An Bord der A380: Das Protokoll des Flugs
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 29.03.2010 6 Kommentare
0.40 Uhr: Der Flug ist vorüber. Es ist früher Morgen in Singapur. Müde stehen die Passagiere am Gepäckband im Terminal 3. Nach einer speditiven Passkontrolle schiebt sich der Reporter einen Kaugummi in den Mund und tritt in den tropischen Morgen hinaus.
0.06 Uhr: Der A380 rollt zum Gate. Noch schläft Singapur tief und fest. Die Scheiben des Flugzeugs sind beschlagen. 27 Grad werden die Passagiere überwältigen, wenn sich gleich die Türen öffnen. Und dabei ist es 6 Uhr am Morgen.
23.56 Uhr: Der A380 ist gelandet. Das Aufsetzen war etwas weniger sanft als der Start und der Flug, bei dem ausser zwei Phasen mit Turbulenzen kaum was zu spüren war.
23.39 Uhr: Nur noch 200 Meilen bis zum Ziel. Unser A380 fliegt an der Ostküste Malaysias entlang. Der Sinkflug hat begonnen. Die Landung ist für 5.56 Uhr (MESZ 23.56 Uhr) geplant. In der Kabine herrscht reges treiben. Das Morgenessen ist abgeräumt. Die Passagiere gehen ein letztes Mal zur Toilette. Bald wird der erste A380-Flug von Zürich nach Singapur Geschichte sein und nur noch die Gedenkmedaille, die sämtliche Passagiere erhalten haben und die Fotos werden an diesen Flug erinnern. Uns erwarten 27 Grad in Singapur.
22.38 Uhr: Die Luft in der Kabine ist vom Duft von Aufwach-Gipfeli erfüllt: Morgenessen. Daheim ist es spät am Abend, am Zielort noch Nacht. Die Passagiere, die am Kaffee nippen, wirken etwas zerknittert, die Crew nicht. Bereits ist der Indische Ozean Vergangenheit. Unser A380 passiert den Süden Thailands. Nur noch 1120 km bis zum Ziel.
21.52 Uhr: Für mich ist es ein Privileg in der Business-Class zu reisen. Ob wohl auch die Mitreisenden weiter hinten so höflich bedient werden? Die Crew der SQ345 hat ein Lob verdient. Sie vermittelt das Gefühl ein Gast zu sein und nicht ein Problem. Weit weg sind Aufdringlichkeit und die stetigen Bevormundungen, denen man bei allzu vielen westlichen Airlines schutzlos ausgeliefert ist. Der A380 überquert den Indischen Ozean. Von der aufgeregten Stimmung ist nichts mehr zu spüren. Alle schlafen sie. Auch der Schnarcher auf dem Vordersitz.
20.30 Uhr: Jetzt in der Nacht wird auch klar, warum die Business-Sitze der Singapore Airlines so breit sein müssen. Könnte man die vollen 90 Zentimeter Breite des heruntergeklappten Sitzes nicht zum schrägen Liegen ausreizen, wäre schlafen nur mit angewinkelten Beinen möglich. Auch so gilt das Versprechen des horizontalen Bettes nicht für Zeitgenossen, die länger als der Reporter (180cm) sind.
18.50 Uhr: Wenn man unbedingt ein Haar in der Suppe finden will, dann hängt dieses genau vor dem Sitz: Das Bordunterhaltungssystem ist umfangreich, aber zäh und nicht immer intuitiv in der Bedienung. Ärgerliche Darstellungsfehler lassen den Reporter die Bedienung weglegen und zu einem Buch greifen. Von einer Airline, die regelmässig zu den besten der Welt gewählt wird, darf man mehr erwarten. Wenn wir schon beim Kritisieren sind: Die leisen Triebwerke bringen auch Nachteile. In anderen Flugzeugen ist das Schnarchen des Herrn auf dem Vordersitz nicht in dieser Deutlichkeit zu hören.
17.30 Uhr: Die Nacht bricht über Turkmenistan und das Flugzeug herein. Die Türen zu den Suiten sind geschlossen, die Sitze in der Business-Class zum Bett heruntergeklappt und die Passagiere der Economy haben die Schlafmasken aufgelegt. Ein Crew-Mitglied kommt frisch erholt aus einer kleinen Kammer hinter dem Cockpit. Auf der Strecke nach New York, die mit zwanzig Stunden zu einer der längsten gehört, wechseln sich jeweils zwei Besatzungen ab.
