In welchen SAC-Hütten man besser nicht übernachtet
Von David Vonplon. Aktualisiert am 10.08.2009 127 Kommentare
2008 324'000 Übernachtungen
Der Schweizer Alpenclub unterhält 153 Berghütten, 121 davon sind bewirtet. Mit insgesamt 324'000 Übernachtungen erzielten die Hütten 24,5 Millionen Franken Umsatz. Das ist das viertbeste Resultat in der Geschichte des SAC. Damit ist der Club ein durchaus bedeutender Player im Tourismuswesen der Schweiz.
Eine Kunstausstellung auf über 2800 Meter Höhe? Der Schweizer Alpenclub (SAC) macht's möglich; er will mit dieser einmaligen Aktion ein neues Publikum ansprechen. Nicht mehr nur Alpinisten sollen in den Hütten übernachten, sondern auch Genusswanderer. So zielt der SAC mit seinen Marketing-Aktivitäten auch auf Familien, die vom «hohen Gesundheits- und Erlebniswert» der Berge profitieren sollen, wie es in einem Werbeprospekt heisst.
Auch dank diesen Marketing-Angstrengungen hat es der SAC geschafft, die Auslastung seiner Berghütten in den letzten Jahren zu steigern - nachdem in den 90er Jahren immer weniger Alpinisten in den spartanisch eingerichteten Hütten übernachteten. Doch nun wird der Alpenclub Opfer seines eigenen Erfolgs: Berg-Touristen kommen mit ganz anderen Ansprüchen in die Berge als Alpinisten; und häufig werden die Hütten den Erwartungen nicht gerecht.
Die Zähne bleiben manchmal ungeputzt
Weil immer mehr Touristen in die Berge strömen, sind viele Hütten oft bis zum letzten Platz ausgebucht. Das bringt die Warte an die Grenze der Belastbarkeit, zumal die Infrastruktur vielerorts veraltet ist. «Viele Gäste haben Mühe mit dem Standard in den Berghütten», erklärt Michael Wicky, Chef von Bergpunkt, dem Zentrum für Alpinausbildung und Beratung in Worb. In der Britanniahütte bei Saas-Fee, der meistbesuchten Berghütte der Alpen, gibt es häufig kein fliessendes Wasser, oft reicht es nicht einmal fürs Zähneputzen. Wicky sagt aber auch: «Viele Gäste können sich kaum vorstellen, wie viel Aufwand es für ein Hüttenwart bedeutet, für 50 Leute Schnee zu schmelzen.»
Auch der Schlafkomfort in den Berghütten lässt häufig zu wünschen übrig: Massenschläge sind immer noch die Regel, in den Betten warten nicht selten uralte, ausgefranste Wolldecken. Dies im Gegensatz etwa zu den Hütten in Italien oder Österreich: Dort kann der Gast auch Zweier-, Vierer-, oder Sechserzimmer buchen, er bettet sich in ordentlichen Duvets und Daunendecken. Wicky bemängelt, dass man in der Schweiz die Zimmergrösse nicht wählen könne. Selbst wenn Zimmer frei sind, werden oft alle Gäste in den Massenschlag gepfercht. Besonder schlimm ist es in einigen Hütten im Wallis.
«Katastrophale Zustände» in der Tracuit-Hütte
Der «Walliser Bote» berichtet zum Beispiel von «katastrophalen Zuständen» in der auf 3256 Meter über Meer gelegenen Tracuit-Hütte oberhalb von Zinal - mit 5000 Übernachtungen im Jahr die am fünftmeisten besuchte SAC-Hütte in der Schweiz. Im Schlafsaal herrschten vergangenen Winter Minustemperaturen und starker Durchzug, auch im Aufenthaltsraum froren die Gäste wegen eines nahezu defekten Holzofens. Die schlotternden Gäste wechselten sich ab, um sich in der Nähe des Ofens zumindest ein wenig wärmen zu können. In der Hütte mit 120 Betten funktionierte gerade noch ein WC.
