Die beste Show bietet die Natur

Von Vera Hächler. Aktualisiert am 19.02.2010 3 Kommentare

Riesige Casinos, pompöse Hotels und eine gewaltige Show nach der anderen auf dem Strip von Las Vegas: Die Wüstenmetropole bietet Luxus und Glamour pur. Noch eindrücklicher als die Stadt selber ist das Naturspektakel, das diese umgibt.

1/27 Las Vegas: 320 Tage Sonnenschein
Tagesanzeiger.ch/Newsnet
Bild: Vera Hächler

   

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In Vegas ist jeder König

In den Genuss von Luxus und Glamour kommen in Las Vegas nicht nur die Reichen und Schönen. Viele Hotels am Strip haben ihre Preise in der Wirtschaftskrise nach unten korrigiert und bieten ihre eleganten Suiten «billig» an: Panoramablick auf die Stadt, elegant möblierte Hotelzimmer, grosszügig angelegte Wellness- und Fitnesscenter, Aussen- und Innenpool und Freiluft-Jacuzzi. Eines dieser preiswerten Häuser ist das Trump Hotel mit seinen golden verkleideten Fensterscheiben und 1282 Zimmern. Es liegt nur wenige Schritte vom berauschenden Treiben des Strips entfernt. Bereits in der Lobby des Hotels fühlt man sich wie im Schlaraffenland, im Badezimmer einer Suite – mit im Spiegel eingebautem TV – wie ein König. Mit etwas Glück kann ein Studio in Schwindel erregender Höhe ab rund 90 Dollar pro Nacht gebucht werden.

In Vegas, das lange Zeit von der Mafia regiert wurde, kann man nicht nur vergleichsweise günstig gediegen logieren, sondern auch zu vernünftigen Preisen hervorragend essen. In Südnevada werden Gourmets in über 1390 Restaurants verwöhnt. So auch bei Starkoch Joël Robuchon: Der Franzose führt weder Frites noch Burger auf seiner Speisekarte. Robuchon, der den Titel «Koch des Jahrhunderts» trägt, entführt seine Gäste auf eine kulinarische Entdeckungsreise. Wer es gerne gesellig hat, ist bei ihm an der falschen Adresse, denn die bedächtige Ruhe im Restaurant ist nicht jedermanns Sache. Butler umgarnen die Gäste im stilvoll eingerichteten Lokal, in dem schon unzählige Promis gespeist haben. Wer für diese Expedition ins Herz der Haute Cuisine nicht zu tief ins Portemonnaie greifen will, tut gut daran, sein Menü, das je nach Anzahl Gängen 89 bis 195 Dollar kostet, selbst zusammenzustellen. Keinem verliebten Paar kann man es verdenken, wenn es nach einem solch abgehobenen Aufenthalt den Drang verspürt, vor den Altar zu treten. Eine der besten Adressen unter den insgesamt rund 50 ist die Graceland Wedding Chapel, wo sich bereits Rockstar Jon Bon Jovi 1989 von «King Elvis» hat trauen lassen – und es bis heute nicht zu bereuen scheint.


Im pinken Jeep entfernen wir uns vom sieben Kilometer langen Strip, der Hauptstrasse von Las Vegas, und schon nach kurzer Zeit kehrt Ruhe ein. Die Lichter der Metropole werden schwächer, und eine raue, rotbraune, trockene und sandige Landschaft mit vielen kleinen kaktusähnlichen Pflanzen, Büschen und Sträuchern nimmt Überhand. In der Ferne tauchen felsige Gebilde auf.

Monoton und faszinierend

Im Fahrzeug wird es immer heisser, die Klimaanlage verliert an Kraft. Die Sonne, die die Erde auslaugt, macht auch mich müde. Diese monotone und trotzdem faszinierende Landschaft hat eine beinahe meditative Wirkung, ich verliere jeglichen Sinn für die Zeit. John, unser Pink-Jeep-Fahrer, bricht die Ruhe und erzählt: «Jedes Jahr sterben hier Touristen, denen nicht bewusst ist, wie leicht man sich verirren kann. Sie sind der Hitze hilflos ausgeliefert. Im sogenannten Valley of Fire wird es im Sommer durchschnittlich 40 Grad warm.»

Wir befinden uns in der 35000 Quadratkilometer grossen Mojave-Wüste. Sie ist beinahe so gross wie die Schweiz, denke ich, und mir wird erst jetzt richtig bewusst, wie künstlich die Welt am Strip eigentlich ist. Überall fliesst dort Wasser, und Klimaanlagen laufen rund um die Uhr. Dass die Ressourcen in Las Vegas, was auf Deutsch übersetzt «die Wiesen» bedeutet, nicht unbegrenzt sind und es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Wüstenmetropole an ihre Grenzen stösst, wird mir auf der Touristenfahrt im Pink Jeep zum Valley of Fire erst richtig klar.

