Vom Winde verweht
Erlenpollen in der mikroskopischen Vergrösserung (Bild: MeteoSchweiz)
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Das Schweizer Pollenmessnetz
Hinter den Pollenprognosen von MeteoSchweiz steckt viel Knochenarbeit. Über die Schweiz verteilt ist ein Netz von 14 Pollen-Messstationen, wo mit sogenannten Burkard-Fallen täglich Proben auf Klebestreifen eingesammelt werden. Beim Pollenmessdienst von MeteoSchweiz in Zürich werden die Proben gezählt und analysiert. In den intensiven Monaten April und Mai zählt das Team um Regula Gehrig pro Streifen oft 1000 Pollen. Der Pollenflug und damit die Heuschnupfensymptome sind sehr stark wetterabhängig. Temperatur, Sonnenschein, Luftfeuchtigkeit und Wind spielen eine wichtige Rolle. So geben die meisten Pflanzen ihre Pollen nur bei trockenem und relativ warmem Wetter ab. Eine Ausnahme ist die Birke: Sie kann nach einem Regenschauer bereits nach einer Stunde wieder Pollen an die Luft abgeben.
Sie sind glatt oder stachlig, sie sind rund wie Fussbälle oder oval wie Hühnereier, sie können aus mehreren Partikeln zusammengesetzt sein oder nur aus einem einzigen Teil bestehen; einige haben kraterähnliche Oberflächen oder ballonartige Ausstülpungen, andere weisen lauter kleine Spalten auf: Pollen sind faszinierende kleine Gebilde, vielfältig in Form und Struktur. Als solche erkennt man sie allerdings nur unter dem Mikroskop.
Von blossem Auge kaum sichtbar
«Pollen haben bei allen höheren Pflanzen die Aufgabe, das männliche Erbgut bei der Befruchtung auf die Eizelle zu übertragen», erklärt Regula Gehrig, die bei Meteo Schweiz in Zürich für den Pollenmessdienst verantwortlich ist. Einzelne Pollenkörner sind von blossem Auge kaum sichtbar, sie messen je nach Art von 10 bis 100 Tausendstelmillimeter. Pollen enthalten Eiweissverbindungen, die vom Körper als Fremdsubstanzen angesehen und darum bekämpft werden. «Heuschnupfen», sagt Regula Gehrig, «ist eine Überraktion des körpereigenen Immunsystems, wenn es mit diesen Allergenen in Kontakt kommt.» Die Pollen werden oft schon in den oberen Luftwegen aufgehalten und verursachen dort typische Heuschnupfensymptome: Niesen, Nasenlaufen, Augenjucken usw. Pollenallergene bestehen wie alle Allergene aus wasserlöslichen Proteinen. Bei Wasserkontakt verlassen diese Proteine die Pollenoberfläche meist innert Sekunden. Entsprechend schnell können sie in die Schleimhäute eindringen. Dank molekularbiologischer Methoden ist es in den letzten Jahren gelungen, viele der als Pollenallergene verantwortlichen Proteine gentechnisch («rekombinant») herzustellen. Dadurch weiss man heute ziemlich genau, wie diese Allergene im menschlichen Körper biologisch funktionieren. Die Erkenntnisse sind wichtig für verbesserte Diagnosen und Therapien.
Insektenblütige Pollen zu schwer
Allerdings: Nur die wenigsten Pollen lösen Heuschnupfen aus. Zwei Voraussetzzungen sind wesentlich: Zum einen müssen die Pollen Allergene enthalten, die vom Körper als Eindringlinge bekämpft werden. Zum anderen müssen die Pollen in grossen Mengen in der Luft sein. Die Pollen von Pflanzen, die durch Insekten (zum Beispiel Bienen) bestäubt werden, sind meist zu schwer, um über weite Distanzen getragen zu werden. Sonnenblumenpollen zum Beispiel, die in mikroskopischer Vergrösserung mit ihren imposanten Stacheln wunderschön anzusehen sind, lösen selten allergische Reaktionen aus. Erstens setzen Sonnenblumen vergleichsweise geringe Pollenmengen frei – wie alle Korbblütler. Zweitens enthalten sie keine aggressiven Allergene. «In unseren Breiten sind die meisten Pflanzen mit bunten und angenehm duftenden Blüten für Heuschnupfen eher unbedeutend», sagt Regula Gehrig. «Sie lösen höchstens bei engem Kontakt mit der Blüte allergische Reaktionen aus.»
4 Millionen Pollen pro Grashalm
Genügend grosse Mengen an Blütenpollen produzieren nur windbestäubte Pflanzen, also Gräser und viele Bäume. «Unter dem Miskroskop kommen sie vergleichsweise unspektakulär daher», sagt Regula Gehrig. Dafür gehen sie in Heerscharen auf Reisen: Die Blüten eines einzigen Grashalms enthalten ungefähr 4 Millionen Blütenpollen. Ähnlich viele Pollen enthält ein einziges Birkenkätzchen. Sechs Pollenarten sind für rund 95 Prozent der Pollenallergien verantwortlich: Gräser-, Birken-, Eschen-, Hasel-, Erlen- und Beifusspollen. Die meisten Personen reagieren nicht nur auf eine Pollenart, sondern auch auf Pollen von verwandten Pflanzenarten. So sind die Familien der Birken- und Haselgewächse sehr nah verwandt und besitzen ähnliche Allergene. Man spricht daher von Kreuzreaktionen. Keine Bedeutung für den Heuschnupfen haben die Pollen von Nadelhölzern wie Fichten und Föhrenpollen. Als gelber Staubniederschlag machen sie zwar milliardenfach auf Autos und Fenstersimsen auf sich aufmerksam. Sie irritieren aber höchtens die Bindehäute, wie das auch normaler Staub bewirken kann. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.03.2010, 09:16 Uhr




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