Fit mit Mensch statt Maschine

Von Albert Kuhn. Aktualisiert am 14.11.2009

Es gibt zahlreiche Fitnesstempel mit tausendundeiner Möglichkeit. Aber es gibt nur ein Fitnesscenter, wos immer gleich viel Trainer wie Kunden hat.

1/12 Bildschirmfoto 2009-11-06 um 11.22.55.png
Dave Dollé und Personal Trainerin Nikki Stalder demonstrieren das 1:1-Training von Pure Training.
Bild: Stefan Jermann

   

Vor der Türe von Pure Training steht ein – mit Ausnahme von Bizeps und Trizeps – sehr schlanker, grosser Schwarzamerikaner, der ausgezeichnet Züritüütsch spricht. Geboren wurde Dave Dollé 1969 in Pasadena, Kalifornien, USA. Jetzt lebt er mit seiner Familie in Zumikon. Sein spartanisch elegantes, helles und überschaubares Fitnesscenter liegt bahnhofsnah an der Freischützstrasse 10. Als Erstes fällt auf: eine Bar mit Kaffeemaschine, Säften und Fitnessriegeln, an der Wand zwei grosse Flachbildschirme: Links spielt Real Madrid, rechts läuft CNN.

Dank Dollés Bescheidenheit erfährt man erst nach einer Stunde (und das auch nur so nebenbei), dass man nicht nur vor einer TV-Berühmtheit steht (Doku-Soap «Der Match», Experte bei «SF bi de Lüt», Schweizer Sportfernsehen «Fit mit Dave»), sondern auch vor einem dekorierten Leichtathleten: dem Schweizer Finalisten der Leichtathletik-Europameisterschaft in Helsinki und dem immer noch amtierenden Schweizer Meister über 100 Meter. Seit 1992 verbesserte der Athlet den Rekord mehrmals, bis er im August 1995 in La Chaux-de-Fonds die 10-mal 10 Meter in kinnladenklappenden 10,16 Sekunden lief. Dollé hat sich seither vom Aktivsport zurückgezogen – der Schweizer Rekord gilt noch heute.

Fast jede und jeder hat einmal ein Fitnesscenter von innen gesehen. Tagsüber sind diese Hallen bis auf ein paar Oldies gähnend leer, dafür aber kurz nach Geschäftsschluss proppenvoll. Spätestens halb sechs sind alle Kraftmaschinen besetzt, dahinter eine Warteschlange, dito in Dusche und Garderobe. Nach dem Stress des Tages der Stress des Vorabends.

Bei Pure Training gibt es keine Stoss- zeiten. Es gibt fünf Trainingsplätze, und selbst wenn alle belegt sind, sind höchstens zehn Personen im Raum, fünf Kunden und ihre Personaltrainer. Im Pure Training Zumikon jeweils ein Kunde und ein Personaltrainer.

Training mit dem Körpergewicht

Was das bringt? Es ist der Unterschied zwischen einem Buch, das man liest. Und einem Menschen, der einem etwas erklärt. Und nicht nur einmal erklärt, sondern immer wieder neu und aufbauend. Der Personal Trainer achtet auf alles: ob man gut drauf ist oder nicht. Ob man Aufmunterung braucht oder klare Kritik. Ob man sich zu früh verausgabt oder die Komfortzone nie verlässt. Der Trainer siehts und kommentiert.

