«Wir Skeptiker sind keine Nörgler»

Der Zürcher Marko Kovic und sein Verein Skeptiker Schweiz haben klare Ziele. Da sehen einige Hellseher schwarz.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Sonntag haben Sie in Zürich die zweite jährliche GV der ­Skeptiker Schweiz geleitet. Dabei kündigten Sie an, der Verein werde künftig vermehrt an die ­Öffentlichkeit treten und mehr Mitglieder werben. Unter ­Skeptikern stellt man sich Leute vor, die an allem herumkritteln.
Wir sind keine Nörgler, sondern vertreten einen rationalen Skeptizismus. Das heisst, wir wollen die Menschen für Wissenschaft begeistern und zu kritischem Denken anregen. Damit sollen sie ein Werkzeug bekommen, um beispielsweise Hellseher oder die Homöopathie kritisch zu hinterfragen. Dabei bleiben wir aber offen und wollen auf keinen Fall dogmatisch sein.

Es gibt ähnliche Organisationen, etwa die Freidenker-Vereinigung. Wozu braucht es da noch die ­Skeptiker?
Auch wenn es Überschneidungen gibt: Wir haben andere Kernanliegen. Im Gegensatz zur Freidenker-Vereinigung geht es uns nicht um die Frage des richtigen Zusammenlebens, und wir setzen auch nicht auf Kirchenkritik. Wir sind ja keine ausdrücklich atheistische Gruppierung und haben einige religiöse Mitglieder. Bei uns steht einfach die Wissenschaft im Zentrum. Wir bieten als Verein einen Ort, wo Wissenschaftsbegeisterte auf Gleichgesinnte treffen.

Sie suchen aber auch die ­Öffentlichkeit, zum Beispiel mit der Aktion «Überdosis» im letzten ­Oktober, als sich ­Skeptiker mitten in Zürich mit homöopathischen ­Mitteln ­«vergifteten».
Wir wollen unsere Botschaft der Öffentlichkeit kommunizieren und nicht nur zur eigenen Herde predigen. Wir machen Vorträge, Filmvorführungen oder skeptische Stammtische. Zudem arbeiten wir mit anderen Gruppen zusammen und organisieren zum Beispiel das Camp Quest mit. Neu sind wir auch beim ECSO dabei, einer Dachorganisation für skeptische Gruppierungen in Europa. Aufgrund ihrer Viersprachigkeit ist die Schweiz ein idealer Knotenpunkt.

Stichwort Camp Quest. Das ist ein Ferienlager für Kinder. Dort und auch anderswo arbeiten Sie mit Lehrern und Schulen zusammen. Ist das nicht eine Indoktrination von Kindern?
Wir versuchen niemandem etwas aufzuzwingen, sondern setzen auf die Stärke des besseren Arguments und die Freude an der Wissenschaft. Uns ist wichtig, eine positive Botschaft zu vermitteln und keine Denkverbote auszusprechen.

Vergangenes Jahr hat Ihnen der Hellseher Pascal Voggenhuber mit einer Klage gedroht, nachdem Sie ihn in einem Podcast als Scharlatan bezeichnet hatten.
Zu einer Klage ist es am Ende nicht gekommen. Herr Voggenhuber und sein Verlag haben wahrscheinlich um ihr Image gefürchtet. Schade daran ist, dass es zu keiner sachlichen Auseinandersetzung gekommen ist. Andere Leute aus der esoterischen Szene lassen sich durchaus darauf ein. Wir wollen eine gemeinsame Streitkultur etablieren. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 24.03.2014, 22:36 Uhr)

Neu

Marko Kovic
Der 28-jährige ­Doktorand der ­Publizistik- und Kommunikationswissenschaft lebt in Schwamendingen. Er ist Präsident von Skeptiker Schweiz.

Der Verein

Im Juni 2012 haben Wissenschaftsbegeisterte die Skeptiker Schweiz gegründet. Der gemeinnützige Verein schreibt sich die Förderung von wissenschaftlichem Denken auf die Fahne. Ein Vorbild sind unter anderem die deutsche Gesellschaft für die wissenschaftliche Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und die amerikanische The Skeptics Society. Bisher sind die Schweizer Skeptiker in erster Linie durch Kritik an Alternativmedizin und Esoterikern aufgefallen. Knapp 190 Mitglieder zählt der Verein, der Grossteil davon stammt aus dem Raum Zürich. Die Skeptiker organisieren Veranstaltungen für ein breiteres Publikum und arbeiten zusammen mit der Freidenker-Vereinigung der Schweiz oder mit der aufklärerischen Giordano-Bruno-Stiftung. Auf der Website der Skeptiker Schweiz findet man neben dem Skeptiker-Blog den Podcast «SkeptisCH». (ggs)

www.skeptiker.ch

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Werbung

Kommentare

Werbung

Schönes Besteckset

Hochwertiges 60-teiliges Markenbesteck von Sola Jetzt bequem im OTTO’S Webshop bestellen!

Die Welt in Bildern

Hart im Nehmen: Ein Schwimmer im chinesischen Shenyang nutzt eine aufgebrochene Stelle in einem zugefrorenen See, um ein paar Längen zu absolvieren. (9. Dezember 2016)
(Bild: Sheng Li) Mehr...