Im Land, wo alles unendlich ist: Die Weite, die Natur, die Freiheit
Von Simona Benovici. Aktualisiert am 11.02.2012 2 Kommentare
Reisetipps
Alaska ist 40-mal grösser als die Schweiz. Von den 700'000 Einwohnern lebt fast jeder Zweite in Anchorage.
Klima: Im Norden subpolares Klima, im Landesinneren kontinentales Klima mit kurzen Sommern (Temperaturen bis 30 Grad) und extrem kalten Wintern (bis –30 Grad). Gemässigtes Klima an der West- und Südküste.
Beste Reisezeit: Die Hochsaison dauert von Anfang Juli bis Mitte August. Die Nebensaison beginnt im Mai und dauert bis September.
Flug: One way mit Condor Frankfurt–Anchorage Anfang Juli ab 445 Fr.
Unterkunft: Fireweed Lodge beim Lake Creek, Deluxe Cabins für 2 bis 5 Personen 1300 Fr. pro Woche/Person (Selbstversorger) oder 1500 Fr. Vollpension, inkl. Wasserflugzeugtransport ab und bis Anchorage.
Bärenbeobachtungstouren: Tagestrip ab Anchorage nach Brooks Camp für ca. 620 Fr., individuelle Touren ab Homer u. a. mit Bald Mountain Air Service für ca. 600 Fr.
Fahrzeugmiete: Je nach Fahrzeugtyp und Saison 90 bis 200 Fr. pro Tag.
Weitere Infos: www.anchorage.net
Bären
Alaska ist vor allem eines: Bärenland. Neben den Eisbären im hohen Norden sind mehrheitlich Braun- und Schwarzbären in den Wäldern, Ebenen und an den Küsten von «The Last Frontier» beheimatet. Ausser den rund 40'000 Grizzlies streifen schätzungsweise 50'000 der kleineren Schwarzbären durch die Lande. Entsprechend gut stehen die Chancen, eines der zahlreichen Tiere zu Gesicht zu bekommen.
Wer es nicht darauf ankommen lassen will, zufällig auf einen Bären zu treffen, dem sei eine der zahlreichen organisierten Bärenbeobachtungstouren empfohlen. Der vielleicht bekannteste Ort, um Bären in freier Wildbahn zu beobachten, ist Brooks Camp im Katmai-Nationalpark. Von Juni bis September – zur Zeit, wenn die Lachse vom Meer zu den Laichplätzen und wieder zurück wandern – sammeln sich dort die Bären am Ufer des Brooks River zum Festschmaus. Tausende von Rotlachsen suchen den Weg stromaufwärts – viele davon landen direkt in den hungrigen Mäulern der Grizzlies. An guten Tagen der Hochsaison kann man hier bis zu 40 dieser Tiere beobachten, die sonst als Einzelgänger unterwegs sind.
Da Brooks Camp längst kein Geheimtipp mehr ist – Lodge, Campingplatz und Wildhüterstation locken pro Saison Hunderte Touristen an –, bieten verschiedene Veranstalter als Alternative ab Anchorage und Homer individuell geführte Bärenbeobachtungstouren an.
In Kleingruppen zu zehn Leuten geht es etwa mit Bald Mountain Air Service ab Homer per Wasserflugzeug in unberührte Gefilde. Je nachdem, wo sich Lachse und Bären gerade tummeln, landet Pilot und Geschäftsführer Gary Porter seine Maschine des Typs DHC-3 Otter auf einem der zahlreichen Seen. Ausgerüstet mit Fischerstiefeln und warmer Kleidung, verbringt man einen halben Tag im Katmai-Nationalpark. Mit der nötigen Vorsicht und unter kundiger Führung des erfahrenen und ausgewiesenen Bärenspezialisten können sich Touristen auf diese Weise den Bären bis auf wenige Meter nähern. (sbv)
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Die Zivilisation hinter sich zu lassen, sei eine der leichtesten Übungen, meinte Evelyne Moskovich am Morgen bei der Schlüsselübergabe auf dem Areal des Autovermieters. Drei Spurwechsel und eine halbe Stunde Autofahrt. Mehr brauche es nicht, um Anchorage zu verlassen und in das grosse Abenteuer Wildnis zu starten. Welche Route die beste sei, um Alaska zu erkunden? Es gebe keine «beste Route». Alaska sei «unique». Alles sei möglich.
