dürfe – diese beiden Erwachsenen waren sich der Brisanz der Aufnahmen sehr wohl bewusst. Gary Gross jedenfalls sagte gegenüber dem «Telegraph»: «Die Bilder waren von Anfang an anrüchig, und das war auch die Absicht dahinter. Sie sollte aussehen wie eine sexy Frau.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.10.2009, 16:54 Uhr

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14 Kommentare

Lukas O. Bendel

12.10.2009, 13:49 Uhr
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Endlich wird einmal der mütterliche Missbrauch der Kinder zur Erreichung eigener Ziele thematisiert: Das wohl absolut häufigste Beispiel dafür sind die von Müttern oftmals gnadenlos geführten Scheidungskriege. Das Kind dient der Mutter dabei gleichzeitig zur nachehelichen Einkommenssicherung wie auch zur Ex-Partner-Bestrafung. Am erfolgreichsten bei beidem ist missbräuchlicher Missbrauchsvorwurf. Antworten


Carlo Hirt

07.10.2009, 12:37 Uhr
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Hallo Frau G. Niedermann, in der Grundsache haben Sie recht, aber sachlich soltten Sie trotzdem bleiben. Verhaftet wird/wurde auf Grund eines internationalen Haftbefehl und zwar eines gültigen. Nach der Verhaftung erfolgt allenfalls ein Auslieferungsantrag ob gültig oder nicht entscheiden dann die Behörden hier und nicht in USA. Also bitte keine Vorverurteilungen auch nicht in Bezug auf Behörden. Antworten




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