16.40 Uhr: Mit an Bord ist auch Bruno Nägeli, der als erster Mensch in weniger als 48 Stunden mit Linienflügen die Welt umrunden will. Auf Komfort verzichtet er nicht: Gemeinsam mit seiner Freundin reist er in einer First-Class-Suite mit Kingsize-Bett und Tür. Die Verspätung von 40 Minuten bereitet ihm keine Sorgen: «Das ist sogar gut, weil die 48 Stunden später angefangen haben.» Von Singapur aus wird der 47-Jährige nach New York fliegen, von wo er einen Flug nach Zürich nehmen wird.
14.45 Uhr: Gerade räumen die Flight Attendants das Geschirr ab. Sie sind sehr schön, immer höflich und adrett gekleidet. Sie sind ausnahmslos elegant. Die Perfektion des Services lässt kaum Wünsche der Passagiere offen. Von den Frisuren über den Nagellack bis zu den Armbanduhren - die Erscheinung der Flight Attendants ist bis ins Detail geregelt.
13.30 Uhr: Auf 10'690 Metern über Meer fliegen wir dem Morgenland entgegen, in dem gerade die Nacht heranbricht. In zirka elf Stunden werden wir mit dem Riesenvogel Singapur erreicht haben. Wir werden mit einem Sonnenaufgang begrüsst. Von den unwirtlichen Wetterbedingungen, die jetzt gerade herrschen, spüren wir nichts. Draussen ist es minus 57 Grad, und es tobt ein Wind mit Tempo 122. Es ist erstaunlich, wie ruhig der A380 fliegt. Auch von den 80 Meter langen Flügeln, die sich heftig rauf und runter bewegen, merken wir kaum etwas. Die riesigen Triebwerke schnurren fast schon. Der Flug mit dem A380 ist ein echtes Erlebnis.
12.43 Uhr: Herrlich, dieses Gefühl vom Riesenvogel aus auf die Schweiz zu spähen. Ich geniesse nun erst mal den Flug. Die Updates werden von mir ab jetzt in etwas grösseren Abständen kommen. Das Handy ist abgeschaltet, nun berichte ich per Satellitentelefon.
12.41 Uhr: Wir sind in der Luft. Mit Verspätung ist der A380 in Zürich gestartet. Fast unmerklich hat die Riesenmaschine abgehoben. Erster Eindruck: Der Start ist eindeutig sanfter als bei Konkurrenzmodellen.
12.38 Uhr: Der Pilot lockert die Bremsen und gibt Schub. Kein lautes Gebrüll der Motoren, sondern eine sonores Brummen dringt in die Kabine. Wir heben jetzt ab.
12.33 Uhr: Jetzt fahren wir zum oberen Ende der Piste 16. Auch hier stehen Planespotter, die auf den Absperrzaun hochgeklettert sind. Dass wir bereits über eine halbe Stunde Verspätung haben, stört bei diesem ersten regulären Flug ab Zürich niemanden.
12.28 Uhr: Die Verspätung von der Landung her kann Flug SQ 345 beim Start nicht wettmachen. Alles ist bereit, doch wir starten noch immer nicht.
12.18 Uhr: Die Türen sind zu, die Gangways weggezogen. Es geht los! Aus dem Fenster sehe ich auf die Besucherterrasse des Dock E mit den winkenden Kindern und den Planespottern mit ihren grossen Objektiven. Nun würde ich gerne die Beine hochlagern und den Willkommensdrink geniessen. Doch es heisst: Rückenlehne senkrecht und Tisch hochklappen.
12.15 Uhr: Noch immer stehen wir am Gate.
12.06 Uhr: Flug SQ 345 der Singapore Airlines - oder US 5414, LX 4310 und LO 4035 wie ihn die Codeshare-Partner United, Swiss und LOT nennen, ist startklar. Eine grosse Menschenmenge steht auf dem Rollfeld bei Gate E67 und sagt dem A380 Adieu.
