Zur Hölle mit dem Putzteufel
Von Ulrike Hark. Aktualisiert am 17.01.2012 51 Kommentare
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Jetzt haben die Männer doch tatsächlich 10 Prozent weniger im Haushalt mitgearbeitet als noch in den Jahren zuvor! Dies ergab die neue Hausarbeitsstudie des Bundesamts für Statistik, welche das düstere Kapitel vor kurzem wieder einmal aufgeschlagen hat. Fürs Waschen und Bügeln investiert der Mann gerade mal eine halbe Stunde pro Woche – fünfmal weniger als die Frau. Ich muss gestehen, dass ich das nachvollziehen kann, denn Waschen und Bügeln sind wirklich keine Arbeiten, bei denen man ins Jubeln geriete. Sie scheinen furchtbar unnütz und sind nicht nachhaltig wirksam, denn nächste Woche liegt der Berg Socken wieder dort und will gewaschen werden. Warum also nicht zwei Wochen warten, bis es sich richtig lohnt? Dann wird auch der Mann bereit sein, die Waschmaschine anzustellen.
Doch meistens stört sich die Frau viel früher daran, immer über die volle Wäschezeine zu stolpern, als der Mann – und macht die Wäsche dann lieber selber oder wischt rasch zwischendurch mal mit Vif durchs Lavabo, was ihn natürlich nicht besonders motiviert, demnächst selber Hand anzulegen. «Dass du das nicht siehst», sagt sie dann entnervt und findet im Ausguss noch zwei einsame Haare, während er beim besten Willen nichts entdecken kann und meint: «Aber da ist doch nichts!» Viele Frauen sind ständig in einer Art von gestresstem Transitgefühl: Kaum ist aufgeräumt und geputzt, sehen sie schon wieder die ersten Wollmäuse. Was für ein Albtraum! Überhaupt: Was soll das Klagen? Viele Familien haben eine Putzfrau, und man fragt sich, was denn da an Schwerarbeit eigentlich noch übrig bleibt. Der Mann betrachtet die Sache um einiges gelassener und entspannter. Er leistet seinen Part schon – aber nicht, weil die Frau an ihm herumnörgelt, es ihm befiehlt oder das Bundesamt für Statistik womöglich eine Haushalts-Beteiligungs-Quote vorschreibt, sondern weil er hoffentlich ein feinfühliger Mensch ist, der einsieht, dass die dumme Arbeit zu zweit schneller erledigt ist als allein. Sein Charakter lässt ihn handeln, wer anders gestrickt ist, wird sich auch durch einen noch so klugen oder fordernden Feminismus nicht in einen dienstbaren Geist verwandeln. Wer sich beklagt, muss sich vielmehr fragen, vielleicht den falschen Mann gewählt zu haben. Nur wollen das viele Frauen nicht wahrhaben. Entweder man entscheidet sich für jemanden, der hilfsbereit und liebenswürdig ist, dafür vielleicht nicht der Erfolgreichste im Beruf, weil er ja zu Hause anpackt – oder eben nicht. Wenn 90 Prozent aller Väter Vollzeit arbeiten und nur 16 Prozent der Mütter, ist ein gewisses Verständnis vorhanden, wenn er um 20 Uhr abends nicht mehr Socken waschen und den Staubsauger vor sich herschieben will.
Teller am falschen Ort
Ordnung ist ohnehin ein so komplexes Phänomen, dass eine eidgenössische Statistik ihr zwangsläufig nicht gerecht werden kann. Aus höherer Warte betrachtet, gibt es nicht nur eine Ordnung, sondern immer mehrere Ordnungssysteme. Ich kann Schuhe nach Grösse oder nach Farbe sortieren, genauso wie ich E-Mails nach Eingangsdatum oder Absender ordnen kann. Beides ist in Ordnung. Darum sollte man sich nicht aufregen, wenn der Mann beim Wäscheeinräumen ein anderes System wählt als man selber. Mein Liebster räumt zum Beispiel das Tellerchen, auf dem ich jeweils das Brot ins Olivenöl zu tunken pflege, mit schöner Regelmässigkeit an einen anderen Platz – dorthin, wo die kleinen Teller stehen. Während ich es da platziere, wo die besonders schönen Teller stehen. Ein triviales Spannbetttuch wird in seinen Ecken beim Zusammenlegen immer chaotisch sein, dafür sitzt es dann auf dem Bett mit zwei Handgriffen wie eine Eins. Ordnung und Chaos sind oft zwei Seiten einer einzigen Sache.
Und man nimmt Ordnung mitunter völlig unterschiedlich wahr. Am Abend, nach der Unbill des Tages, kann mir die fast leere, ausgedrückte Zahnpastatube auch in ihrer ganzen Unbrauchbarkeit und Hässlichkeit keinen grossen Ärger mehr bereiten. Man drückt einfach noch mal drauf. Am Morgen jedoch, wenn die Seele dem kalten Lavabo und eigenen Spiegelbild noch schutzlos ausgeliefert ist, kann eine pralle, saubere Tube ein kleines Glück bedeuten. Hausarbeit ist so ein Ding zwischen Mann und Frau, das sich nicht nach dem Modell der präzisen Bügelfalte klären lässt, sondern nur mit Gelassenheit. Ins Gestell mit den Kochbüchern gehören darum unbedingt auch die griechischen Stoiker – weise Lebensführung zwischen Aromat und Staubsauger. Ausserdem heisst aufzuräumen noch lange nicht, auch Ordnung zu schaffen. Kaum wollen wir durchs Aufräumen Ordnung herstellen, geht etwas kaputt, das seine eigene Ordnung bereits hatte. Wir kennen das alle nur zu gut: Fängt man einmal mit dem Putzen an, sieht man immer mehr. Die Sehnsucht nach einer Ordnung des Ganzen steckt tief in uns, doch nichts wird je auf Dauer ordentlich sein. Vermutlich schauen wir deshalb so gern in den nächtlichen, klaren Sternenhimmel. Gott sei Dank können wir dort nicht aufräumen! Hätten wir die Gabe dazu, würden wir wohl sofort loslegen – und darauf achten, dass die Männer ihr Quantum leisten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.01.2012, 07:22 Uhr
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51 Kommentare
Zweiter Absatz, letzter Satz - Absolut richtig, das ist das, was in diesem Statistikblödsinn immer vergessen geht. Ich bin zu 100% angestellt und meine Frau zu 60%. Da darf ich wohl erwarten - was sie als moderne Frau zum Glück auch so sieht - dass ich nicht noch staubsaugen muss, sondern sie ihre 2 Freitage - die habe ich nicht! - hierfür verwendet. Nur ewiggestrige Feministinnen sehen das nicht. Antworten
Hat wirklich das Bundesamt für Statistik nichts Gescheiteres zu tun als solche Statistiken zu führen - hier drängt sich eine Reduktion des Personalbestandes um 50% auf - damit man wieder zur Vernunft kommt - wem nützen solche Feststellungen, die an den Haaren herbeigezogen sind - unsere Volkswirtschaft bringt das sicher nicht weiter - gehört dieses Bundesamt zu BR Schneider-Ammann ?? Antworten
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