Wer gibt den Doppelnamen auf?

Doppelnamen sind seit diesem Jahr Geschichte. Wer schon einen hat, kann ihn behalten. Man kann ihn aber auch loswerden. Die Probe aufs Exempel bei Parlamentarierinnen in Bern.

Wollen ihre Doppelnamen behalten: Die Nationalrätinnen Liliane Maury Pasquier, Ursula Haller Vannini und Susanne Leutenegger Oberholzer (v.l.n.r.). Bild: Keystone

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Nomen est omen, sagt man. Der Name ist Zeichen, schafft Identität. Für namensbewusste Frauen war es bislang denn auch ein schlechtes Omen (und ein Zeichen mangelnder Gleich­berechtigung), dass sie ihren Familiennamen bei der Heirat entweder ablegen, ihn anhängen oder ihn doppelt-­sperrig führen mussten. Aus Frau Schlumpf wurde nach dem Gang auf das Zivilstandsamt Frau ­Widmer, Frau Widmer-Schlumpf oder Frau Schlumpf Widmer. Wobei nur erste und letzte Variante amtlich von Belang waren; die mittlere, der Allianzname, fand keinen Eingang ins Zivilstandsregister und drückt lediglich die Verbundenheit aus – zum eigenen Namen oder zum Partner, je nach Blickwinkel.

Mit dem Pflicht-Wechsel-Spiel ist seit dem 1. Januar Schluss. Jeder behält, so der neue Grundsatz, seinen Namen das Leben lang. Schlumpf bleibt Schlumpf, von der Wiege bis zur Bahre, ob ledig oder verheiratet. Nun gut: Frau Schlumpf kann auch künftig den Namen ihres Partners annehmen, kann also als Frau Widmer durch die Bundesgassen eilen. Sie kann dies auch als Frau Widmer-Schlumpf tun, denn der Allianzname, per Bindestrich an den Namen des Partners gekoppelt, hat, wie gesagt, keine amtliche Relevanz und bleibt erhalten.

Eines jedoch ist mit dem neuen ­Namensrecht tabu: der Doppelname, dieses sperrige (Un-)Ding, das nicht nur Journalisten ob der vielen Zeichen zum Ächzen brachte. Wer ihn noch wollte, und das waren laut NZZ doch einige, musste bis 31. Dezember auf dem Standesamt erscheinen.

Eine neue Frau Leutenegger Oberholzer wird es also nicht mehr geben, die lebende, Susanne mit Vornamen, «slo» mit Kurznamen und mit allen Namen Baselbieter SP-Nationalrätin, darf ihren Doppelnamen jedoch behalten. Sie darf ihn, so sie will, aber auch abgeben. «Macht 75 Franken», tönt es in diesem Fall vom Zivilstandsbeamten.

Linke Doppelnamenträgerinnen

Wie viele Frauen die Gebühr um des einfachen Namens willen entrichten werden, lässt sich heute noch nicht abschätzen. Ebenso wenig, wie viele verheiratete Frauen auf ihren ursprüng­lichen Namen zurück wechseln werden – ohne Scheidung, wohl verstanden.

Die BaZ machte die Namensprobe aufs Exempel und befragte die Doppelnamen-Trägerinnen im Parlament über ihre Präferenzen. Sieben der 58 Nationalrätinnen und drei der neun Stände­rätinnen führen ein Doppelleben – was den Namen betrifft. Sieben davon gehören der SP an, was ob der Gleichstellungskomponente in der Doppelnamens-Setzung wenig erstaunt. Eine ist grün, eine grünliberal. Der laut der Politlandkarte von Michael Hermann rechteste Doppelname gehört der Berner BDP-­Nationalrätin Ursula Haller Vannini.

Keine Wechselgelüste

Das Ergebnis ist eindeutig: Abgeben mag den Doppelnamen von den sieben Politikerinnen, die geantwortet haben, keine. «Ich will keinen Namen verlieren», sagt Liliane Maury Pasquier (SP, GE). Die klare Haltung erstaunt wenig, denn wie Maury Pasquier haben viele Doppel­namen-Trägerinnen, gesetzes­bedingt, eine Na­mens-­Odyssee hinter sich. Aus Liliane Maury wurde nach der Heirat, 1975, Liliane Pasquier-Maury und 1988 mit dem neuen Eherecht ­Liliane Maury Pasquier.

Auch die Berner SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen trägt, heirats­bedingt, ihren dritten Nachnamen. Nach Kiener und Nellen-Kiener sitzt sie heute als Kiener Nellen zu Rate. Sie hätte sich gerne ihr Leben lang Kiener genannt, sagt sie, bedauernd, dass es rechtlich nicht ging, «denn der Name ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeit jedes Menschen». Ein drittes Mal den Namen wechseln, nein, das komme nicht infrage.

Susanne Leutenegger Oberholzer, ebenfalls mit dem dritten Nachnamen unterwegs, pflichtet ihrer Ratskollegin bei. «Für eine Politikerin ist der Name eine Marke und für alle Personen ein wichtiges Identifikationsmerkmal», sagt sie und will sich – als Einzige im Bunde – «gut überlegen», mit welchem Namen sie künftig durchs Leben marschieren will.

Für Ursula Schneider Schüttel (SP, FR) ist die Namensfrage derweil nicht prioritär. Sie will den Doppelnamen behalten und fügt dafür gleich fünf Gründe an: «Gewohnheit, Bekanntheit, Unterscheidungsmerkmal, Name der Kinder, kein administrativer Aufwand.»

Einen sechsten Grund, den Mann durchaus gerne hört, nennt Ursula ­Haller, die 2009 zum zweiten Mal geheiratet hat und seitdem Haller Vannini heisst: «Die Nennung des zweiten Namens zeigt die mit der Eheschliessung angestrebte Verbindung auch gegen aussen und ist deshalb richtig.»

Und die Kinder heissen…

Als «Symbol für die Verbindung» zu ihrem Mann und seiner Familie taxiert ebenfalls Adèle Thorens Goumaz (Grüne, VD) ihre zwei Namen, als Link auch zur gemeinsamen Tochter, die den Nachnamen ihres Mannes trägt. «Ich finde es normal», findet Valérie Piller Carrard (SP, FR), «dass ich ebenfalls den Namen meiner Kinder trage.»

Diese Möglichkeit gibt es mit dem neuen Namensrecht nicht mehr. Will das traute Paar seine ledigen Namen behalten, muss es bei der Eheschliessung festlegen, wie der (noch zu zeugende) gemeinsame Nachwuchs heissen soll. Heiratet also Frau Schlumpf Herrn Widmer, ohne dass sie künftig Frau Widmer heissen oder er fortan als Herr Schlumpf ­angesprochen werden will, so müssen sie dem Zivilstandsbeamten zu Protokoll geben, ob ihre Kinder dereinst in der Schule mit «he, Schlumpf» oder «Widmer, du schon wieder» zurechtgewiesen werden sollen. O tempora, o mores. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.01.2013, 16:17 Uhr

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