Leben

Das meistgebuchte Hotel der Stadt – von Behinderten geführt

Im St. Galler «Dom» arbeiten nur IV-Bezüger. Die meisten Gäste merken davon nichts, sagt der Leiter. Jetzt öffnet das Hotel nach einem viermonatigen Umbau wieder seine Tore.

Neu gestaltet: Das Restaurant im «Dom».

Neu gestaltet: Das Restaurant im «Dom».

«Vier Fünftel merken nicht, dass die Mitarbeiter beeinträchtigt sind»: Ein Mitarbeiter im «Dom».

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Ein Dreisternehotel mit leicht behinderten Menschen als Personal - diese Idee wird im Hotel «Dom» in der St. Galler Altstadt seit zwölf Jahren erfolgreich umgesetzt. Nach einem umfassenden Umbau eröffnet das Hotel am Montag wieder.

Im Haus ist fast alles neu, das Ziel bleibt dasselbe: «Wir wollen unsere Gäste optimal betreuen und Arbeitsplätze für Menschen mit leichten Behinderungen bieten», sagte Alma Mähr, Geschäftsleiterin des Trägervereins «Förderraum» am Freitag vor den Medien.

Zusatz zur IV-Rente

Die neuen farbigen Räume seien Ansporn für das Team, erfolgreich weiter zu arbeiten. Das Hotel mit sozialem Hintergrund im St. Galler Klosterviertel gehört mit einer Auslastung von 78 Prozent zu den erfolgreichsten Gästehäusern der Stadt.

Es bietet 46 IV Rentnerinnen und -Rentnern einen Arbeitsplatz, an dem sie ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt und sozialpädagogisch betreut werden. Je nach Vorlieben, stehen sie im direkten Kontakt mit den Gästen oder wirken im Hintergrund. Ein Vollzeit-Angestellter verdient 740 Franken im Monat als Zusatz zur IV-Rente. Ausserdem bildet das «Dom» Lehrlinge aus.

Die Menschen mit Beeinträchtigung arbeiten mit Begeisterung im Betrieb. Anders als in manchen Behinderten-Werkstätten sind sie im Hotel in einen normalen Arbeitsalltag integriert. «Sie tragen Verantwortung mit und finden das, was für uns alle im Leben wichtig ist: berufliche Befriedigung und Bestätigung», sagt Mähr.

Vier Fünftel merken nichts

«Wer hier eincheckt, erhält optimalen Service, wird freundlich, aber zurückhaltend bedient», sagt Hotelleiter Stephan Peterer. Laut Kundenumfragen bemerken vier Fünftel aller Gäste gar nicht, dass sie von Menschen mit Behinderung bedient werden. «Das ist unser grösstes Kompliment», sagt der Hotelier.

Das renovierte «Dom» bietet 31 Zimmer mit modernstem Ausbaustandard. Ausserdem vermietet das Hotel 12 Budget-Zimmer, die aber nicht umgebaut wurden. Der überwiegende Teil der Gäste im Drei-Sterne-Haus sind Businesskunden. Deshalb sei im Dom nach der Renovation der W-Lan-Internet-Zugang im Zimmerpreis inbegriffen. Gefragt sei das Hotel aber auch bei Touristen, liege es doch in unmittelbarer Umgebung des Klosterviertels, einem Unesco- Weltkulturerbe.

Umbau für 3,4 Millionen Franken

Der Umbau des Gebäudes aus den 1960er Jahren hat 3,4 Millionen Franken gekostet. Da das Hotel während der viermonatigen Umbauzeit geschlossen war, ist ein Etragsausfall von 800'000 Franken entstanden. 1,7 Millionen Franken stammen aus Subventionen, um 1,3 Millionen Franken wurde die Hypothek aufgestockt. Der Rest wurde aus Eigenmitteln gedeckt, wie Mähr sagte.

Passend zu den neuen Räumen, wurde auch das Kunst-Konzept optimiert: Überall hängt sogenannte «Outsider Kunst». Bilder und Konzept stammen vom St. Galler Museum im Lagerhaus. Viele dieser Werke stammen von Künstlerinnen und Künstlern, die selber vom Leben benachteiligt wurden und dennoch Bleibendes schufen.

Da wertvolle Bilder, zum Beispiel ein Werk von Hans Krüsi, an öffentlich zugänglichen Plätzen hängen, wurden von den meisten Reproduktionen angefertigt. Dies hat die Institution Dreischiibe in Herisau übernommen, welche sich auf die Reproduktion von Bildern spezialisiert hat. Die Partnerschaften mit andern sozialen Betrieben sei Teil der Philosophe des «Förderraums», sagte Mähr. (oku/sda/)

Erstellt: 01.05.2010, 08:53 Uhr

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