Leben

Vero Kern – die Nase Zürichs

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 13.12.2010

«Ein guter Duft muss etwas Dreckiges haben», ist die Zürcher Parfümeurin Vero Kern überzeugt.

1/4 «Ein guter Duft muss etwas Dreckiges haben», ist die Zürcher Parfümeurin Vero Kern überzeugt.
Stefan Jermann

   

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Mit «Diese Nase!» pflegen unsere Lieblingsgallier Asterix und Obelix ihre Verehrung für die ägyptische Königin Kleopatra auszudrücken. Passen würde es auch auf die Zürcher Parfümeurin Vero Kern. Ihrer Nase nämlich verdanken wir Düfte, die so komplex und eigenwillig daherkommen, dass sie sich auch für einen Laien von der Masse der heute angebotenen Duftwässerchen abheben. Die Fachwelt weiss schon länger um die Qualität von Kerns Arbeit, seit 2007 genauer, als sie ihr erstes Parfüm auf den Markt brachte und zeigte, dass man durch sorgfältiges Handwerk auch heute noch Parfü ms kreieren kann, die kleine Kunstwerke sind.

Passion für Düfte

Vero Kern, schmal, mit blondem Kurzhaarschnitt und einer lebhaften Stimme strahlt das Selbstbewusstsein einer Frau aus, die ihre Berufung gefunden hat. Mit 55 Jahren, nach einer Ausbildung als Pharma-Assistentin und jahrelanger Tätigkeit bei der Swissair, wollte sie nochmals etwas ganz anderes machen. Sie schloss ihre Passion für Düfte mit ihren kreativen Kräften kurz und kniete sich in die neue Aufgabe. «Ich wollte in mich selber investieren, alles herausholen, was ich kann», sagt Kern. «Ich wollte etwas machen, das ich von A bis Z selber gestalten kann. Das Parfum gab mir diese Möglichkeit.»

Anders als die industriellen synthetischen Parfüms

Nachdem sie in Paris das Handwerk gelernt hatte, wobei der grosse Parfümeur Guy Robert ihr als Spiritus Rector diente, investierte sie ihre gesamten Ersparnisse in die Arbeit an einer eigenen Linie. Fünf Jahre arbeitete die Perfektionistin in ihrer Küche an ihrem ersten Duft. 2007 präsentierte sie unter ihrem Label Vero Profumo ihr erstes Parfüm «Kiki», das die Fachwelt ebenso betörte wie die Folgedüfte «Onda» und «Rubj». Heute lassen sich Parfümkenner aus der ganzen Welt zu begeisterten Besprechungen von Kerns Düften hinreissen. In einer Welt der industriell hergestellten, seriellen Parfüms, die weitgehend auf der Basis synthetischer Stoffe beruhen, treffen Kerns Düfte eine Nische. Wobei Qualität und Handwerk nur die Basis sind; das eigentliche Erfolgsgeheimnis aber liegt in Kerns künstlerischer Vision. Sie komponiert Düfte, wie sie ihr Leben komponiert hat: mit offenen Geist, Mut zum Unkonventionellen und Leidenschaft. Vor allem Leidenschaft.

Die Küche als Labor

Schliesslich ist ein Parfüm so etwas wie ein unsichtbares Kleid, das eine Frau trägt. Mehr noch, weil ein Parfüm auf jeder Haut anders riecht, verbindet es sich mit der Persönlichkeit der Trägerin, die ihm sozusagen ihren Stempel aufdrückt. Wer also etwa «Kiki» trägt, einen Lavendelduft, der «von pudrigen und frivolen Moschusund Caramelnoten umtänzelt wird», inszeniert sein ganz persönliches olfaktorisches Variété. Denn Kerns Parfüms sind kleine Gesamtkunstwerke. Trotzdem kreiert Vero Kern ihre Düfte noch immer in ihrer Küche, die rund 300 hochwertigen Essenzen bewahrt sie im Sous-sol ihres Wohnhauses auf, der ihr zugleich als Showroom dient. Mit siebzig ist sie ein Muster von jugendlichem Elan, Neugierde und Aufgeschlossenheit. «Ein offener Geist ist wichtig, um Parfüms zu kreieren», sagt die Lebenskünstlerin. Verwertet werden nur die edelsten Grundsubstanzen, hergestellt werden sie nach traditionellem Verfahren in kleinen Betrieben in der Schweiz und in Italien.

Von der Komposition des Dufts über die Etikette bis zur Verpackung trägt das Label Vero Profumo Kerns Handschrift. Wobei sie besonders Wert auf Details legt; so werden ihre Düfte nur in Flacons mit ganz durchgefärbtem Glas abgefüllt, nicht in solche mit nur gefärbter Oberfläche. Mit ihrer Leidenschaft hat sie Vero Profumo als Marke etabliert, die für ein authentisches Produkt steht, hergestellt in kleiner Auflage, das ganz einfach Schönheit kultivieren möchte.

Gerüche bestimmen das ganze Gedächtnis

Ihre Düfte, drei umfasst die Kollektion mittlerweile, sind erotisch, überraschend, berauschend. «Ein guter Duft muss etwas Dreckiges haben», sagt sie. Um genau die Mischung zu finden, die sie will, braucht es Arbeit. Riechen, bewerten, mischen, reifen lassen, wieder riechen. Neu ausprobieren. «Mein gesamtes Gedächtnis funktioniert über Gerüche», sagt Kern. «Ich kann etwas riechen und es mir einprägen.» Eine Fähigkeit, die ebenso entscheidend ist wie Geduld und Beharrlichkeit. Denn schliesslich geht es darum, eine künstlerische Idee mit lebendigem Material zu verwirklichen: Düfte reifen und verändern sich. Vero Kerns Arbeit der Kelterung. Ein Vergleich, der auch in einer ganz anderen Hinsicht zutrifft. Die Arbeit ist auch Kerns Passion. «Parfüms sind meine Droge», sagt sie. Das riecht man.

Vero Kern Grebelackerstrasse 7, 8057 Zürich 044 363 61 07 www.veroprofumo.com

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.12.2010, 08:57 Uhr


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