Die zehn grössten Ärgernisse in den Schweizer Bergen

Die Schilderungen einer deutschen Touristin von ungastlichen Gasthäusern traten eine Lawine los: In der Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Redaktion machten Geschichten vom Wanderfrust die Runde. Hier sind unsere Top Ten der Ärgernisse in den Alpen.

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Nadja Klinger, Journalistin aus Deutschland, wanderte durch die Schweiz. Und freute sich auf Gastfreundschaft in Bergrestaurants und heimeligen Hütten. Über eine Wirtin im Appenzell musste sie aber festhalten: «Es geht auch grauhaarig, griesgrämig, in Hauslatschen und Kittelschürzen.» Sie erlebte – neben durchaus auch netten Begegnungen – viele weitere Widrigkeiten (siehe Artikel in der Box).

Der Artikel löste viele Reaktionen aus, wir haben die pointiertesten Meinungen im Artikel «Wir Schweizer haben die vielen Touristen nicht verdient» zusammengefasst. Und auch Schweiz Tourismus dazu um eine Stellungnahme gebeten. Daniela Bär sagt: «Die einen beschweren sich über den zunehmenden Komfort in SAC-Hütten, andere hätten am liebsten auch noch Wireless-Empfang.»

Trotzdem: In den Bergen lauert hinter manchem Felsen ein Ärgernis. Die Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Redaktion hat nach intensiver Diskussion diejenigen zehn Phänomene gesammelt, die am meisten Nerven kosten.

Falsche Zeitangaben auf Wanderwegweisern
Weshalb stehen auf den gelben Schildern stets Marschzeiten, die entweder nie und nimmer eingehalten werden können, worauf man das Postauto verpasst, oder die man selbst kriechend noch unterbieten würde? Und wieso endet die Signalisierung oft völlig unvermittelt?

Gedudel
Auf der Menükarte steht: «Geniessen Sie die herrliche Ruhe auf unserer Sonnenterrasse», und aus dem Lautsprecher trällert Hansi Hinterseer. Oder Maja Brunner. Oder die Easy-Listening-Liftmusik, die einen schon im Warenhaus in der Stadt in die Flucht schlägt. Ruhe!

Essen
Wahrscheinlich war die Auswahl im Speisesaal einer Sowjetkolchose üppiger als in mancher SAC-Hütte. Ein Menü, gegessen wird, was auf den Tisch kommt. In der Bergbeiz ists meist etwas vielfältiger: Schnipo, Würstli wahlweise mit Kartoffelsalat oder Brot, Gulaschsuppe aus der Dose, Spaghetti Bolo, verkocht. Vegetarier haben Pech, und wieso sollen sich die Wirte in den Alpen im Sommer mehr Mühe geben als im Winter?

Weinangebot
Wenns hoch kommt, sind ein Weisswein und ein Rotwein im Offenausschank erhältlich, aber um einen Schweizer Wein handelt es sich dabei selten. Aus der Region ist er schon gar nicht, und wenn man das Glück hat, einem Schweizer Landwein zu begegnen, vielleicht sogar einem Herrschäftler im Bündnerland, ist er garantiert nicht gekühlt. Die Frage nach Kühlung wird vom Personal so quittiert: «Rotwein ist nie gekühlt.» Was uns direttissima zum nächsten Punkt bringt:

Deutsche Bedienung
Reaktion auf Fondue-Bestellung: «Also, Sie meinen Käse-Fondue?» Nein, natürlich Bananen-Chocolat-Fondue. Beim gespritzten Weissen: «Süss oder sauer?» Welchen sauren Fusel schütten die im Norden bloss in den Gespritzten?

Sex and the Mountains
Auf Freizeit gestylte Städterinnen, die mit der Bahn auf die Sonnenterrasse gondeln und dort stundenlang den besten Platz besetzen, dabei ständig ihr Décolleté einreiben und lauthals von den Ferien am Meer, der Unverschämtheit der Nachbarin und den entzückenden Kapriolen ihres Terriers berichten. Ins gleiche Kapitel gehören Städter in freier Natur, die auf ihrem iPhone herumtippen, weil sie auch beim Wandern ständig erreichbar sein müssen. Klingeltöne, die einen schon die ganze Woche beim Bürokollegen nerven, will man in den Bergen definitiv nicht hören. Abschalten!

Zu viel Nähe in der Hütte
Diese Enge in Berghütten. Eine verschwitzte, müde Gruppe Menschen auf engstem Raum wartet darauf, dass der Hüttenwart das Essen verteilt. Unerträglich, wer tut sich das an? Und dann im Massenlager: Flatulenzen, Schweiss in unvorstellbaren Varianten, Geschnarche, kein Platz, ungewollter Körperkontakt – das ist Erholung?

Grüezi, guten Tag, grüss Gott, Grüezi mitenand
Trifft man nach zwei Stunden Marsch durch die einsame Weide einen anderen Ausflügler an, kann man sich ja durchaus mal grüssen. Aber auf einem viel begangenen Pfad verunmöglicht die Grüsserei eine halbwegs sinnvolle Kommunikation mit der eigenen Wanderbegleitung. Also: Seid pauschal gegrüsst, falls wir uns demnächst mal kreuzen.

Hunde, wollt ihr ewig bellen?
Jeder Bauernhof in der Ferne kündigt angstvolle Momente an. Warum die Hofhunde a) fast nie angeleint und b) fast immer aggressiv und laut sind, ist ein komplettes Rätsel. Und wenn einen entgegenkommende Hunde von anderen Touristen anspringen, möchte man am liebsten die Wanderschuhe gezielt und kräftig zum Einsatz bringen.

Ausflugsstau
Und wenn man nichts von den oben geschilderten Ärgernissen erdulden musste und einen rundum schönen, erholsamen Wandertag in den Bergen erlebt hat, steigt man abends in ein total überfülltes Postauto, einen bis auf den allerletzten Platz besetzten Zug oder in ein Auto, das subito im Stau steckt. Ein Ärger – aber einer, an dem man selbst schuld ist.

Schreiben Sie bitte in der unterhalb dieses Textes sichtbaren Kommentarfunktion, was Sie bei Ausflügen in die Berge nervt. Die besten Meinungen werden morgen in einem Text veröffentlicht.

Erstellt: 11.10.2010, 16:22 Uhr

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