So überstehen Bello und Co. den 1. August
Von Juliane Lutz. Aktualisiert am 27.07.2009 8 Kommentare
Info-Box
Notfalls desensibilisieren
Gerät der Hund durch den Radau am 1.August sehr in Panik oder werden aus Versehen in seiner Nähe Kracher gezündet, ist eventuell ein Gang zum Tierarzt nötig. Wenn die Knallerei den Vierbeiner dermassen aus dem Konzept bringt, sodass er auf Geräusche nur noch verstört reagiert, raten Experten zur Desensibilisierung. Nach der Unterweisung durch einen Tierarzt, der sich auf Verhaltenstherapie spezialisiert hat, spielt der Hundebesitzer daheim eine spezielle CD mit Lärm ab. Anfangs so leise, dass das Tier noch keine Reaktion zeigt. Gleichzeitig spielt er mit dem Hund oder gibt ihm etwas zu fressen. Danach wird der Ton kontinuierlich lauter gestellt. Wochen später hat sich der Hund so an den Geräuschpegel gewöhnt, dass er ihn nicht mehr stört.
Am Nationalfeiertag pfeift und knallt es wieder überall. Ohne begleitendes Feuerwerk und ohrenbetäubendes Böllerkrachen wäre der 1.August auch nur halb so schön. Doch was dem Menschen Freude bereitet, kann für Haustiere die Hölle bedeuten. Vor allem für Hunde, denn ihr Gehör ist fünf Mal feiner als das ihrer Besitzer. Deshalb sollten Vorkehrungen getroffen werden, damit es Bello auch am Folgetag noch gut geht. «Wer kann, verlässt mit dem Vierbeiner am Feiertag das Land», lautet der Rat von Verhaltenstierärztin Isabelle Hengrave Burri aus Bern.
Dem Hund Schutz bieten
Wer hier bleibt, ist gut beraten, mit dem Hund nochmals Gassi zu gehen, bevor das Spektakel beginnt. «An der Leine, sonst kann es vorkommen, dass er bei verfrüht gezündeten Krachern Reissaus nimmt und nicht mehr zurückkommt», empfiehlt Hengrave Burri. Wieder zu Hause, fühlt sich der beste Freund des Menschen am wohlsten in einem Zimmer mit geschlossenen Fensterläden, sodass der Lärm nicht hereindringt. Leise klassische Musik beruhigt das Tier und übertönt das Getöse draussen. «Man kann das Kissen im Hundekorb auch mit Lavendelöl beträufeln. Das beruhigt zusätzlich», sagt die Veterinärin, die das ganze Procedere auch bei starken Gewittern empfiehlt.
Zeigt der Vierbeiner dennoch Angstsymptome wie Hecheln und Zittern, sollte man eines nicht tun: ihn bemitleiden. «Das bestärkt nur die Panik», weiss Tierarzt Jean Pfister aus Lausanne und Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin. Selbst wenn einem der tierische Liebling noch so leid tut, sollte sich der Halter so natürlich wie möglich verhalten. Körperkontakt sollte er nur zulassen, wenn er sieht, dass es den Hund beruhigt. «Oft hilft es, wenn man ihm ein eng anliegendes T-Shirt überzieht. Dadurch fühlt er sich auch schon sicherer», so Pfister.
Wer weiss, dass der Pudel oder der Entlebucher Sennenhund nervös veranlagt sind, kann sich vorab beim Tierarzt Pheromone besorgen. «Diese körpereigenen Stoffe verändern die emotionale Stimmung des Tieres und somit sein Verhalten», sagt der Lausanner Tierarzt. Es gibt sie als Spray oder als Diffuser. In dieser Form verdampfen die Pheromone und verbreiten sich im Raum. Tierhalter, die auf Naturheilkunde setzen, können auch Bachblüten versuchen. Welche Essenzen die richtigen für den jeweiligen Hund sind, wissen Tierärzte, die sich auf Homöopathie spezialisiert haben.
Bei heftiger Angst, man erkennt sie am starken Zittern und Speichelfluss, raten Veterinäre zu Anxiolytika. Allerdings nur bei gesunden Hunden. Die dem Valium ähnlichen angstlösenden Arzneien sollten Hunde eine Stunde vor Beginn des Feuerwerks gegeben werden. «Dadurch werden sie beruhigt und vergessen, dass sie vor dem Lärm eigentlich Angst haben», sagt Isabelle Hengrave Burri. Doch dürfen Anxiolytika dabei nicht zur Dauertherapie werden und höchstens zwei oder drei Mal verabreicht werden. «Die Dosis ist von Hund zu Hund unterschiedlich und muss vorher mit dem Tierarzt besprochen werden», warnt Pfister.
Auch Katzen hassen Lärm
An Katzen geht der Feiertagsrummel ebenfalls nicht spurlos vorüber. «Sie sind auch lärmempfindlich. Doch das vergisst man oft, da sie sich in solchen Situationen meist verstecken», sagt Hengrave Burri. Ihr Tipp: Sie auf jeden Fall in Wohnung oder Haus holen. Sonst laufen sie womöglich in Panik auf die Strasse und in ein Auto. Hat sich das Büsi schon im Keller oder in einer Ecke versteckt, sollte der Mensch es dort in Ruhe lassen. Ansonsten schätzen auch Katzen ein abgedunkeltes und lärmgeschütztes Zimmer. Bei deutlichen Angstzeichen können sie mit den gleichen Medikamenten wie Hunde behandelt werden.
An Nager und Vögel denken
Wer Meersäuli, Hamster oder Kaninchen hat, dem rät Pfister, sie in einen Raum zu bringen, in den der Lärm von draussen nur gedämmt eindringt. Und die Käfige abzudecken, sodass die Kleintiere nicht durch Lichtblitze irritiert werden. Auch Vögeln sollte man am Abend des 1.Augusts Lärm- und Sichtschutz geben. Und geht es dem Tier gut, freut sich bekanntlich auch der Mensch. (Berner Zeitung)
Erstellt: 27.07.2009, 13:26 Uhr
Kommentar schreiben
8 Kommentare
Nicht nur Hunde sind Opfer sondern auch Katzen, Kaninchen usw. Dass es an verschiedenen Orten Feuerwerke gibt finde ich super. Aber wieso muss jedes Kind irgendwelche Knallkörper haben. Ich noch nicht 20 und hatte das als Kind auch nie. Überlebt hab ich es ja auch! Und diese Knallkörper sind ganz klar das grössere übel da si vom 25.7 bis 5.8 durchgehend, meist sogar in Tier-nähe, gezündet werden! Antworten
Leben
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.








