Wenn Männer über die Liebe stolpern
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 01.10.2011 150 Kommentare
Birgit Kollmeyer
Birgit Kollmeyer ist Ausbilderin für paarlife und verhaltenstherapeutische Paarberaterin. Paarlife ist ein Angebot der Universität Zürich. www.paarlife.ch
Stefan Eigenmann
Stefan Eigenmann ist Paar- und Sexualberater. Zusammen mit seiner Frau Manuela Gomringer und seiner Schwester Ruth Eigenmann führt er die Praxisgemeinschaft «Werkstatt für Kontakt & Dialog». www.kontaktdialog.ch
Artikel zum Thema
- Er entschied sich für die Skilehrerin – und gegen den Job
- Russische Freundin wird dem höchsten Polizisten zum Verhängnis
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Im Sommer vor einem Jahr reiste Michael Perler nach St. Petersburg – nicht für Ferien, sondern für eine Konferenz gegen die Mafiabekämpfung in Russland (siehe «Artikel zum Thema»). Begleitet wurde er von seiner damaligen Freundin. Inzwischen ist bekannt, dass besagte Freundin, eine gebürtige Russin, geschäftliche Beziehungen zu Russland hat.
Jetzt ist Perler seinen Job los, weil er «private und berufliche Interessen in nicht tolerierbarer Art vermischt» habe. Obwohl er sich der Problematik der Beziehung bewusst gewesen sei, habe er sich nicht von der Frau getrennt. Das Bundesverwaltungsgericht findet, Perler sei nicht nur «naiv, sondern geradezu unverantwortlich» gewesen. Er habe «lediglich auf seine Gefühle gehört».
«Dann gibt es kein Halten mehr»
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Karrieremann über seine Gefühle oder seine Triebe stolpert. Da ist etwa Jean-Paul Belmondo, der mit seiner jungen Freundin selig grinsend über rote Teppiche läuft, obwohl sich seit Monaten die Gerüchte halten, das frühere «Playboy»-Model würde ihn finanziell ausnehmen und solle Geldwäsche betreiben. Über Mick Jagger erfuhren wir vor einem Jahr, dass er Carla Bruni hörig war. Von Männern ab einem gewissen Alter ist man sich dies gewöhnt. «Die Chance auf eine aufregende Liebe wirkt da wie ein Hauptpreis», sagt der Zürcher Paar- und Sexualberater Stefan Eigenmann.
Und nun also Michael Perler. Der Schweizer Chef der Bundeskriminalpolizei ist 44-jährig und hat die Karriereleiter rasant erklommen. Wie kommt es, dass ausgerechnet ein karrierebewusster Mann für die Liebe seine berufliche Zukunft aufs Spiel setzt? Für Stefan Eigenmann ist der Fall klar: «Jeder Mensch hat einen Mangel, einen Hunger, zum Beispiel nach Liebe und Leidenschaft. Ist dieser Hunger gross, gibt es kein Halten mehr und der Verstand wird ausgeschaltet.»
Dabei spiele es keine Rolle, wie hoch oben jemand auf der Karriereleiter stehe. Dem Chef der Bundeskriminalpolizei könne so etwas genauso passieren wie dem Otto Meier. Birgit Kollmeyer, Paarberaterin bei Paarlife an der Universität Zürich, pflichtet dem bei. Von Karrieremännern erwarte man, dass es ihnen eher gelingen würde, ihre Gefühle zu kontrollieren, und man sei umso überraschter, wenn dem nicht so sei. Dass eher Männer ihren Frauen hörig sind als umgekehrt, halten beide Paartherapeuten dagegen für ein Vorurteil. Genau wie die Aussage, dass Männer im Zweifel ihre Karriere über die Liebe stellen. «Wenn ein Mann überzeugt ist, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben, hört er auf seine Gefühle», sagt Eigenmann.
Innere Stimme war da
Ob die rosarote Brille oder die sexuellen Triebe Auslöser für das «naive und geradezu unverantwortliche» Verhalten Perlers gewesen sind, ist unklar. «Er hat sich um den Verstand bringen lassen und zugelassen, dass seine Gefühle ihn bestimmen», sagt Birgit Kollmeyer. «Dadurch hat sein Gefahrenbewusstsein gelitten.» Vermutlich habe er die Gefahr verdrängt und sich durch die Sicherheitsprüfung seiner Untergebenen beruhigen lassen. Die Aussage «Liebe macht blind» passe hier gut. «Er wollte wohl nicht genau hinschauen, um sich nicht gegen die Frau entscheiden zu müssen.» Es sei denn, er sei seines Jobs überdrüssig gewesen. Auch Stefan Eigenmann ist überzeugt, dass da «bestimmt eine innere Stimme war, die ihn gewarnt hat».
So oder so: Michael Perler hat einen bewussten Entscheid getroffen und sich wegen seiner Liebe aufs Glatteis begeben. «Daran ist grundsätzlich nichts verkehrt. Schliesslich ist das Leben auf dem Glatteis sehr intensiv», findet Eigenmann und wünscht Perler, dass er seinen Frieden mit seinem mutigen, vielleicht allzu mutigen Verhalten finde. Das dürfte umso schwieriger sein, da die Beziehung zu seiner russischen Freundin inzwischen in die Brüche gegangen ist.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.09.2011, 14:44 Uhr
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150 Kommentare
Ich habe verstanden, wenn ich eine eingebürgerte Ausländerin treffe, sei es in einem Restaurant oder in einer Bar, muss ich zuerst nachfragen, ob sie hier geboren oder eingebürgert worden ist. Auch dann, wenn sie hier geboren ist, darf sie keinen Geschäften nachgehen, vor allem nicht solchen, bei denen Geld zu verdienen ist. Fremdsprachenkenntnisse dürfen nicht gewinnbringend verwendet werden. Antworten
Der Mann hat ja nichts Verwerfliches getan, handelte einfach nur naiv - naiver, als es die Polizei erlaubt. Die Sicherheitsprüfung, der solche Top-Beamten unterzogen werden, enthalten also keine psychologischen Tests, die solche Schwächen aufzeigen könnten? Sehr wahrscheinlich wurde einmal mehr ein Jungspunti mit viel Vitamin B gepusht. - Bundesbern, ich habe dich so satt! Antworten

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