Leben

«Wie ich zu sterben habe, lasse ich mir nicht vorschreiben»

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 09.04.2011 33 Kommentare

Ex-Swissair-Sprecherin Beatrice Tschanz engagiert sich als Exit-Mitglied im Komitee gegen die Sterbehilfe-Initiativen. Im Interview erklärt sie, warum.

«Es braucht keine kantonalen Regelungen, wie sie jetzt in der einen Initiative verlangt werden»: Beatrice Tschanz.

Beatrice Tschanz

Ex-Swissair-Sprecherin Beatrice Tschanz engagiert sich im Komitee gegen die Sterbehilfe-Initiativen. Dieses hat gestern den Abstimmungskampf eröffnet.

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Frau Tschanz, Sie engagieren sich sonst nicht politisch.Warum tun Sie es jetzt?
Stimmt, ich engagiere mich sonst im und fürs Leben. Aber bei diesen Initiativen war es mir ein ureigenes Anliegen, im gegnerischen Komitee mitzuhelfen, weil diese Initiativen etwas tangieren, was mir heilig ist: die Selbstbestimmung. Wie ich zu sterben habe, lasse ich mir nicht vorschreiben.

Das ist auch das zentrale Argument im Abstimmungskampf.
Genau. Es ist die absolut zentrale Frage. Selbstbestimmung bis zum Lebensende ist unser grösstes individuelles Recht. Ich muss dazu noch sagen: Ich respektiere jede Haltung in dieser Frage. Aber ich will meine selbst bestimmen.

Rührt Ihre Betroffenheit aus eigenen Erfahrungen?
Ich habe in meiner Familie zwei Fälle erlebt: eine Person, die mithilfe der Ärzte gehen durfte, eine zweite, die fürchterlich litt und um den Tod flehte. Diese Person sprang am Ende aus dem Fenster.

Hat Sie das geprägt?
Das nicht gerade, die Vorfälle sind über 30 Jahre her, und ich war damals noch jung. Dass mich ein solches Schicksal vielleicht irgendwann selbst treffen könnte, war damals für mich natürlich kein Thema. Die beiden Fälle haben aber dazu beigetragen, dass ich Exit beigetreten bin.

Wären Sie für eine Regelung der Sterbehilfe auf eidgenössischer Ebene?
Ja, ich denke, Bern sollte vorwärtsmachen. Es braucht Leitplanken und Vorschriften. Aber es braucht keine kantonalen Regelungen, wie sie jetzt in der einen Initiative verlangt werden. Aargauer und Solothurner sind keine anderen Menschen wie wir Zürcher. Nur schon der Titel der Initiative ist menschenverachtend. Da redet man von Sterbetourismus, als ob es um irgendeine Reise ginge. Dabei sind Menschen betroffen, die leiden und die sich genau überlegt haben, was sie wollen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2011, 15:37 Uhr

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33 Kommentare

Marianne Gautschi

09.04.2011, 17:35 Uhr
Melden 142 Empfehlung

Ich bin vollkommen mit Frau Tschanz einverstanden. So vieles im Leben wird uns vorgeschrieben, zumindest unser letzter Schritt sollte nach unserem eigenen Willen geschehen. Das Sterben fürchten wir nur der zum Teil grausamen Schmerzen wegen, die wir vorher erdulden müssen. Das muss nicht sein. Antworten


Jürg Stähli

09.04.2011, 18:05 Uhr
Melden 119 Empfehlung

Klare Haltung, da kann ich nur beipflichten. Alles andere ist verlogen. Antworten




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