Wer glaubt heute eigentlich noch?
Von Michael Meier. Aktualisiert am 12.05.2009 7 Kommentare
Oliver Demont/Dominik Schenker: Ansichten vom Göttlichen. 22 Jugendliche. Salis-Verlag, Zürich 2009. 228 S., 44 Abbildungen. Fr. 39.80.
Die Medien bilden mit Vorliebe eine laute, bisweilen schrille religiöse Jugend ab: Die Generation Benedikt etwa, die an Weltjugendtagen dem Papst huldigt, Evangelikale, die in der Event Hall verzückt Jesus anbeten oder Anhänger des Opus Dei, die, sich mit Geisseln züchtigend, der Fleischeslust abschwören. Zum klaren Bekenntnis gehört meist ein gleichförmig- uniformer Auftritt. Doch sind das letztlich Extremformen, kultiviert von einer Minderheit, die in den Medien über Gebühr zu Wort kommen.
Dennoch ist die Mehrheit der jungen Menschen nicht etwa ungläubig. Auch wenn Jugendliche in der Regel kaum über ihre Religion sprechen, wäre es falsch, auf eine «Jugend ohne Gott» zu schliessen.
Jugendliche sprechen über ihren Glauben
Der Glaube ist jedoch etwas sehr Persönliches geworden. Intime Bekenntnisse über Gott und Religion gibt man nicht gerne der Lächerlichkeit preis. Zumal im säkularisierten Europa, wo es unüblich ist, öffentlich über den eigenen Glauben zu sprechen. Tut man es dennoch, gerät man leicht unter Verdacht, einer Sekte anzugehören.
Journalist Oliver Demont und Theologe Dominik Schenker lassen in ihrem Buch «Ansichten vom Göttlichen» 22 Jugendliche zwischen 16 bis 25 Jahren in Ich-Form über ihren Glauben reden. Für einmal nehmen sie die Mainstream-Religiosität der Jugendlichen in den Blick. Der intime Einblick in die Glaubenswelt der Jungen zeigt, dass Religion eigentlich für alle in den individuellen Freizeitbereich gehört und klar mehr Lebenshilfe ist als Ansporn zu einem gesellschaftlich-sozialen Engagement. Bei vielen bleibt Religion, durchaus positiv gewertet, der Welt der Grosseltern zugeordnet. Bemerkenswert: Die porträtierten Jugendlichen neigen kaum zu fundamentalistischen Haltungen, auch nicht zu angstbesetzten Gottesbildern oder zu religiösen Zwängen. «Erspart geblieben sind ihnen auch dämonische Gottesbilder, beispielsweise ein Buchhaltergott, der genau registriert, was auch unter den Bettdecken geschieht. Darin spiegelt sich eine tief greifende Liberalisierung der religiösen Erziehung wider», bilanziert der Salzburger Religionspädagoge Anton A. Bucher und zieht daraus positive Schlüsse: Er spricht von einem erfreulich undogmatischen Geist und von religiösen Absolutheitsansprüchen, die der Vergangenheit angehören.
Die 22 porträtierten Jugendlichen denken zugleich differenziert und widersprüchlich, eben weil sie selber denken und nicht mit der Herde von gleichgeschalteten Gläubigen blöken. Den Gruppenzwang fundamentalistischer Bewegungen kennen sie nicht; die Bindung an die Institution Kirche ist eher gering. Die verschiedensten Konfessionen und Religionen repräsentierend, sind sie dennoch nicht konfessionellen Rastern verhaftet. Sie lassen die verschiedensten Glaubensaussagen gelten. Dass sie Gott als Selbstkonstruktion begreifen, hindert sie nicht am Glauben.
- Edson da Silva (18)
- Alea Lustenberger (21)
- Samuel Sarasin (25)
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.05.2009, 12:22 Uhr
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7 Kommentare
Stimmt schon das viele Jugendliche (wie ich) nicht mehr viel von Religion halten. Für mich hat es einen einfachen Grund: Ich kann nicht an irgend ein Buch glauben, das vor hunderten von Jahren geschrieben wurde und niemand weiss was stimmt. Es hätte irgend ein Jux sein können. Auch die Kirche kann ich nicht ernst nehmen. Für mich ist das nur Geldmacherei. Vom Papst fang ich gar nicht erst an. Antworten
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