Leben

Wie viele Schweizer noch in die Kirche gehen

Aktualisiert am 30.03.2011 14 Kommentare

Eine gross angelegte Studie zeigt, wie wichtig den Schweizern Religion noch ist. Ein Fazit ist: Der Kirche wird noch eine wichtige Aufgabe zugeschrieben.

Kirche ja, Religion nein: Morgenrot über der Pfarrkirche St. Stephan in Tiefenkastel, 9. Januar 2011.

Kirche ja, Religion nein: Morgenrot über der Pfarrkirche St. Stephan in Tiefenkastel, 9. Januar 2011.
Bild: Keystone

Homosexualität und Sex vor der Ehe

Streng gläubige Menschen sind in Fragen der Sexualität, der Ehe und der Familie besonders konservativ. Viele von ihnen lehnen zum Beispiel Homosexualität ab und haben Vorbehalte gegen Sex vor der Ehe, wie eine Befragung im Rahmen des NFP 58 zeigt.

Die vier Religiositätsgruppen Säkulare, Alternative, Distanzierte und Institutionelle unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Werthaltungen, wie die Forscher in ihrem Schlussbericht schreiben. 41 Prozent der institutionellen Kirchgänger, die einen lebendigen Glauben pflegen, bezeichnen gleichgeschlechtliche Beziehungen als schlecht.

Bei den übrigen drei Gruppen liegt die Ablehnung der Homosexualität viel tiefer: Je nach Religiositätstyp bei 6 bis 15 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Frage nach Sex vor der Ehe. 17 Prozent der Institutionellen sprechen sich dagegen aus, bei den anderen drei Gruppen liegen diese Werte bei 0 bis 7 Prozent.

Auch bei der Rolle der Geschlechter zeigen sich gläubige Menschen eher konservativ. 17 Prozent sind völlig einverstanden mit der traditionellen Rollenteilung zwischen Mann und Frau. Hier gibt es allerdings Ähnlichkeiten zur säkularen Gruppe (13 Prozent). Alternative (1 Prozent) und Distanzierte (6 Prozent) sind dagegen deutlich gegen die «Frau am Herd». (sda)

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Immer mehr Menschen in der Schweiz distanzieren sich von der christlichen Religion. Zu diesem Schluss kommt eine gross angelegte Studie. Trotzdem sprechen die meisten den Landeskirchen eine grosse Bedeutung zu – weniger für sich selbst als für sozial Schwache.

Die beiden Landeskirchen haben in den letzten 40 Jahren enorm an Boden verloren: Anfang der 1970er-Jahre gehörten je über 45 Prozent der Schweizer Bevölkerung der katholischen und der reformierten Kirche an. Heute sind noch 32 Prozent reformiert und 31 Prozent katholisch, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) mitteilt.

Zugelegt haben nichtchristliche Religionen (heute 12 Prozent) und vor allem die Konfessionslosen, wie eine Studie im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft» (NFP 58) zeigt: Hatte noch vor 40 Jahren bloss ein Prozent der Bevölkerung keine Konfession, sind es heute 25 Prozent.

Distanziert, nicht ablehnend

Allerdings sagt die Konfession gemäss den Autoren um Jörg Stolz von der Universität Lausanne nicht viel aus über religiöse Praktiken und Glaubensvorstellungen. Auch Konfessionslose können an Gott glauben oder alternativ spirituell sein. Die Forscher teilten die 1229 Teilnehmer ihrer Umfrage deshalb in vier Religiositätstypen ein.

Die weitaus grösste Gruppe ist jene der Distanzierten (64 Prozent). «Distanzierte glauben nicht nichts, sie haben gewisse religiöse und spirituelle Vorstellungen und Praktiken», schreiben die Forscher in ihrem Schlussbericht. Diese seien aber im Leben dieser Menschen nicht besonders wichtig – so gehen sie zum Beispiel nur sporadisch in die Kirche.

17 Prozent der Befragten zählen zur Gruppe der Institutionellen. Sie sind Mitglieder der Landeskirchen oder von evangelischen Freikirchen und pflegen einen lebendigen Glauben an Gott. 10 Prozent gehören zum Typ der Säkularen, die jeglicher Form von Religiosität entweder indifferent oder gar ablehnend gegenüber stehen.

Männer religionsfeindlicher

Die vierte Gruppe, die Alternativen, umfasst 9 Prozent der Bevölkerung. Diesen Menschen bedeuten holistisch esoterische Ansichten und Praktiken im Leben viel. Sie schwören auf pflanzliche Heilmittel, Atem- oder Bewegungstechniken, lesen esoterische Bücher oder nehmen die Dienste spiritueller Heiler in Anspruch. Anhänger nichtchristlicher Religionen wurden nicht berücksichtigt.

Bei den meisten Konfessionslosen handelt es sich laut der Studie nicht um säkulare Menschen sondern um distanzierte. Das Lager der Alternativen wird dominiert von Frauen. Umgekehrt sind mehr Männer säkular und damit religionsfeindlich als Frauen.

Die zunehmende Distanziertheit der Bevölkerung von der Kirche widerspiegelt sich auch in der Entwicklung der Kirchenbesuche. Immer weniger Menschen gehen regelmässig in die Kirche. Ende der 1960er- Jahre taten dies noch knapp 30 Prozent wöchentlich oder öfter, heute sind es noch 8 Prozent.

Ein christliches Land?

Kann aufgrund dieser Zahlen noch davon gesprochen werden, dass die Schweiz ein christlich geprägtes Land ist? Während die Gruppe der Institutionellen davon fest überzeugt ist, gaben sich die anderen drei Gruppen – also ein Grossteil der Bevölkerung – auf diese Frage zurückhaltend.

Das heisst aber nicht, dass die Bevölkerung die Institution Kirche für unwichtig hält: Zwar messen viele Menschen der Kirche für ihr eigenes Leben wenig Bedeutung zu. Unabhängig vom religiösen Typus spricht aber eine deutliche Mehrheit den Landeskirchen eine grosse Bedeutung zu für sozial benachteiligte Menschen. (bru/sda)

Erstellt: 29.03.2011, 10:32 Uhr

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14 Kommentare

Matti Hoch

30.03.2011, 14:34 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ein Land kann nie christlich sein, wohl aber von einer gewisse Anzahl von Christen bewohnt sein.Sicher haben christliche Traditionen eine Gesellschaft geprägt, aber deshalb ist eine Gesellschaft nicht christlich.Christen sind Menschen, die keine Religion brauchen, weil sie Glauben an die biblische Botschaft haben!Gott braucht keine Religionen,aber Menschen, die IHN ernst nehmen u. IHN lieben! Antworten


Guido Graf

29.03.2011, 21:42 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die Studie erwähnt u.a. auch die Kategorie "Konfessionslose" mit 25 % (vor 40 Jahren 1 %). Bei dieser Gruppe hat es sehr viele "Steuerflüchtlinge", die sich einfach als konfessionslos erklären, um so die Kirchensteuer zu sparen. Wer trotzdem eine kirchl. Dienstleistung wie Taufe, Hochzeit, Beerdigung wünscht, sollte schweizweit einheitlich und gerechterweise dafür bezahlen! Antworten




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