Auf sanfter Safari im Reich der Massai
Von Daniela Decurtins. Aktualisiert am 19.01.2012 3 Kommentare
Der ostafrikanische Staat Kenia. (Bild: TA-Grafik mt)
Tipps und Informationen
Mit knapp 580'000 Quadratkilometern ist Kenia etwa so gross wie Frankreich. Das Land grenzt im Norden an Äthiopien und den Sudan, im Osten an Somalia sowie im Westen an Tansania und Uganda. Von den rund
38 Millionen Einwohnern leben 75 Prozent im Agrargürtel, der sich im Nordwesten von Nairobi zur ugandischen Grenze erstreckt.
Reisezeit und Klima: Kenia kann man ganzjährig bereisen. An der Küste herrscht subtropisches Klima mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, im Landesinnern ist es gemässigter. Kurze, heftige Gewitter am Nachmittag sind typisch für die beiden Regenzeiten, die von März bis Mai beziehungsweise von November bis Dezember dauern. Dazwischen liegen zwei lange Trockenzeiten.
Anreise: Swiss fliegt von Zürich bis zu sechsmal wöchentlich nach Nairobi, Kenias Hauptstadt. Edelweiss Air verbindet im Winterhalbjahr jeden Sonntag Zürich mit Mombasa. Zudem kann man mit Air Berlin (via München), Condor (via Frankfurt), Emirates (via Dubai) oder KLM (via Amsterdam) nach Kenia gelangen. In Kenia selber ist Fliegen eine gute Alternative zu weiten Fahrten über holprige, staubige Strassen. Es existieren über 500 Flugfelder.
Safari: Die meisten Kenia-Reisenden kommen wegen der Tiere, die man hier in der freien Wildbahn beobachten kann. Gruppensafaris mit preiswerten Zeltcamps kosten nur einen Bruchteil dessen, was man für eine Safari mit Flugtransfer und exklusiven «Hotel im Busch»-Lodges oder kleineren Buschcamps zahlt. Safaris kann man über Anbieter vor Ort oder in einem Reisebüro zu Hause buchen. Internationale Reiseveranstalter haben den Vorteil, dass die Planung der Reiseroute einfacher ist, die Gesamtpakete mit Flug der Veranstalter meist günstiger sind, als wenn man alles einzeln bucht. Unfälle durch Angriffe von Wildtieren sind selten, aber man sollte stets vorsichtig bleiben und etwa das Fahrzeug nur in ausgewiesenen Gebieten verlassen. (dan)
Weitere Infos: www.magicalkenya.com
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Die drei jungen Männer lächeln gequält. Ihre Mienen sind starr, die Augen weit offen. Eingepackt in Decken, verfolgen sie wortlos das Schauspiel, das sich 50 Meter vor ihren Augen abspielt. 40 Massai-Krieger der Il Ngwesi tanzen, singen und hüpfen. Es ist eine Art Konkurrenzkampf. Sie treten in Gruppen gegeneinander an und versuchen, sich mit der Höhe ihrer Sprünge gegenseitig zu übertrumpfen. Pausenlos, unermüdlich, geschmeidig, ekstatisch. Die Sonne brennt vom Himmel. Am Mittag hat das Ritual begonnen, es wird bis weit nach Mitternacht dauern. Der Grund dafür: Das Dorf feiert mit diesem Fest die Beschneidung dreier Männer, die gerade 18 Jahre alt geworden sind.
«Erst die Beschneidung macht die Knaben zu Männern», erklärt Peterson Kiperus Namsungu. Der stolze Mann ist Massai, Krieger und Tour-Guide in einer Person. Routiniert macht er Touristen mit der Massai-Kultur vertraut, zeigt auf einem Parcours, wie seine Urahnen schon vor Jahrhunderten Feuer machten und Honig gewannen. Aber er weiss auch, wie sein Volk Esel als Antilopen tarnte und geschickt dazu nutzte, Löwen zu jagen. «Heute machen wir es nicht mehr so. Heute leben wir davon, dass wir unsere Kultur und Umwelt bewahren. Die Touristen zahlen uns dafür viel Geld», schmunzelt Peterson.
Kratzgeräusche unter dem Bett
Die Il Ngwesi haben im Norden des Landes, im Laikipia-Hochland am Fusse des Mount Kenia , ein aussergewöhnliches Geschäftsmodell entwickelt. Die Ranch – ein 36-Mann-Unternehmen auf einer Fläche von 145 Quadratkilometern – wird seit 1996 von den Massai geführt und gehört ihnen auch. Die Einnahmen aus der Lodge mit sechs Hütten und dem Angebot an geführten Buschwanderungen, Safaris im Jeep oder Kamelreiten fliessen in die Dorfkasse. Mit dem Geld werden Schulen gebaut und die medizinische Versorgung finanziert. Schützenhilfe erhalten sie dabei von einem Weissen namens Ian Craig.
