Ich rotiere in einem Heli

Von Christoph Landolt, Roman Weber. Aktualisiert am 25.03.2009 7 Kommentare

Fliegen kann er jetzt, schweben noch nicht: Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Redaktor Christoph Landolt hat das getan, wovon andere Männer nur träumen: einen Helikopter zu pilotieren.

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Helikopter kurz erklärt

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Mit der Linken das Gaspedal bedienen, mit den Füssen das Steuerrad unter Kontrolle halten und gleichzeitig mit der Rechten ein Velo ohne Lenker steuern – etwa so schwierig ist Helikopter-Fliegen. Dabei hat alles so entspannt angefangen: Fluglehrer Hansruedi Müller hat mir die Funktionen unseres Helikopter vom Typ Robinson R22 erklärt, von der Funktionsweise des Hauptrotors über den Lycoming-Kolbenmotor mit Kupplung bis hin zum Heckpropeller, der dafür sorgt, dass sich nicht das ganze Fluggerät dreht, sondern nur die Karbon-Schaufeln über unseren Köpfen.

Dann heisst es, Platz nehmen. Hansruedi startet den Motor per Kippschalter. Mit der linken Hand halte ich eine Art Handbremse, die aber ein Gaspedal ist und die Motorleistung reguliert. 160 PS schafft das Triebwerk – mehr ist nicht nötig, damit sich der gerade einmal 400 kg leichte Helikopter der Sonne entgegenschraubt. Sobald die Rotorenblätter über unseren Köpfen zu einer halbtransparenten Scheibe geworden sind, ist die Drehzahl hoch genug, um abzuheben. Dazu muss man nur den Hebel anziehen und den Heli ruhig halten.

Herausforderung Schwebeflug

Genau darin liegt die Herausforderung. Das spüre ich, sobald Hansruedi in einigen hundert Metern Höhe das Steuer loslässt und der Helikopter nur noch meinen Befehlen gehorchen soll. Sofort schwankt und rotiert alles um uns herum; statt auf den angepeilten Pilatus am Horizont steuern wir jetzt direkt einer harten Landung auf einer Autobahngabelung entgegen. Was dramatisch klingt, wäre es auch – wäre da nicht Hansruedi auf dem Copiloten-Sitz, der alles wieder unter Kontrolle bringt und den Heli sanft ausbalanciert. Der unaufgeregte Fluglehrer verströmt so viel Vertrauen, dass mein Adrenalinpegel stets stabiler als die Fluglage bleibt.

Hansruedi ist ein Grossmeister der Flugkunst. Das steht spätestens dann fest, als er eine kleine Kostprobe seines Könnens zum Besten gibt: Im Leerlauf stürzen wir der Erde entgegen, ehe Hansruedi kurz über dem Boden den Robinson jäh hinaufzieht. Mit der rechten Kufe streift, ja streichelt der Helikopter sanft die Spitze eines Zaunpfahls. Butterweich geht das bei ihm.

Bei mir bockt der Heli eher. Knapp über dem Boden üben wir den Schwebeflug. Die koordinativen Anforderungen sind gewaltig. «Heli fliegen ist wie Velo fahren. Irgendwann hast du das Gefühl dafür und machst alles ganz instinktiv», beruhigt Hansruedi. Ausser, dass ein Velo Stützräder hat, denke ich mir und versuche, den Heli zu beruhigen. Spass machts trotzdem. Nach einigen Versuchen gelingt es mir, 10, 15 Sekunden lang an Ort und Stelle zu schweben.

Marktnische selber fliegen

Mario Lang, Inhaber der Firma Helikopterflug.ch, vertraut seine Maschinen schon seit der Gründung seiner Firma auch Anfängern an: «Mit einem erfahrenen Fluglehrer an der Seite kann nicht viel schiefgehen.» Unfälle habe es noch nie gegeben. Neu sei allerdings, dass nicht mehr nur angehende Piloten das Steuer selbst in die Hand nehmen dürfen. «Bei uns kann jeder, der fit genug ist, einen Helikopter selbst fliegen.»

Das Angebot kommt an. «Zum Valentinstag, zum Geburtstag oder einfach zum Spass – für viele Männer wird ein Bubentraum wahr, wenn sie einmal einen Helikopter pilotieren dürfen», erklärt Lang. Ab 690 Franken kann man sich bei Helikopterflug.ch eine Stunde lang als Pilot üben.

Bald hat uns Mutter Erde wieder. Ich geniesse den Höhenrausch noch ein bisschen und frage mich, wie ich die 30'000 Franken organisieren soll, die mir zu einem richtigen Helipiloten fehlen. Hätte ich sie, würde ich mit bestem Gewissen mit dem Flugbrevet beginnen. Befürchtungen, dass meine persönliche Öko-Bilanz auf Jahre hinaus vergiftet ist, sind nämlich unbegründet: Ein Leichtgewicht wie der Robinson R22 verfeuert nur etwa 30 Liter pro Flugstunde. Damit kommt man mit dem Helikopter bis zu 180 Kilometer weit – der Verbrauch bewegt sich auf SUV-Niveau. Mehr Spass macht ein Heli aber allemal. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.03.2009, 14:32 Uhr

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7 Kommentare

Lachat Daniel

26.03.2009, 08:24 Uhr
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Prima Bericht, endlich eine vernünftige Geschenkidee. War selber schon Passagier von Helikopterflug.ch ... sehr flexibles, seriöses, sympathisches und preisgünstiges Angebot & Unternehmen, sehr empfehlenswert. Danke und weiterhin viel Erfolg. Antworten


Felix Rothenbühler

26.03.2009, 09:44 Uhr
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Super. Danke. Noch mehr Leute, die für ihr ganz persönliches Vergnügen ganze Regionen mit Lärm zuschallen. Als wenn der bereits vorhandene Flug- (und Mobilitäts-) lärm nicht genügen würde. Hier noch Werbung für "so Seich" zu machen, finde ich voll daneben. Eine Person vergnügt sich, 100erte müssen es erdulden. Vom UVEK kam mal die Idee der Lärmabgaben - leider wird das wohl nie umgesetzt. Antworten



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