Viele Camper ziehe es in den ersten Tagen allerdings in den Süden, nach Kenai, meint Evelyne schliesslich. Eine rund 46'300 Quadratkilometer grosse Halbinsel. Dieser Teil Alaskas ist vergleichsweise dicht besiedelt. Falls das Auto Mucken mache, sei dort garantiert eine Werkstatt in der Nähe. Im Norden und im Hinterland hingegen, da fahre man stundenlang auf dem Highway, ohne einer Menschenseele zu begegnen. «So this is very important», sagt Moskovich und wedelt mit der Checkliste. Die Liste liest sich wie ein Überlebensführer. Ist das Auto aufgetankt? Hat die Autobatterie genügend Saft? Haben wir genügend Essensvorräte? Sind die Wassertanks gefüllt?
Nur Schlaf- und Geisterstädte
Tatsächlich: Drei Spurwechsel und eine halbe Autostunde später ist Anchorage nur noch eine Silhouette im Rückspiegel des 350 PS starken Truck-Campers. Links erheben sich die Steilhänge der Chugach Mountains – rechts der Ausläufer des Turnagain Arms. Neben den Gleisen der Alaska-Railroad schlängelt sich der Highway fast 76 Kilometer entlang der Bucht bis zum kleinen Städtchen Portage. Oder dem, was davon übrig geblieben ist: ein Diner, ein Eisenbahnknotenpunkt und eine Kreuzung. Die Siedlung wurde beim Karfreitagsbeben 1964 fast vollständig zerstört. Einzig eine Handvoll zerfallener Baracken und Häuser erinnert an bessere Zeiten. Überhaupt: Die meisten der auf der Karte eingezeichneten Orte entlang des Turnagain-Arms sind heute Schlaf- oder bereits Geisterstädte. Geblieben sind nur die klingenden Namen: Sunrise City, Resurrection Creek, Hope – stille Zeugen längst vergangener Tage.
Umso grösser ist der Kontrast, der von Soldotna und seiner grossen Shoppingmall ausgeht – nach fast 160 Kilometer Fahrt durch dichteste Wälder und die Seenlandschaft des Kenai National Wildlife Refuge. Nebst den grossen Fastfoodketten finden sich in Soldotna vor allem Spezialgeschäfte für Jagd- und Fischereizubehör. Kein Wunder, denn zwischen Juni und September versammeln sich mehr Sportfischer im und am Kenai River nahe der Stadt als sonst wo in Alaska. Tausende Königs-, Silber-, Rot- und Buckellachse tummeln sich während dieser Zeit im Wasser auf der Suche nach Laichplätzen. Fischer und Bären profitieren von diesem Überfluss gleichermassen: Während die Angler an der einen Uferseite des Flusses stehen, lauern die Bären an der anderen. Der nahe gelegene Russian-River-Campingplatz ist so stark belegt, dass hier nur ein Stellplatz für sein Fahrzeug findet, wer Tage im Voraus reserviert hat.
Leben wie vor 100 Jahren
Wem die Übernachtung nahe dem schäumenden Wasser des Kenai nicht vergönnt ist, findet in Homer, rund 100 Kilometer südlich von Soldotna, einen der spektakulärsten Campingplätze Alaskas. Eine sieben Kilometer lange Landzunge zieht sich bis zur Kachemak-Bucht. Am äussersten Ende befindet sich der Homer Spit Campground. Stromanschluss, Sanitäranlagen, Feuerstelle. Mehr Komfort gibt es nicht. Aber der Anblick der majestätischen Weisskopfseeadler, die sich hier auf Fassadenvorsprüngen und Strassenlaternen auf ihren nächsten Beutezug vorbereiten, oder die Aussicht auf den Grewingk-Gletscher, der am Abend fast mystisch im Nebel verschwindet – das alles ist überwältigend.
