Pelze sind wieder populär

Noch vor wenigen Jahren war das Tragen von Tierfellen verpönt. Doch im letzten Jahrzehnt ist die Nachfrage wieder gestiegen.

Pelz wird vor allem als Verzierung wieder verwendet: Eine Modeschau mit zum Wintersport. (Archivbild)

Pelz wird vor allem als Verzierung wieder verwendet: Eine Modeschau mit zum Wintersport. (Archivbild) Bild: Eddy Risch/Keystone

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Die Schweiz wird dieses Jahr so viel tierisches Fell importieren wie seit 1992 nicht mehr. Vor allem bei Jungen seien Pelze wieder populär. Halten die aktuellen Trends an, werden dieses Jahr rund 440 Tonnen Pelze importiert. Das ist der höchste Wert seit 1992, wie die «Schweiz am Sonntag» recherchiert hat.

Dabei dienen die Pelze oft als Verzierung von Mänteln und Jacken. Ganze Pelzmäntel seien zwar weiterhin unpopulär, doch «die Schweiz liebt pelzige Bommel und Kapuzenumrandungen bei Parkas», so die Zeitung. «Eine komplette Pelzjacke ist Tierquälerei – aber so ein Mantelkragen doch nicht», fasste der Norddeutsche Rundfunk (NDR) die Einstellung vieler Kunden zusammen.

Schädelzertrümmern als Tötungsmethode

Hinter der wiedergefundenen Popularität stecken verschiedene Faktoren. Wichtig ist heutzutage vor allem die Pelzproduktion in China, die zu einem Preissturz führte. Dabei zeigte der NDR, wie es bei der Fellproduktion in China oft zu- und hergeht: Auf den besuchten «Farmen» werden die Tiere in engen Käfigen gehalten.

Die Mitarbeiter werden pro gehäutetes Tier bezahlt – es muss schnell gehen. Marderhunden würde deswegen mit Stangen der Schädel eingeschlagen. Das tötet die Tiere nicht immer, was aber nicht genau kontrolliert werde. Ob tot oder lebendig, die Tiere würden in jedem Fall gehäutet.

Junge, Modedesigner, Verzierungen und Kunstpelz

Ein weiterer Faktor ist die veränderte Nachfrage im Westen. Unter 30-Jährige stünden bei ihm oft mit Bildern von pelztragenden Berühmtheiten im Geschäft, sagt der Vizepräsident des Branchenverbands Swissfur, Thomas Aus der Au, zur «Schweiz am Sonntag» – zum Beispiel Kim Kardashian, Kanye West oder Beyoncé.

Den Weg aus der Ächtung hätten vor allem die Modedesigner gewiesen, meint Edmund Haferbeck von der Tierschutzorganisation Peta. «Sie beharrten darauf, Pelz verarbeiten zu dürfen» – speziell als Verzierungen. Auch Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz sprich dasselbe Problem an: «Die Konsumenten übersehen die schiere Masse an solchen pelzigen Verzierungen.»

Nebst der Verwendung als Verzierung hätten aber auch Kunstpelze der wiedergefundenen Popularität von Pelzen geholfen. «Der Käufer gibt damit ein Signal: Pelztragen ist okay», meint Sandmeier. Dadurch würde es auch leichter, wieder echten Pelz zu tragen.

«Möchten unsere Kunden Pelz, sollen sie ihn finden»

Die Grenzen der Kontroverse um die Tierfelle verlaufen nicht bloss zwischen Pelzindustrie und Tierschützern. Auch die Modehändler sind sich uneinig. Globus und Herren-Globus verzichten zum Beispiel ganz auf Echtpelze. «Pelztiere aus einer Zucht leben nie auch nur annähernd artgerecht», rechtfertigte Globus-Chef Thomas Herbert den Schritt in der «Berner Zeitung». Auch PKZ verzichtet bei Eigenmarken auf Pelz.

Modehändler mit Echtpelz im Sortiment halten dagegen. «Möchten unsere Kunden Pelz, sollen sie ihn bei uns auch finden», sagt etwa die Sprecherin von Bongénie Grieder zur Zeitung. Gemäss der Tierschutzorganisation Peta verarbeiteten Marken wie Bogner und Burberry Echtpelz.

Thomas Aus der Au vom Branchenverband Swissfur argumentiert: «Pelz stammt oft aus der Jagd zur Bestandsregulierung wie im Fall der Rotfüchse. Ansonsten würde dieses Naturprodukt verbrannt.» Im Übrigen würde für die Produktion von Kunstpelzen Erdöl verwendet.

(mch)

Erstellt: 11.12.2016, 13:17 Uhr

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