Die besten Spiele für den Stau
Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 30.07.2011 2 Kommentare
Stauwarnungen zum Ferienbeginn
Für das kommende Wochenende erwartet die Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) in Emmen lange Staus auf der A 2 am Gotthard. Am Vergleichswochenende im vergangenen Jahr hatten sich die Autos vor dem Tunnel in Richtung Norden auf bis zu 15 Kilometern gestaut.
Der deutsche ADAC warnt ebenfalls, dass der Ferienbeginn in Bayern und Baden-Württemberg Rekordstaus verursachen dürfte. Die drei bevölkerungsreichsten Bundesländer gehen fast zeitgleich in die Ferien, betont der ADAC, während andernorts bereits die ersten Urlauber zurückkehren.
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Stadt, Land, …
Der Stauklassiker schlechthin. Jemand sagt «A» und beginnt lautlos zu buchstabieren, bis «es Stopp!» heisst – und mit dem dann gedachten Buchstaben beginnt das Spiel «Stadt, Land, Fluss», das nach spätestens 26 Runden freilich langweilig werden kann. Warum also nicht einfach neue Kategorien erfinden, die zum aktuellen Reiseziel passen?
Auf dem Weg in die Türkei zum Beispiel sorgt «Stadt, Land, türkische Mädchenvornamen» (Aylin, Büsra, Celia, Daria …) für echtes Kopfzerbrechen. Und für Ferien in der Heimat? «Stadt, Land, Schweizer Weltklasse-Fussballer»… – nun, zu wenig Auswahl, leider. Dagegen lässt sich auf dem Weg nach Italien die Vorfreude mit «Stadt, Land, Pizza» noch steigern. Namen gibt es dazu jedenfalls genügend, wie diese kleine Auswahl zeigt.
Stille Post
Dieses Spiel kennen Sie noch, nicht wahr? Ein Teilnehmer beginnt mit einem beliebigen Satz, den er seinem Sitznachbarn ins Ohr flüstert. Der wiederum raunt ihn ganz leise weiter – und so fort, bis der letzte Insasse laut hörbar ausspricht, welche Worte bei ihm am Ende angekommen sind.
Aus «Auf der Strasse sitzt ein dicker Mann, weil er mit seinem Fahrrad auf dem Tramgleis ausgerutscht ist» wird so zum Beispiel «Auf der Trasse schwitzt ein dicker Mann, weil sein Pfarrer auf der Anreise abgeduscht ist» – für alberne Zeitgenossen Grund genug zu lachen.
Für dreiköpfige Familien ist dieses Spielchen freilich weniger geeignet als für gut gelaunte Kegelclubs, die in überfüllten Reisebussen auf dem Weg nach Mallorca sind.
Stau genau!
Statt über das stundenlange Warten zu nörgeln, kann man den Stau besser selbst zum Spielobjekt erheben. Zum Beispiel mit dem Kolonnen-Zählen, das vor allem bei guter Weitsicht zu empfehlen ist. Zunächst schaltet der Fahrer das Autoradio aus, worauf alle Insassen gründlich nach vorne und zurück schauen. Zuletzt schätzt jeder mit einem die Länge der Blechschlange und gibt einen Tipp ab.
Ein klassisches Ratespiel also, das mit einem Extra-Glace für den Gewinner an der nächsten Raststätte noch an Reiz gewinnt. Die richtige Lösung gibt der freundliche Sprecher im Verkehrsfunk den Teilnehmern im Stundenrhythmus bekannt.
Telepathie-Training
Das Schlimme am Stau ist für manche Zeitgenossen weniger das Warten als die stumpfsinnigen Mienen der übermüdeten Mitmenschen. Esoterisch veranlagte Zeitgenossen können die geistige Leere der Mitstauer nutzen – für den amüsanten Versuch, in deren Geist einzudringen. Zum Beispiel mit dem telepathischen Befehl an den Lenker des Wagens vor ihnen, in der Nase zu bohren, sich am rechten Ohr zu kratzen oder wegen des Staus zu fluchen.
Für den Fall, dass das gelingt, können die Mitspieler zu schwierigeren Übungen fortschreiten, wie dem Befehl, auszusteigen und ihnen einen Scheck über 100 Franken zu überreichen. Falls das gelingt: Warum stehen Sie noch im Stau? Teleportieren Sie sich nach Malaga und Mike Shiva auf den Mond.
CH-Promis raten
Der Weg fort in die Ferien ist immer auch eine Gelegenheit für einen giftigen Blick zurück. Kennen Sie das Promi-Raten? Ein Teilnehmer dieses Spiels wählt sich insgeheim einen Star, zum Beispiel die Sängerin Madonna. Die übrigen müssen ihm mit gewitzten Fragen, auf die er nur mit Ja oder Nein antworten darf, auf die Schliche kommen.
Mit der Schweizer «Prominenz» macht dieses Spiel vielen Eidgenossen noch mehr Spass – vermutlich, weil es um die eigene Sippschaft geht. Die Fragekette «Sind Sie männlich?», «Sind Sie ein Politiker?», «Bundesrat?», «Mögen Sie seltsame Neujahrsreden vor Tunneleinfahrten?» führt unweigerlich zu Adolf Ogi. Dagegen legen die Fragen «Sind Sie beim TV?» und «Können Sie den Rand nicht halten?» die Folgefrage «Haben Sie eine Talkshow?» nahe. Die Antwort «Ja» lässt letztlich nur die Wahl zwischen Kurt Aeschbacher und Roger Schawinski.
Knifflige Kennzeichen
Dieses Spiel richtet sich vor allem an Kinder im Stau, weil es den gewitzten Umgang mit der Sprache fördert. Geeignet sind vor allem Nummernschilder aus dem Grossen Kanton. Zum Beispiel die Kennung DA-IE aus der Region Darmstadt, aus der ein schlauer Sohnemann den Satz «Der Auspuff ist explodiert!» konstruiert – zum Schrecken von Vati am Steuer. Zürcher Fussballfans hingegen könnte das Nummernschild GC-SA an einem Auto aus Glauchau in Sachsen zu «GC steigt ab» inspirieren.
Bei Schweizer Kennzeichen mit dürftigen zwei Buchstaben empfehlen sich hingegen Zahlenspiele – zum Beispiel der Wettbewerb, wer am schnellsten die Quersumme bilden kann oder alle Ziffern, natürlich ausser Nullen, miteinander multipliziert. «SZ 32768» zum Beispiel würde als Lösungen 26 und 2016 liefern. Falls der Filius auf dem Rücksitz allerdings hinzufügt, dass die fünfte Wurzel aus diesem Nummernschild, geteilt durch vier, um 1 grösser ist als die kleinste Primzahl, sollten Sie ihn gleich nach den Ferien zum Mathematikstudium anmelden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.07.2011, 14:19 Uhr
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