Ältester State Park Nevadas

Die Strasse nimmt ihren Lauf. Braun, gelb, braun, gelb, braun: Die einzigen Farbtupfer sind der Jeep – mit uns sechs Insassen – und die roten Felsen, denen wir entgegenfahren. Keine Menschen sind weit und breit zu sehen, bis wir eine Barriere erreichen. «Das ist der Eingang zum Valley of Fire, dem ältesten State Park Nevadas. Er wurde 1935 eröffnet, und Ranger sorgen hier für Ordnung», erzählt unser Chauffeur. Dass wir nur 80 Kilometer nordöstlich von der Spieler-Stadt Las Vegas entfernt sind, ist kaum vorstellbar.

Wir befinden uns auf dem Mond, denke ich. Die roten Felsen, die mächtig vor uns ragen und uns langsam in ihren Kreis einschliessen, sprechen ihre eigene Sprache. Überall meine ich, Gesichter, Personen und Tiere zu erkennen: Alte Männer mit langen Bärten blicken auf uns nieder. Wir fahren sogar an einem mächtigen Gorilla vorbei, der – wie es scheint – seit Millionen von Jahren das Valley bewacht. Wind, Wasser und Zeit haben dieses Kunstwerk geschaffen. Viele der Sandsteinformationen bildeten sich vor 150 Millionen Jahren aus grossen Wanderdünen. Andere Felsformationen bestehen gemäss John aus Kalkstein, Schiefergestein und Konglomeratstein.

Dass hier auch Szenen für den Film «Star Trek – Treffen der Generationen» gedreht wurden, überrascht nicht. Die Schönheit und Wucht dieser Mondlandschaft stellt den Strip in den Schatten. Er kann mit diesem visuellen Spektakel kann er nicht Schritt halten.

Vor unserer Zeit

John stoppt den Wagen auf einem kleinen Rastplatz. Beim Aussteigen schlägt mir die Hitze der Mittagssonne entgegen, von Oktobermilde kann keine Rede sein. Ich folge der Gruppe durch den Sand, aus dem kleine Sträucher spriessen, und habe bei jedem Schritt Angst, auf eine Schlange oder Eidechse zu treten. John geht mit uns zu einer nur wenige Meter entfernten Felswand, die voller Zeichnungen ist, und erzählt, dass diese Petroglyphen von den prähistorischen Nutzern des Tales, den Anasazi-Indianern, stammen. Vor ihnen, von 1150 bis 300 vor unserer Zeit, besiedelten die Korbmacher-Indianer das Tal.

Vor meinem inneren Auge sehe ich Indianer auf der Jagd an uns vorbeiziehen. Ich höre Kriegsgeschrei, wie man es aus Westernfilmen kennt. Die Windböe, die mein Gesicht streift, holt mich zurück in die Realität. Abgesehen vom Geräusch des Sandes, der unseren Schritten weicht, herrscht absolute Ruhe.

Auf der Rückfahrt in die Stadt, lasse ich alle Eindrücke des «Wilden Westens» noch einmal Revue passieren. Am Horizont glitzert und funkelt es. Vor uns liegt der Strip mit all seinen Kulissen, Lichtshows und Casinos: Wie ein schlafender Drache wartet er auf seine Beute.

Diese Reisereportage entstand auf Einladung von Condor und der Las Vegas Convention & Visitors Authority. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.02.2010, 18:23 Uhr

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3 Kommentare

Barbara Studer

17.03.2010, 11:28 Uhr
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Ich mag Eure Reiseberichte, sie verführen zu neuen Ferienplänen. Auf motivschweiz.ch gibts Anregungen was es im Ländle schönes zu sehen gibt plus tolle Fotografien der Schweiz, welche ein einmaligen Finish haben. Antworten


Fritz Kobel

29.03.2010, 09:15 Uhr
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Es tut fast weh diese Bilder zu sehen. Als wir 1997 für längere Zeit die Schweiz in Richtung USA verliessen, wollten wir eigentlich nie nach Las Vegas. Wir waren ja schliesslich keine Spielernaturen. Als wir 12 Jahre später wider zurückkamen, waren wir unzählige male in dieser Stadt. Auch ohne zu spielen ist diese Stadt und vor allem die Umgebung fasszinierend Antworten



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