Der Sohn britischer Einwanderer hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Ökosystem im Norden Kenias in der Region von Lewa zu retten. Er stiess mit seiner Idee bei den Älteren des Dorfes zunächst auf Ablehnung. «Wir fürchteten, er wolle uns das Land wegnehmen und in einen Nationalpark umwandeln», erinnert sich James Sariku Kingyaga, der Senior Tour-Guide. Schliesslich schaffte es Craig, die Weltbank und die Kenia Wildlife Services ins Boot zu holen und die Dorfältesten zu überzeugen.
James ist auf das Erreichte stolz. Er geniesst es, wenn die Gäste begeistert von der Weite, den Tieren oder frühmorgendlichen Wanderungen schwärmen, auf denen er die Tierspuren für sie deutet und sie an Elefantenherden heranführt, ohne Gefährdung für Mensch oder Tier. Afrika ist hier das sinnliche Erlebnis, von dem man seit Tania Blixens «Out of Africa» immer geträumt hat. Mit ein bisschen Glück laufen Besuchern auf den Touren die «Big Five» vor die Kameras: Elefanten, Löwen, Leoparden, Büffel und Nashörner. Nur schon die Geräuschkulisse ist wie geschaffen für einen Hollywoodfilm: Nachts lauscht man beunruhigt dem fernen Schreien der Löwen oder rätselt über die leisen Kratzgeräusch unter dem Bett und versucht sich besser nicht vorzustellen, welches Tier sich gerade in die offene Hütte verirrt hat.
Der funkelnde Sternenhimmel Afrikas, flackernde Lagerfeuer, die Geräusche kreischender Affen und grummelnder Elefanten können schon sehr romantisch sein. Diesen Gedanken mag auch Grossbritanniens Grosserbe, Prinz William, im Kopf herumgegeistert sein, als er seiner künftigen Prinzessin Kate nahe des Mount Kenia den Heiratsantrag machte. Wer allerdings auf den Spuren des berühmten Liebespaares wandeln will, sollte gut bei Kasse sein: Die Tagesmiete für die Rotundu-Blockhütten in der Lewa Wildlife Conservancy, wo Kate ihr «Ja» gehaucht haben soll, beträgt 460 US-Dollar.
Strom aus Sonnenenergie
Die Idee, mit Ökotourismus Reisende ins Land zu locken und dabei einen schonenden Umgang mit der Umwelt zu praktizieren, hat Nachahmer gefunden. Ökolodges in den Parks zeichnen sich üblicherweise dadurch aus, dass Strom aus Solar- oder auch Windenergie erzeugt wird und nur zu bestimmten Zeiten verfügbar ist, lokale Materialen für den Bau der Hotelanlagen verwendet werden und die ansässige Bevölkerung in den Betrieb einbezogen ist.
Öko heisst aber nicht, dass damit grosse Entbehrungen verbunden wären, im Gegenteil. Es erinnert eher an Luxuscamping für verwöhnte Städter, die das Natur-pur-Erlebnis suchen und dabei die Annehmlichkeiten städtischen Lebens nicht missen möchten. Die Bäder sind in der Il-Ngwesi-Lodge zwar offen, die Duschen ebenso und aus Stein gemauert, aber selbst an Ablageflächen für die Duschcreme wurde gedacht, und an warmem Wasser fehlt es nicht.
In der Ol Tukai Lodge im Amboseli- Park hat jeder Gast seine eigene, luxuriöse Hütte. Zwei Chalets sind behindertengerecht gebaut, nach «EU-Standards», wie die Marketingchefin des Hotels erklärt. Vom Korbstuhl vor der Hütte aus oder aus dem Liegestuhl am Swimmingpool kann man bequem in der Weite Elefanten beobachten, während im Hintergrund der Kilimanjaro thront, der höchste Berg Afrikas, mit seiner Schneekuppe.
Angst vor den Wahlen
Im Einklang mit dem Trend zum luxuriösen Ökotourismus haben die Probleme mit Wilderern in Kenia abgenommen. Den Einwohnern ist klar geworden, dass die Tiere lebend mehr Geld einbringen als tot. Doch nach wie vor fliesst viel Geld ins Ausland ab. Die Ol Tukai Lodge ist in kenianischem und indischem Besitz. Und an der Südküste rund um Mombasa gehören die Hotels vor allem Italienern. Eine der Ausnahmen ist das vor zwei Jahren eröffnete Lantana Galu Beach Hotel an der Küste südlich von Mombasa.