Nächstes Etappenziel: Seward. Ein Fischerdorf, eingebettet in eine blau schimmernde Umgebung von Eisfeldern und Gletschern. Die rund 3000 Einheimischen leben heute wie vor 100 Jahren mehrheitlich von dem, was die See hergibt. Das täglich zweimal stattfindende Ausnehmen der Fische auf der Promenade am Bootssteg hat sich zu einem Touristenmagneten entwickelt. Mindestens ein Dutzend Unternehmen bietet eine grosse Auswahl an kleineren und grösseren Bootstouren in den Gewässern des Kenai-Fjords an. Mit etwas Glück bekommt man während des Safaritrips zu Wasser Papageientaucher, Seelöwen, Schneeschafe, Adler, Schweins- und Buckelwale zu sehen.
Jedes der Boote wird von einem Wildhüter begleitet, der auch einem amtlichen Auftrag nachkommt: Information und Aufklärung zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt. Und er klärt Touristen über die Gefahren auf. Denn wer in Alaska unterwegs ist, trifft früher oder später auch auf Wildtiere, die durchaus unangenehm werden können: Bären, Wölfe, Elche.
Absolute Einsamkeit
Besonders wenn man sich abseits der viel frequentierten Touristenpfade bewegt, sind tierische Begegnungen programmiert. So etwa weiter nördlich, im Hinterland zwischen Paxson und Cantwell. 1957 als eine der ersten Ostwestverbindungen zwischen dem Richardson Highway und dem Denali-Nationalpark gebaut, schlängelt sich dort der Denali Highway quer durch die unendliche Ebene. Obwohl der Highway denselben Namen wie der weltberühmte Nationalpark mit seinem Wahrzeichen, dem Mount McKinley, trägt, verirren sich hierhin keine organisierten Touristengruppen. Kein Wunder: Die Strasse ist nur teilweise befestigt; es gibt nur einen offiziellen Rastplatz, keine Einkaufsmöglichkeiten. Wer den 217 Kilometer langen Highway befährt, muss vorbereitet sein. Genügend Vorräte, eine Zusatzversicherung für Naturstrassenschäden am Fahrzeug und viel Benzin im Tank. Evelyne Moskovichs Checkliste entpuppt sich als Segen.
Der Highway ist schwach befahren. In fünf Stunden zählen wir ganze fünf Autos, die uns entgegenkommen. Wer seine Nächte in totaler Abgeschiedenheit verbringen will, ist hier genau richtig. Dadurch, dass das Gebiet dem Büro für Landmanagement und nicht der Nationalparkverwaltung unterstellt ist, geniessen Camper hier grössere Freiheiten. Wo man das Fahrzeug abstellen kann, da darf man das auch. Eine Chance, die man sich angesichts der herrlich abgeschiedenen Umgebung und der wunderbaren Stille nicht entgehen lassen sollte.
Eindrücklich ist auch der Blick auf den nördlichen Hauptgebirgszug der Kordilleren, die Alaskakette. Sie thront so hoch über der Ebene, dass die vorgeschobenen Clearwater Mountains nur einem kleinen Hügelzug ähneln. Bevor sich die Nacht über die Berge legt, erglüht das schneebedeckte Panorama in einem nicht enden wollenden Abendrot. So weit im Norden hält sich die Dämmerung stundenlang. Evelyne hatte recht – mit der Checkliste, aber auch damit, dass Alaska «unique» ist: unendliche Weiten, unendliche Strassen – und eine atemberaubende Tier- und Pflanzenwelt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.02.2012, 08:16 Uhr
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2 Kommentare
Interessanter Bericht! Dass aber Wölfe für Menschen "durchaus unangenehm werden können" ist Quatsch! Da glaubt jemand offenbar noch immer an die Mär vom bösen Wolf! Die einzigen Wildtiere, die in Alaska durchaus gefährlich werden können, sind Grizzly- und Eisbären. Antworten
Noch schöner – und einsamer – wird es, wenn man von Fairbanks nördlich fahrt. Via Dalton Hwy bis nach Deadhorse. Den Atigun-Pass (Ende Juni im Schneesturm) und die anschliessende Tundra mit Musk-Oxen, Caribous, das muss man auch mal erlebt haben. Fotomotive ohne Ende und immer Tageslicht, manchmal diffus, aber trotzdem... Antworten
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