Für Wanderer ist die Kuh gefährlicher als der Bär

Vom Auerhahn bis zur Mutterkuh: Dem Menschen kann auch von harmlos scheinenden Tieren Gefahr erwachsen. Beachtet er aber die wichtigsten Verhaltensregeln, lassen sich Angriffe praktisch ausschliessen.

Der Bär hat Angst vor dem Menschen, die Kuh nicht: Kürzlich kam es wieder zu Angriffen von Mutterkühen auf Wanderer. (Archivbild: Tages-Anzeiger)

Der Bär hat Angst vor dem Menschen, die Kuh nicht: Kürzlich kam es wieder zu Angriffen von Mutterkühen auf Wanderer. (Archivbild: Tages-Anzeiger)

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Im Juli ist es auf einer Walliser Alp sowie im Kanton Solothurn zu zwei Mutterkuh-Attacken gekommen, bei denen sich jeweils eine Person erheblich Verletzungen zugezogen hat. Bekannt ist das Aggressionspotenzial von Mutterkühen, wenn diese sich bedroht fühlen. Weil einerseits immer mehr Mutterkühe gehalten und andererseits die Zahl der Wanderer und Biker stetig zunimmt, kommen sich Mensch und Kuh immer häufiger ins Gehege. Dass trotzdem kein markanter Anstieg bei den Angriffen zu verzeichnen ist, wertet Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung und Landwirtschaft (BUL) als Zeichen dafür, dass die «Prävention greift». Zu den zwei jüngsten Angriffen kommen drei Attacken mit Verletzungsfolge aus dem vergangenen Jahr. Die Zwischenfälle werden zusammen mit dem Verein Mutterkuh Schweiz, den Schweizer Wanderwegen sowie dem Bauernverband ausgewertet, so Feldmann.

Mit einer Checkliste für Rindviehhalter und Wanderwegverantwortliche sowie Warntafeln und Merkblättern für Wanderer versucht die Beratungsstelle die Gefährdung durch Rindvieh zu verringern. Die wichtigsten Verhaltensregeln für die Wanderer lauten: Distanz halten, Kälber nicht berühren, Hunde an der Leine führen. Bei Befolgen dieser Regeln lässt sich gemäss Feldmann ein Angriff praktisch ausschliessen.

Scheue Jäger

Wenig zu befürchten haben Wanderer entgegen der weitverbreiteten Meinung vor den gemeinhin als gefährlich geltenden Wildtieren, die in der Schweiz vorkommen – dem Braunbären, dem Wolf und dem Luchs. Sie alle fürchten sich vor dem Menschen, wie Philippe Steiner vom Westschweizer Sekretariat von Pro Natura auf Anfrage sagte.

Wie sich allerdings im Fall des Jungbären «JJ3» gezeigt hat, können die Tiere bei ihrer Nahrungssuche in bewohnte Gebiete vorstossen, ihre natürliche Scheu überwinden und zu «Problembären» werden. Das «Konzept Bär» des Bundes sieht in diesem Fall den Abschuss vor.

Bei der Begegnung mit einem Bären sollte der Wanderer ruhig an Ort und Stelle verweilen und nicht auf das Tier zugehen. Kommt es zu einem Angriff, sollte man sich regungslos auf den Bauch legen und den Kopf mit den Händen schützen.

Flucht kein Mittel

Philippe Steiner warnt im unwahrscheinlichen Fall einer Bärenattacke davor, das Heil in der Flucht zu suchen, da der Bär viel schneller läuft als der Mensch. Ein Baum ist ausserdem kein geeigneter Zufluchtsort – Bären sind vorzügliche Kletterer.

Zurzeit hält sich mit dem zweieinhalbjährigen Männchen M13 ein Braunbär in der Schweiz auf. Er war erstmals am Ostersamstag im Unterengadin aufgetaucht und wurde kürzlich im Schweizer Nationalpark beobachtet.

Keinerlei Gefahr für die Wanderer stellt der Wolf dar. Attacken auf Menschen seien nur in Rudeln möglich, sagte Steiner. Wolfsrudel wurden bisher in der Schweiz noch nicht beobachtet. Praktisch ausgeschlossen werden die Begegnung mit einem Luchs – zumindest bei Tageslicht.

Biber gegen Hund

In Ruhe gelassen werden will das scheinbar harmlos erscheinende Auerhuhn. Der seltene Hühnervogel fühlt sich gemäss Steiner durch die Anwesenheit des Menschen gestresst – eine Attacke mit dem scharfen Schnabel kann die Folge sein. Der Vogel hält sich gerne in Waldlichtungen auf und kann mit etwas Glück im Waadtländer Jura sowie beim Chasseral (BE) beobachtet werden.

Vor dem Biber muss sich zwar nicht der Mensch, dafür aber dessen bester Freund in Acht nehmen. «Wird der Biber von einem Hund attackiert, weiss er sich zu verteidigen», so Philippe Steiner. Pro Natura empfiehlt, Hunde an Flüssen mit Biberbestand an der Leine zu führen.

Obwohl friedfertig und anmutig wirkend, kann der Schwan durchaus aggressiv auftreten. Mit einem Flügelschlag ist er imstande, einen Armbruch zu verursachen. Besonders Kinder sollten sich Schwänen nicht übermässig nähern.

(mw/sda)

(Erstellt: 28.07.2012, 00:14 Uhr)

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