Obwohl die Missstände bereits seit zwei Jahren bekannt sind und die Hüttenwarte zwei Mal ausgewechselt wurden, ist es der SAC-Sektion Chaussy bei Aigle nicht gelungen, die Mängel zu beheben. «Sowohl die Sektion wie auch wir vom Zentralverband SAC sind unzufrieden mit der Situation bei der Tracuit-Hütte», erklärt denn auch Bruno Lüthi vom SAC. Er räumt ein, dass es massive öffentliche Kritik gab und die Reklamationen sich auch im laufenden Jahr häuften. Derzeit ist die SAC-Sektion daran die Finanzierung einer neuen Hütte auf die Beine zu stellen.
«Immer wieder Reklamationen»
Von den Missständen in der Tracuit-Hütte auf alle SAC-Hütten zu schliessen, wäre laut Lüthi aber falsch. «99 Prozent der jährlich über 320'000 Hüttengäste sind sehr zufrieden mit der Bewirtung.» Trotzdem berichten Touristen immer wieder, dass es den Hüttenwarten auch am Willen fehlte, den Kunden als König zu behandeln. Nicht zuletzt Berghäuser am Fusse von Viertausendern können sich darauf verlassen, dass die Bergtouren sie nur in den wenigsten Fällen auslassen können - und diese Monopolstellung nutzen einige aus. Bergführer Wicky: «Es ist eine Tatsache, dass es immer noch Hütten gibt, deren Service so schlecht ist, dass es immer wieder zu Reklamationen kommt, oder dass wir - wenn möglich - sie nicht mehr besuchen.»
Auch Lüthi vom SAC hält es für möglich, dass das neue Publikum «den eher einfachen Standard der ursprünglichen Hütten nicht gewohnt ist und seine Erwartungen nicht immer erfüllt sieht»: Die Bedürfnisse von neuen Zielgruppen wie Bergwandernde oder Familien berücksichtige man nun aber bei Um- und Neubauprojekten, zugleich habe man die Ausbildung der Hüttenwarte forciert. «Lange Zeit habe das Klischee vom knorrigen, vielleicht gar feldweibelhaften Hüttenwart gestimmt. In den letzten Jahren habe aber ein Generationenwechsel stattgefunden. «Viele junge Leute haben Hütten übernommen und machen ihre Arbeit sehr gut.»
«Ici, on parle que le français»
Andere Erfahrungen machte allerdings Ralph Manz, Generalsekretär des WWF Oberwallis. In einem Leserbrief machte sich der passionierte Berggänger im «Walliser Boten» unlängst Luft über die schlechte Bewirtung in den SAC-Hütten. Er verbrachte diesen Sommer ein Wochenende in der Binntalhütte. Schon bei der Anmeldung wurde Manz schroff beschieden, «ici, on parle que le français» - und das im zweisprachigen Kanton Wallis. Als sich Manz über ein dürftiges, völlig überteuertes Nachtessen beschwerte, erklärte ihm der Hüttenwart, wenn es ihm nicht passe, sei es wohl gescheiter, im Unterland zu bleiben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.08.2009, 11:32 Uhr
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Mir kommen fast die Tränen: Früher, als früher noch anders war, trug man seine Verpflegung im Rucksack in die Hütte, und wennn man freundlich fragte, liess einen der Hüttenwart oft noch kochen. Herrlich die Zeiten, als man spät im Jahr im Winterraum einheizte, Schnee schmolz und die Ruhe genoss. Und am Weg zur Hütte lag Holz bereit, mit der Bitte sich am Transport desselben zu beteiligen!! Antworten
Lange lebe Max von der SAC Seetalhütte im Silvrettagebiet, Klosters. Winzige Hütte mit einem einzigen Raum, der gleichzeitig Küche, Aufenthalts- und Schlafraum für ca. 14 Personen bietet. Und mit Max, den wohl urchigsten und ältesten Hüttenwart des SAC, der alles selbst erledigt. Er baut Brücken und Wege, kocht und erzählt. Ein Erlebnis, welches man nie mehr vergisst! Mach weiter so Max! Antworten
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Grandioses Berg-Erleben.
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