Ab wann ist man handysüchtig?

Schneller, als man denkt: Die «New York Times» hat einen strengen Onlinetest geschaltet. Machen Sie ihn hier.

Ratschlag von Suchtexperten: Handy raus aus dem Schlafzimmer.

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Das Smartphone, das verrät bereits sein Name, ist ein Tausendsassa. Es lässt uns miteinander reden, surfen, spielen, einkaufen, Musik hören, Filme schauen, daten und noch vieles mehr. Ungefähr 50-mal pro Tag guckt der Durchschnittsuser auf sein Gerät. Wer nicht aufpasst, wird zum Sklaven seiner Nutzungsgewohnheiten – oder anderes gesagt: handysüchtig.

Doch ab wann hat man ein ernsthaftes Problem? Die «New York Times» hat den renommierten Psychiater David Greenfield damit beauftragt, einen Online-Selbsttest zu erstellen, der darüber Auskunft geben soll. Wer ihn macht, staunt nicht schlecht: Beantwortet man mehr als zwei der 15 Fragen mit «Ja», wird einem ein «problematischer und zwanghafter Umgang» mit dem Smartphone attestiert:

Handysucht

Frage 1 von 15:

Verbringen Sie mehr Zeit am Smartphone, als Ihnen bewusst ist?

Ja

Nein

Ist das korrekt? Ist man gleich abhängig, nur weil man häufig auf sein Smartphone schaut? Oder schlägt hier der Amerikaner schneller Alarm als der Europäer? Gemäss dem Zürcher «Zentrum für Spiel- und andere Verhaltenssüchte» ist das grundsätzliche Kriterium einer Onlinesucht, dass sich der Lebensmittelpunkt vom realen hin zum virtuellen Leben verschiebt – mit längerfristig «dramatischen» Folgen: Leistungsrückgang, Jobverlust, sozialer Rückzug oder Bewegungsarmut.

Zentrumsleiter Franz Eidenbenz befürwortet solche Tests als Hinweise auf ein mögliches Problem und verweist auf einen ähnlichen Test der Schweizer Suchtprävention(hier). Er findet es allerdings «heikel», dass der Test der «New York Times» einem ab drei Ja-Antworten ein Problem nahelegt. Dass einem ab acht Ja-Antworten der Besuch bei einem Suchtexperten, zur Klärung einer möglichen Abhängigkeit empfohlen wird, bezeichnet Eidenbenz aber als sinnvoll und hilfreich.

Laut «Jugend und Medien», der nationalen Plattform zur Förderung von Medienkompetenzen, sind die Anzeichen für eine Handysucht folgende:

  • Das Handy wird unentbehrlich
  • Der Nutzer verliert die Kontrolle über den Handygebrauch; das Smartphone zu zücken, wird zur Routine
  • Handy wird auch in unangemessenen Situationen benutzt
  • Person hat immer weniger reale Kontakte und kommuniziert lieber übers Handy
  • Smartphone wird zur psychischen Stabilisierung genutzt, z.B. um sich aufzuheitern oder um Stress abzubauen

Ist ein problematisches Verhalten erstmals erkannt, braucht es mehr Achtsamkeit und Selbstkontrolle, um die exzessive Nutzung in den Griff zu kriegen. Franz Eidenbenz empfiehlt folgende konkrete Massnahmen:

  • Kontroll-Apps installieren, etwa Moment: Diese misst, wie viel Zeit ein User durchschnittlich mit seinem Smartphone verbringt und welche Anwendungen er häufig nutzt.
  • Anwendungen, von denen man abhängig ist, einschränken oder löschen
  • Handyfreie Zeiten einrichten – vor allem nachts
  • Anstatt des Handys eine Uhr und einen Wecker als Zeitangabe verwenden

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.05.2017, 10:37 Uhr

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