Wieso die neuen Väter nerven
Von Bettina Weber . Aktualisiert am 13.07.2011 37 Kommentare
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Es macht sich ja heutzutage gut, wenn man sich als Vater engagiert zeigt. Frischgebackene Väter, die nicht wenigstens eine Woche Vaterschaftsurlaub nehmen oder detailliert über die Konsistenz des Windelinhalts Auskunft geben können, findet man mittlerweile ein wenig gestrig. So ändern sich die Zeiten, und schlecht ist das nicht, es darf auch mal von Vätern etwas erwartet werden. Bloss findet jetzt da so eine irritierende Überreaktion männlicherseits statt. Die neuen Väter sind die Fortführung des kochenden Mannes. Wenn Männer kochen, ist das kein simpler Vorgang, bei dem Zutaten zusammengerührt werden, sondern ein Ereignis. Männer kochen demnach nicht im Alltag, Hörnli und Birchermüesli sind ihnen zu nieder, das macht der Schatz, denn sie sind mehr für die Abendgesellschaften zuständig. Dann, wenn es Publikum hat.
Genauso verhält es sich mit den neuen Vätern. Sie nerven. Sie nerven mit ihrer permanenten Zurschaustellung, wie modern sie sind. Wie aufgeschlossen. Wie fürsorglich. Freitagnachmittags ist sie in den einschlägigen Zürcher Parks vorzufinden, diese neue Spezies Mann. Weil sie dann frei hat, denn weniger als 90 Prozent arbeitet der neue Vater nicht, das würde dann doch zu weit führen. Sie tragen Dreitagebärte (weil sie so übernächtigt sind), Sonnenbrillen (weil sie so übernächtigt sind), dreckige Jeans (weil sie so übernächtigt sind) und bemühen sich, wahnsinnig cool zu sein.
Das Modell freigeistiger Kumpeltyp
Mit beziehungsweise trotz Kind cool zu sein, das ist der Gipfel der Coolness, finden die neuen Väter, bei Brad Pitt jedenfalls sieht das ja auch immer so aus. Abgesehen davon löst es auch eine ungemein positive Resonanz beim weiblichen Geschlecht aus, wenn man so demonstrativ zärtlich sein Kind im ökologisch korrekten Tragetuch vor die Brust geschnallt hat. Wenn es allerdings darum geht, das vor Bauchschmerzen heulende Kind von der Krippe abzuholen, dann sind die neuen Väter leider nicht abkömmlich, Schatz, du weisst, der Job. Der Schatz rückt dann aus, wie der Schatz immer ausrückt, wenn irgendwas nicht rund läuft. Und deshalb mögen die neuen Väter auch nicht erziehen, sie sehen sich mehr als Kumpel des Nachwuchses, und schimpfen lässt sich mit dem Cool-Sein auch so gar nicht vereinbaren. Schimpfen wäre ja autoritär und das ist verpönt bei den neuen Vätern, so sind sie doch nicht, sondern total freigeistig.
Das Massregeln und Im-Notfall-Ausrücken, kurz alles, was nicht so cool ist, soll lieber der Schatz übernehmen. Weil, so weit geht die neue Vaterliebe dann doch nicht. Oder anders gesagt: Sie geht, genau wie beim Kochen, exakt bis zu dem Punkt, wo es Lorbeeren gibt, also wenn Publikum zugegen ist. Wenn man gesehen wird mit dem Kinderwagen oder beim Einkaufen, wenn noch schnell ein Liter Milch geholt werden muss. Dann wird das als Ausflug zelebriert und man trägt den Kleinen auf den Schultern und gibt ganz das innige Vater-Kind-Duo, das alle so süss finden. Den Grosseinkauf mit dem schreienden und tobenden Kleinen erledigt, klar, der Schatz. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.07.2011, 11:49 Uhr
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37 Kommentare
Diesen Artikel finde ich eine ziemliche Frechheit! Spricht da mit BW eine frustrierte 35-jährige?!
In meinem Umfeld kenne ich fast nur Väter, die ihre Rolle genauso wahrnehmen: Teilzeitarbeit (nicht bloss 90%, sondern 60-80%), den Grosseinkauf erledigen, z.T. häufiger kochen zuhause - nicht nur wenn Gäste im Anmarsch sind, und genauso den "Scheiss-"job übernehmen und für die Betreuung aufkommen.
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Als 30%-Papi (unter der Woche) resp. 100% (am Wochenende) finde ich diesen klischierten Artikel nicht mal ansatzweise lustig - ich kenne auch keinen Vater in meinem Umfeld der diesem überzeichneten Bild entspricht. Es ist auch so dass ich die meisten 'nervigen' Alltagsdinge übernehme. Nur eines muss ich zugeben: Kochen muss ich immer mit und für Publikum - dem Nachwuchs nämlich. Antworten
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