12.00 Uhr:Jetzt sollte der Riesenvogel eigentlich abheben. Verspätung zeichnet sich ab.
11.50 Uhr: Da steht er, der Superjumbo der Singapore Airlines. Seine Heckflossen sind riesig, sie lassen diejenigen der daneben parkierten A340-Maschinen der Swiss so winzig wie das Leitwerk eines Regionalflugzeugs erscheinen. Herzlich begrüsst eine der legendären «Singapur-Girls», eine Stewardess, die Passagiere der A380-Premiere. Jetzt steigen auch noch die Letzten ein. Der erste Eindruck: Die Räume sind sehr gediegen und sehr grosszügig eingerichtet. Eine Frau, die es sich bequem gemacht hat, sagt: «Ich kann nie mehr mit einem anderen Flugzeug reisen.»
11.45 Uhr: Nervös scheinen nicht nur die Passagiere und die Bordcrew zu sein. Das Handgepäck des Reporters will die Flughafenpolizei nach dreimaligem Scannen noch von Hand durchsuchen. Es sei schliesslich nicht üblich, «dass jemand ein halbes Büro mitnimmt», sagt der Flughafenpolizist.
11.30 Uhr: Selbst die Dame, welche die Bordkarten zu kontrollieren hat, scheint die Passagiere von SQ345 zu beneiden. «Wow», meint sie, als der Reporter sein Ticket zeigt. Es ist lange her, dass mir eine Flughafenmitarbeiterin so fröhlich «guten Flug» gewünscht hat.
11.00 Uhr: Ein sehr kleines Flugzeug ist unbestrittener Star auf dem Flughafen Zürich - zumindest in jenem Teil, der ohne Bordkarte zugänglich ist: Ein gut zwei Meter grosses Modell eines A380 im Steigflug, das vor der Kontrolle steht, liefert den Singapur-Passagieren einen Vorgeschmack auf den anstehenden Flug und vielen Reisenden ein gutes Sujet. Das rund 40 mal grössere Original steht draussen beim Dock E und ist von hier aus nicht zu sehen - ganz zum Leidwesen eines kleinen Jungen, der seine Mutter von einem Ausflug auf die Besucherterrasse zu überzeugen versucht.
10.30 Uhr: So viel Check-in war nie am Flughafen Zürich: Weil für die Abfertigung der 471 Passagiere elf Schalter (Boeing 777: 7) gebraucht werden, belegt Singapore gleich eine ganze Reihe beim Check-in 2. Transparente zeigen an, wo sich die Fluggäste einreihen müssen, die ein Stück Schweizer Aviatikgeschichte miterleben.
10.20 Uhr: Etwas Nervosität herrscht beim Bodenpersonal: Mit einem solchen Andrang hatten wir noch nie zu tun, sagt eine Mitarbeiterin. Natürlich seien sie und ihre Kollegen etwas aufgeregt - entspannen könne sie erst, wenn der A380 dann in der Luft ist.
07.25 Uhr: Der Superjumbo der Singapore Airlines setzt um 07.25 Uhr mit einer knappen halben Stunde Verspätung in Kloten auf Piste 34 auf. Gegen 400 Personen waren im Riesenvogel von Singapur nach Zürich geflogen. Kurz nach der Landung wurde der Airbus von Dutzenden schaulustigen Journalisten in Beschlag genommen.
Der Flugplan
Vom Boarding bis zur Landung - Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet laufend aus der Kabine des Airbus A380 nach Singapur. Der Take-off ist für 12.00 Uhr geplant, die Landung auf dem Singapore Changi Airport für 6.05 Uhr Ortszeit (23 Uhr MEZ). (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.03.2010, 08:38 Uhr
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6 Kommentare
Etwas Alltaegliches wird zum Ereignis emporstilisiert. Was interessiert die Tatsache, dass das Essen weggeraeumt wird? Welcher Schweizer ist noch nie geflogen? Aus jedem Satz trieft hier Langeweile, Mief und biederes Spiessertum. Ein Blick in die Erstklass-Suite - ein muedes Gaehnen. Ein Spinner, der die Welt umrundet - wie merkwuerdig! Das legendaere Singapore-Girl - das war 1960 mal. Antworten
Sehr schöne Beschreibung des 1. Flugs des A380. Da wäre man doch auch gerne dabei gewesen. Hoffe, nur dass der Reporter in Singapur nicht gleich verhaftet und in den nächsten (wahrscheinlich nicht so angenehmen) Flug zurück nach Zürich gesetzt wurde. Kaugummi ist in Singapur verboten. :-) Antworten
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