Es geht Kenias Tourismusindustrie wieder besser, vergessen ist der Anschlag von 2002, als Al-Qaida-Terroristen ein israelisches Hotel in die Luft sprengten. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Besucher wieder an, und Kenia galt als seltenes Beispiel dafür, dass Aufschwung auch in Afrika möglich ist. Aber die politische Lage des Landes bleibt instabil: Seit den Gewaltexzessen nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen Ende Dezember 2007, als bei ethnisch motivierten Auseinandersetzungen mindestens 700 Menschen ums Leben kamen und 250'000 Menschen flüchten mussten, ist es um Kenia nicht mehr ruhig geworden. Die Bilder von Macheten schwingenden Schwarzen, brennenden Kirchen und Leichen auf den Strassen bleiben im Gedächtnis haften.
Meldungen von Anschlägen auf Touristensafaris wie kürzlich, als eine Schweizerin schwer verletzt wurde, schrecken potenzielle Reisende ab. Und in diesem Jahr stehen wieder Wahlen an, weshalb die Kenianer wortkarg werden, wenn man sie auf das Thema anspricht. Der Tourismus war in den letzten Jahren zum mit Abstand wichtigsten Devisenbringer geworden. Entsprechend hängen viele Arbeitsplätze an diesem Geschäft. Sicherheit ist denn auch ein Thema für die Veranstalter. In Il Ngwesi bewachen acht Sicherheitsleute die Touristen, fünf davon sind mit halbautomatischen Waffen ausgerüstet. «Sicherheit ist für uns der wichtigste Faktor überhaupt», sagt James.
Die Reise wurde ermöglicht vom Kenia Tourist Board.
Diese Initiativen dienen dem Schutz der Tiere und der Umwelt:
- Colobus Trust: Die nur an der Südküste Kenias wild lebenden Colobus-Affen werden von Zivilisation und Tourismus bedrängt. Die putzigen Äffchen mit den adrett gefärbten schwarz-grauen Gesichtchen kommen beim Überqueren der Strassen um, verbrennen sich an den Stromleitungen oder geraten in Fallen. Eine Stiftung südlich von Mombasa hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Affen und ihre waldreichen Lebensräume im Süden zu schützen und mit Hilfsprogrammen zu fördern. Dazu gehört die Errichtung von Leitern, die über die Strassen führen, die Isolation von Stromleitungen sowie eine Klinik mit OP-Einrichtungen. Das Projekt umfasst überdies eine Baumschule. Esther Msagha, die Zuständige für Ökotouren und Marketing, sensibilisiert die Kinder in den Schulen und informiert Touristen vor Ort über den Schutz der Äffchen.
- Giraffe Centre: Im Giraffen-Center von Nairobi kann man dank einer Plattform Giraffen auf Augenhöhe begegnen, sie füttern und streicheln. Die älteste ist Daisy; sie ist 6 Meter hoch. Sie gehört zu den seltenen Exemplaren der Rothschild-Giraffen, die hier vor dem Aussterben bewahrt werden. Als das Center in den 70er-Jahren von einem amerikanischen Ehepaar gegründet wurde, lebten nur zwei der stolzen Tiere auf dem Areal. Inzwischen sind Dutzende grossgezogen und ausgewildert worden.
- Daphne Sheldrick’s Orphanage: Eine einmalige Gelegenheit, junge Elefanten und Nashörner aus der Nähe zu beobachten, bietet das Waisenhaus in der Nähe des Nairobi National Park. Daphne Sheldrick, die Frau eines ehemaligen Wildhüters, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, verwaiste Elefanten- und Nashornbabys aufzuziehen. Ihre Elefantenkinder werden nach intensiver Pflege in die Obhut einer im Tsavo-Nationalpark frei lebenden Elefantendame übergeben.
Erstellt: 19.01.2012, 11:30 Uhr
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3 Kommentare
Überall in der dritten Welt fliesst wenig Geld nur kurz durchs Land, die grossen Beträge gehen gleich in die erste Welt wieder zurück. Das wird sich einige Zeit auch nicht ändern. Leider fehlt auch oft bei den Einheimischen die Kenntnis darob, dass sie besser, wo immer möglich einheimische Produkte kaufen würden. Antworten
Die Krux des kenianischen Safari-Tourismus bleibt das Somalia-Problem. Etwa die Hälfte des Staatsgebietes bleibt dem Tourismus verschlossen, da marodierende Banden aus Somalia (und Äthiopien) Touristen gefährden könnten - etliche Schutzgebiet (z.B. Marsabit oder Tana-River-Delta) bleibe deshalb ohne Gäste und wohl auch ohne grossen Schutz. Ohne Stabilisierung in Somalia gibts keine Zukunft. Antworten
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