So sexy kann umweltfreundliches Fahren sein
Von Dieter Liechti. Aktualisiert am 09.11.2009
«Dieses Auto ist ein Meilenstein auf unserem Weg zu einer emissionsfreien Mobilität.» Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, liess bei der Vorstellung der frisch gelifteten S-Klasse keine Zweifel offen, dass man das Thema Hybrid nun auch in Europa ernst nimmt. Das erstaunt. Denn zuvor haben sich die europäischen Hersteller jahrelang damit begnügt, die Hybridtechnik von Toyota, Lexus und Honda schlechtzureden oder infrage zu stellen: «Nur eine Zwischenlösung», «ungenügende Batterietechnik», hiess es in München und Stuttgart.
Doch jetzt soll alles anders werden. Nach dem Motto «Krise als Chance» starten die deutschen Hersteller eine Hybrid-Offensive. Egal ob BMW, Mercedes-Benz oder Porsche: Wer ein neues Modell im Oberklasse- oder Luxus-Segment präsentiert, weist zumindest darauf hin, dass ein Hybridantrieb in Vorbereitung ist.
E-Motor hilft beim Beschleunigen
Schon ein, zwei Schritte weiter ist Mercedes mit dem S 400 Hybrid. Mit diesem Auto beweisen die Stuttgarter ein Herz für Manager mit grünem Gewissen und gekürztem Spesenkonto: Denn die S-Klasse wird mit dem Kürzel Hybrid am Heck nicht nur schöner und sicherer, sondern vor allem sparsamer. Für Vortrieb im umweltfreundlichen Luxusliner aus Stuttgart sorgt zwar ein 3,5 Liter grosser V6-Benziner mit
279 PS, doch dem springt beim Anfahren und beim Beschleunigen ein 20 PS starker Elektromotor zur Seite.
Kombiniert mit der Rückgewinnung von Bremsenergie (Rekuperation) und der integrierten Start-Stopp-Automatik, drückt das den Verbrauch auf 7,9 Liter und macht die 132?300 Franken teure S-Klasse mit einem CO2 von 186 bis 189 Gramm zum Champion in der Luxusklasse. «Diese neue S-Klasse steht für unsere Entwicklungsstrategie, die ein klares Ziel hat», so Dieter Zetsche. «Sparsame und umweltverträgliche Premium-Fahrzeuge ohne Verzicht auf Sicherheit, Komfort und ein souveränes Fahrerlebnis.»
Ohne Benzin läuft nichts
Und souverän ist er, der S 400 Hybrid. Wenn auch noch nicht ganz so sparsam: Bei den Fahrten in der Region
Zürich pendelte sich der Verbrauch des Testwagens bei 8,9 Litern ein. Das ist zwar ein Liter mehr als versprochen, aber immer noch ein guter Wert für einen Luxusliner mit Benzinmotor. Dass der S 400 von der Kraft zweier Herzen angetrieben wird, merkt man nicht erst an der Tankstelle, sondern auch unterwegs. Denn sobald man langsam an eine Kreuzung rollt, schaltet das feinfühlige Start-Stopp-System den Motor aus.
Noch nicht ganz so feinfühlig funktioniert der Start – wo die Lexus-Hybriden wie von Geisterhand bewegt losrollen, schüttelt sich der Mercedes ganz kurz wach. Zudem fährt der S 400 Hybrid keinen einzigen Meter nur mit Strom und muss sich darum auch mit der Bezeichnung «Mild-Hybrid» zufrieden geben. «Daran wird gearbeitet», verspricht Mercedes. Und verweist auf einen anderen wichtigen Pluspunkt auf dem Datenblatt des S 400: Mit seiner Lithium-Ionen-Batterie ist der Mercedes das weltweit erste Serienauto mit dieser leistungsstarken Batterietechnik. Diese ist auch zuständig dafür, dass der Mercedes bis zu einem gewissen Punkt rein elektrisch verzögert. Das lässt das Bremspedal zuweilen ein wenig «gummig» erscheinen, aber daran gewöhnt man sich der Effizienz zuliebe gern.
Apropos Effizienz: Während der Fahrer auf dem Display verfolgen kann, wie der Hybridantrieb arbeitet und wo Sparpotenzial besteht, kann der Beifahrer dank der neuen Dual-View-Technik auf dem gleichen Display einen neuen Hollywoodstreifen geniessen.
Ein stimmiges Paket: Seit der Einführung der frisch gelifteten S-Klasse Ende Juni sind die Schwaben wieder Leader im Luxussegment. «Bereits 20 Prozent der Kunden entscheiden sich für die teurere, aber sparsamere und umweltfreundliche Hybridversion», freut man sich in Stuttgart. Und in der Schweiz sind es sogar 25 Prozent!
BMW X6 Hybrid
Auch BMW bringt den Hybridantrieb auf die Strasse. In Frankfurt an der IAA zeigten die Bayern den X6 als Hybridmo- dell. Im Vergleich zum normalen X6 5oi soll das «saubere» Sports Activity Coupé 20 Prozent weniger verbrauchen. Also nur 9,9 statt 12,8 Liter. Das hat seinen Preis: Der X6 Active-Hybrid kostet mit 485 PS 159 000 Franken. Das sind 45 400 mehr als der X6 50i mit 408 PS.
Fisker Karma
Ab 2010 will der US-Autobauer Fisker mit sportlichen Plug-in-Hybridmodellen den Markt aufmischen. Als erstes Modell rollt der Karma mit über 400 PS an den Start. Dank einer Lithium-Ionen-Batterie soll der saubere Schönling 80 Kilometer rein elektrisch schaffen. Danach wird die Bat- terie durch einen Benzinmotor geladen, so schafft der 4-Plätzer bis zu 500 Kilometer. Kostenpunkt: 87 900 Dollar.
Lexus LS 600h
Bereits ein alter Bekannter ist der Lexus LS 600h – der «grüne» Vorreiter im Lu- xussegment. Der Allradler mit 445 PS und 5 Plätzen gibt sich im Durchschnitt mit 9,3 Litern auf 100 Kilometer zufrieden und überzeugt zudem mit seinem erstklassi- gen Komfort und der Hightech-Ausstat- tung. Die kurze Version kostet mindestens 152 800 Franken, die Langversion schlägt zusätzlich mit 12 800 Franken zu Buche.
Tesla Roadster
«Let’s burn Rubber, not Oil – die Revolu- tion erfasst das Festland.» So kündigte die US-Firma Tesla Motors im September die Eröffnung des ersten Tesla Flagship Store in Europa, genauer in München, an. In der Zwischenzeit rollten die ersten Tesla Roadster auch in der Schweiz auf die Stra- sse, und bald soll in Zürich ein Showroom der Amis entstehen. Der Elektro-Roadster schafft maximal 400 Kilometer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.11.2009, 11:11 Uhr
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