Bei Pure Training gibt es kaum klassische Fitnessmaschinen, vielmehr wird mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet. Das Ziel ist nicht eine Viertelstunde lang Ruderbewegungen und eine weitere Viertelstunde Trampeltherapie. Sondern jene komplexen Bewegungsketten zu trainieren, auf die man im Alltag, im eigenen Training oder im Sport angewiesen ist. Dazu muss Kunde oder Kundin deklarieren, was sie will: Sich auf die Langlaufsaison vorbereiten? Fünf bis zehn Kilo abnehmen? Sich nach einer Schwangerschaft wieder fittrainieren? Oder einfach besser joggen können? «Nur vom täglichen Spazieren», erklärt Dave Dollé, «wird man kein Silvesterläufer. Und Laufen ist kein Lauftraining.» Denn Lauftraining besteht aus Laufen und aus eingeschobenen Zusatzprogrammen: Waden dehnen, Rücken stärken, Krafttraining auf dem Vita Parcours oder am nächsten Ast. Training, meint Dollé, muss ein Paket sein. Er und seine Personaltrainer schnüren jedem Kunden und jeder Kundin ein Paket nach Mass. Keins ist gleich.

Paket aus 6 Komponenten

Die Trainer wollen wissen, was man an Bewegung bereits tut. Yoga? Velofahren? Schwimmen? Was auch immer: Es wird zum Bestandteil des Trainingspakets. Jedes Paket besteht aus Gesundheitsmassnahmen, Kräftigungsübungen, Beweglichkeitstraining, Koordination, Entspannung und mentalem Training. Nichts darf fehlen. Man kann gesund, kräftig, beweglich, entspannt und motiviert sein. Vernachlässigt man aber die Koordination, braucht es eine zu schnelle Bewegung, etwa: auf eine sich schliessende Lifttür zurennen – und man strauchelt. Je älter, desto wahrscheinlicher.

Beruhigung ist eine der Hauptaktivitäten der Trainer. Die meisten Menschen sind fast immer in irgendeiner Krise oder Minikrise, findet Dollé: «Es gibt einen kleinen Bereich des Idealen, darunter oder darüber ist zu viel oder zu wenig, also nicht ideal.» Zu viel oder zu wenig Arbeit, Geld, Schlaf, Gedanken. Dieses zu viel oder Zuwenig kann ein Trainer auffangen und seinem Schützling ermöglichen, sich eine Stunde lang einfach und ausschliesslich mit seinem Körper zu beschäftigen. Beim nächsten Training wird sich der Trainer erneut die Zeit nehmen, dieselben Fragen zu stellen, weil sie vermutlich jedes Mal etwas anders beantwortet werden: bezüglich Ernährung, Befinden, Schlaf. Dies erzeugt Kontinuität und ein Gesamtbild.

Personaltrainer denken auch über den Fitnessraum hinaus. Die Kundin will Velo fahren und wohnt im steilen Küsnacht? Fährt sie rauf, ist eins, zwei der Puls am Anschlag, fährt sie runter, flattern die Knie. Man sucht dann zusammen eine geeignete Strecke aus oder eben das perfekte Rad.

«Fitness ist kein Luxus»

Dave Dollé hat sich rechtzeitig aus dem Aktivsport zurückgezogen. Er arbeitete in verschiedenen Fitness Centern, beobachtete und lernte, 2002 wurde er Trainer. Fünf Jahre danach war er so weit, sich «zu multiplizieren», ein Unternehmen zu gründen: die Pure Training GmbH für Personal Fitness Coaching, Beratung für Ernährung und Vitalität. Zusammen mit seinen neun Hundertprozent- und Teilzeit-Trainern und -Trainerinnen steckt Dave Dollé eine aussergewöhnlich breite Palette an Techniken und Methoden ab. Darunter Herz-Kreislauf-Training, Pilates, Entspannungstechniken, Massagen, Aqua- Fitness, Meditation, Bodyforming, Rehabilitation, Selbstverteidigung und auch Qi Gong. Ist Fitness Luxus? «Nein, Gesundheit», meint Dollé.

Mehr über Pure Training unter www.davedolle.com.
Die Preise liegen zwischen 140 und 250 Franken pro Stunde.
«Fit mit Dave» wird jeweils am Donnerstag im SSF Magazin ausgestrahlt.
Auf www.internettv.ch ist die Rubrik ebenfalls in den Magazinsendungen vom Donnerstag zu finden.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.11.2009, 16:29 Uhr

Leben

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz