Ausruhen wie Alexander, baden wie Kleopatra
Von Beat Stähli. Aktualisiert am 13.01.2012 4 Kommentare
(Bild: TA-Grafik mt)
Ferienresorts und Soldatenfriedhöfe
Entlang der Küstenstrasse nach al-Alamein reiht sich Baustelle an Baustelle. Ein Sommerresort nach dem anderen schiesst aus dem Boden; im noblen Porto Marina Resort nahe Alexandria kopierten die Architekten schamlos Venedig. Die zahlreichen Unterkünfte sind einerseits auf wohlhabende Ägypter ausgelegt, die hier ihre Sommerferien verbringen, andererseits auf Badetouristen, die sich zusätzlich für die Soldatenfriedhöfe um al-Alamein interessieren.
Im Zweiten Weltkrieg lieferten sich Grossbritannien mit seinen Verbündeten und die deutsch-italienischen Truppen bei al-Alamein zwei blutige Schlachten. In der ersten im Juli 1942 konnten die Alliierten den Vormarsch der deutsch-italienischen Truppen unter Erwin Rommel vorerst stoppen. In der zweiten Ende Oktober 1942 errangen die Alliierten unter Bernard L. Montgomery einen Sieg und wendeten das Blatt auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz.
Rund um al-Alamein gibt es zahlreiche Gedenkstätten. Auf dem Commonwealth-Friedhof liegen in 7367 Gräbern Opfer aus Grossbritannien, Neuseeland, Australien, Südafrika, Frankreich, Indien und Malaysia beerdigt. Beim Eingang sind Namen von 11'945 Soldaten eingraviert, die verschollen blieben. Mehr als 4200 deutsche Soldaten liegen auf dem deutschen Friedhof begraben. Der italienische Friedhof zählt 4800 Gräber. Auf Tafeln wird darauf hingewiesen, dass rund 38'000 Soldaten als «in der Wüste oder im Meer vermisst» gelten.
Marsa Matrouh
Kuoni fliegt jeden Mittwoch mit Helvetic Airways von Zürich nach Marsa Matrouh. Die Flugzeiten stehen noch nicht fest. Die Destination an der ägyptischen Mittelmeerküste wird von Helvetic Tours exklusiv angeboten.
www.kuoni.ch
www.egypt.travel
Reisezeiten: 11. Juli bis 24. Oktober 2012
Preisbeispiele (inkl. Flug und Transfers):
Marsa Matrouh:
Hotel Carols Beau Rivage (4½ Sterne), Badeort und Ausgangspunkt für Ausflüge nach Siwa oder al-Alamein. 1 Woche Halbpension ab 973 Franken pro Person im Doppelzimmer.
www.carolsbeaurivage.com
Jaz Almaza Beach (4½ Sterne): Die atemberaubende Bucht mit kristallklarem Wasser liegt direkt vor dem Hotel. 1 Woche, all-inclusive, ab 1322 Franken pro Person im Doppelzimmer.
Siwa:
Siwa Shali Resort (4 Sterne). Die Anlage besteht aus zahlreichen einzelnen Appartements und fügt sich geschmackvoll in die Dünenlandschaft ein. www.siwashaliresort.com
Die Reportage über Marsa Matrouh und die Oase Siwa wurde durch Kuoni und das ägyptische Fremdenverkehrsamt ermöglicht.
Artikel zum Thema
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Kleopatra und Marcus Antonius sollen hier gewesen sein, um zu baden. Deshalb heisst der Felsbrocken fünf Kilometer westlich der Stadt Marsa Matrouh «Das Bad der Kleopatra». Die Grotte im seichten Wasser ist über glitschiges Gestein zu Fuss erreichbar. Im Innern lädt eine natürlich entstandene Sitzwanne zum Bade. Dank des Wellengangs wird auf der einen Seite durch ein Felsloch laufend Wasser ins Becken gespült, das auf der anderen Seite wieder ins Meer zurückfliesst.
Der Kleopatra-Strand ist einer von vielen malerischen Orten an Ägyptens Mittelmeerküste im Umkreis der 140'000 Einwohner zählenden Hauptstadt des Bezirks Matrouh. Die Sandstrände tragen Namen wie Lovers Beach, Beau Site Beach, Aguiba Beach, Bagoush Beach oder Alam al-Rom Beach und sind bei Ausländern sehr beliebt. «Im Sommer zählt die Region rund vier Millionen Touristen», sagt Reiseleiter Nabil, der uns zu den schönsten Stellen führt.
Der Strand des Feldmarschalls
Dazu gehört in seinen Augen auch der Stadtstrand mit dem speziellen Namen Rommel Beach, der wegen des flach abfallenden Ufers von Eltern mit kleinen Kindern geschätzt wird. Seinen Namen verdankt der Ort dem deutschen Generalfeldmarschall Erwin Rommel, der Hitlers Truppen im Afrika-Feldzug geführt hat und von den Einheimischen verehrt wird. Im ehemaligen Rommel-Bunker direkt beim Strand hat die Tourismusbehörde ein kleines Museum eingerichtet – vorwiegend mit Stücken, die von Rommels Sohn Manfred, dem früheren Oberbürgermeister von Stuttgart, gestiftet worden sind.
Die meisten Touristen, darunter viele Italiener, kämen nach Marsa Matrouh, um zu baden, sagt Nabil, «für den antiken Tempel interessieren sie sich nicht». Wir dagegen schon. Allerdings dauert es eine Weile, bis Buschauffeur und Reiseführer die richtige Abzweigung finden – signalisiert ist die Anfahrt zum Tempel des Ramses II., etwas ausserhalb Marsa Matrouhs, nicht. Zu sehen gibt es wenig. Von der Tempel- und Befestigungsanlage, die der Pharao (1279 bis 1213 v. Chr.) gegen die Attacken der Libyer erbaut hatte, sind nur einige Gesteinsbrocken und Grundmauern übrig geblieben. Viel für das Auge bietet dagegen der libysche Markt im Stadtzentrum: ein buntes Durcheinander von Kleidern, Taschen, Gewürzen und Lebensmitteln, darunter regionale Spezialitäten wie Minze, Datteln, Oliven und Wassermelonen.
Eine Welt für sich
Dann verlassen wir Marsa Matrouh – und der Kontrast könnte grösser nicht sein als auf dieser Fahrt: Nach der mehrstündigen Busreise über die 300 Kilometer lange Asphaltpiste durch die karge, trockene Wüste breitet sich unvermittelt eine üppige, grüne Landschaft aus: die Oase Siwa. Dattelpalmenwälder, Olivenbäume, sanfte Hügel und Salzseen prägen das Bild. Die westlichste Oase Ägyptens liegt durchschnittlich 17 Meter unter dem Meeresspiegel und erstreckt sich auf einer Fläche von rund 94'000 Quadratkilometern. Rund 17'000 Menschen, die sich in Siwi, einer Berbersprache, verständigen, leben gemäss dem ortsansässigen Reiseleiter Mahmoud in der Oase.
Im Zentrum des Hauptortes Siwa herrscht emsiges Treiben – an Marktständen preisen Händler ihre Waren an, Männer und Jugendliche fahren mit Eselkarren oder Motorrädern kreuz und quer über den zentralen Platz. Dennoch strahlt Siwa eine besondere, fast mystische Ruhe aus. Das liegt unter anderem an der Altstadt Shali, die den Hauptort dominiert.
Die Anlage war im 12./13. Jahrhundert mit Kershef, dem traditionellen Baumaterial aus Lehm, Sand und sonnengetrocknetem Salz, errichtet und mit einer Stadtmauer umgeben worden – zum Schutz vor plündernden Nomaden. Im Jahre 1926 ging ein schwerer Regen über der Stadt nieder, der die Häuser schmelzen liess wie Schokolade an der Sonne. Danach errichteten die Einwohner ihre Wohnquartiere ausserhalb der Altstadt und liessen die Shali-Silhouette wie ein Mahnmal zur Erinnerung an die seltene Regenflut stehen. Unterdessen werden einzelne Gebäude in Shali restauriert und wieder bewohnbar gemacht. Abends wird die eindrückliche Kulisse jeweils beleuchtet. Auf der Dachterrasse des im alten Stil neu erbauten Hotels al-Bab Inshal lässt sich die Abendstimmung bei einem Fruchtsaft oder einem aromatischen Tee geniessen. Wer sich bei Tag einen Überblick über die Oase verschaffen will, steigt auf den kahlen Totenberg. In Felsengräbern waren hier 630 Jahre vor Christus Menschen beerdigt worden.
Sprung ins Quellwasser
Auch in der Oase Siwa gibt es ein Kleopatra-Bad, obwohl die Pharaonin hier nicht vorbeigekommen ist. Alexander der Grosse hingegen soll bei der wunderschönen Sonnenquelle mitten in einer Dattelpalmenplantage Rast gemacht haben, als er auf dem Weg zum – ebenfalls sehenswerten – Orakel von Amun war (Berg Aghurmi).
Es ist ein besonderes Vergnügen, ins frische Quellwasser zu springen und die Ruhe des Ortes auf sich wirken zu lassen. Nach dem Bad gibt es im Coffeeshop einen frisch gepressten Fruchtsaft. Wenige Schritte weiter ist das Paradies dann vollkommen: Direkt am Ufer des grossen Salzsees Birket Siwa laden Korbstühle, die im Schatten der Dattelpalmen stehen, zum Innehalten ein.
Wer in der Oase Siwa das Abenteuer sucht, bucht eine Desert-Tour. Diese Jeepfahrt durch die angrenzende Wüste ist nichts für schwache Nerven oder empfindliche Mägen. Der Chauffeur sucht geradezu die spektakulärsten Dünenabhänge – und sticht dann mit dem Fahrzeug fast senkrecht in die Tiefe. Dennoch erreicht er mit seinen Gästen unversehrt zwei ganz besondere Badestationen mitten in der Wüste: Zunächst tauchen wir ins warme Wasser einer heissen Quelle, wenige Kilometer entfernt folgt ein Bad in einem wunderschönen Süsswassersee. Das Tollste folgt zum Schluss: Bei einem Tee, den der Fahrer kocht, geniessen wir weitab von der Zivilisation den Sonnenuntergang in der Libyschen Wüste – wahrlich ein erhabener Anblick. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.01.2012, 16:28 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
4 Kommentare
Bisherige Terroratentate gegen westliche Touristen in Aegypten wurden von islamischen Extremisten ausgeführt. Hoffentlich werden sich die Paten dieser Terroristen, die muslimische Brüderschaft und die Salafisten, umbesinnen und nicht die einzige Einkommensquelle Aegyptens, den Tourismus, ganz zerstören. Antworten
Leben
Grandioses Berg-Erleben.
Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Bitte warten


