Kuriose Funde in furioser Flora
Links
- Allgemeine Informationen (1)
- Allgemeine Informationen (2)
- Infos zur Anreise
- Westbury Hotel
- Restaurant Winding Stairs
- Hotel Ritz Carlton
- Tinakilly Landhotel
- Fünfsterne-Hotel K-Club
- Festival
- National Garden Exhibition Centre
- Irish National Stud
- Powerscourt House & Gardens in Enniskerry
- Killruddery House & Gardens
- Mountusher Gardens
Tipps&Infos
Anreise: Aer Lingus fliegt einmal täglich von Zürich nach Dublin. Infos unter Tel. 044 286 99 33 oder im Web (siehe Link). Die Gärten erreicht man am einfachsten mit einem Mietwagen.
Unterkünfte und Essen: Wegen der Wirtschaftskrise haben viele Hotels, darunter auch Erstklasshäuser, ihre Preise nach unten angepasst oder offerieren saisonal Spezialangebote. Anfragen lohnt sich.
Dublin: Die Topadresse ist das zentral gelegene und mit allem Komfort ausgestattete Westbury Hotel, wo allein der Afternoon-Tea ein Erlebnis ist. DZ von 260 bis 800 Fr. Sehr zu empfehlen ist auch ein Besuch des Restaurants Winding Stair unweit des Temple- Bar-Quartiers. Irische Spezialitäten und gute Weine, unkonventionelles Interieur. Das in schönster Natur und nur fünf Gehminuten von den Powerscourt Gardens gelegene Ritz Carlton hat einen eigenen Golfplatz, den wohl sinnlichsten Spa in ganz Irland und ein vom schottischen Starkoch Gordon Ramsay eröffnetes und betreutes Restaurant. Die Suiten sind so gross wie eine Schweizer 3-Zimmer-Wohnung. DZ von 135 bis 270 Fr., Suiten ab 395 Fr.
Rathnew: Das Tinakilly House ist ein sehr charmantes Landhotel mit einer über 120-jährigen, eng mit Schiffskapitän Robert Halpin verbundenen Geschichte. Prächtige Lobby und Pianobar, gediegener Speisesaal mit exklusiver Karte. Viele Zimmer mit Meerblick. DZ von 145 bis 180 Fr., Suiten ab 335 Fr.
Kildare: Zum Fünfsternhotel K-Club gehört einer der schönsten und bekanntesten Golfplätze Irlands, wurde hier doch 2006 der prestigeträchtige Ryder-Cup zwischen Europas und Amerikas Golfelite ausgetragen. Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch im Weinkeller (auf Anfrage), wo über 70 Jahre alte Edeltropfen lagern. Wer es ganz exklusiv mag, kann sich dort unten gar ein Luxusdiner servieren lassen (Preis auf Anfrage). Moderne Hotelgastronomie, charmante Zimmer mit viel Holz. DZ von 285 bis 800 Fr., Suiten ab 750 Fr.
Gärten und Pärke: Killruddery House & Gardens in Bray. Geöffnet ab April (nur am Wochenende) und von Mai bis September, Powerscourt House & Gardens in Enniskerry. Ganzjährig geöffnet. Mount Usher Gardens in Ashford. Geöffnet ab Ende Februar bis Ende Oktober. Japanese Gardens und Saint Fiachra’s Garden in Tully/Kildare, auf dem Gelände des Irish National Stud. Geöffnet Ende Februar bis Ende Oktober. Wer sich einen eigenen irischen Garten anlegen will, kann sich im National Garden Exhibition Centre in Kilquade inspirieren lassen. Geöffnet das ganze Jahr, Montag bis Samstag.
Weitere Tipps: Irish National Stud und Irish Horse Museum in Tully/Kildare. In diesem Gestüt werden die besten Rennpferde des Landes gezüchtet. Bevor sie von arabischen Scheichs für viele Hunderttausend Petrodollars übernommen werden, kann man sie hier beim Weiden und Herumtollen beobachten. St. Patrick’s Festival. Zwischen dem 12. und 17. März finden in ganz Irland feuchtfröhliche Veranstaltungen und Feiern statt.
Allgemeine Informationen: bei Tourism Ireland unter Tel. 044 210 41 53 oder im Internet (siehe Links)
Achtung, festhalten, wir starten: «Da die menschliche Existenz eine Halluzination ist, welche die sekundären Halluzinationen von Tag und Nacht einschliesst (bei Letzterer handelt es sich um eine unhygienische Veränderung der Atmosphäre, die auf der Verdichtung schwarzer Luft beruht), steht es einem jeden, der seine Sinne beisammen hat, übel an, mit dem illusorischen Unterfangen, die erhabenste Halluzination, die wir kennen, den Tod, zu begreifen, befasst zu sein.»
Turbulent, nicht? Dabei war das bloss eine Phrase Literatur, nämlich der Einstieg in den absurd-komischen Thriller «Der dritte Polizist», geschrieben von Flann O’Brien, Irlands bedeutendstem Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Wer die Story zu Ende liest, fühlt sich danach so loll und lall (oder eben halluziniert), dass er dringend Ferien braucht. Am besten Ferien mit viel meditativem Grün. Am besten also Ferien in Irland.
Dort, im wilden Westen Britanniens, das weiss der informierte Schweizer, geht man fischen, wandern und golfen. Oder man tuckert mit dem Mietwagen durch die Landschaft. Oder mit dem Hausboot über den River Shannon. Und am Ende der Tour giesst man sich im munteren Dubliner Quartier «Temple Bar» ein paar Gläser Guinness oder Jameson hinter die Binde, ruft nach links «Sláinte!» und erfährt von rechts, dass nicht nur JFK, sondern auch der Ur-Opa von Cassius Clay ein Ire war. Recht so.
Das Stammtisch-Problem
Was der informierte Schweizer oft nicht weiss: In Irland kann man auch Gärten besuchen. Keine bepflanzten Hinterhöfe, nein. Es sind grosse Parks mit grandiosen Naturkulissen, geprägt von unterschiedlichen Philosophien, gepflegt von passionierten Maestros, oft gesäumt von einzigartigen Herrschaftshäusern.
«Für Hobbyfloristen ist das bestimmt toll», wird manch männlicher Leser nun einwenden, «aber mit Gartengeschichten ist an meinem Stammtisch kein Blumentopf zu gewinnen, da mach ich mich doch bloss zur Lachnummer.» Zugegeben, der Gedanke, die Reiseprahlerei der Kumpel über halsbrecherische Wellenritte auf Hawaii oder endlose Gourmetmomente im Piemont mit ein paar Petunien oder Hortensien zu kontern, ist ziemlich schräg. Doch das wird gar nicht passieren. Hinter der furiosen Flora der Gärten Ostirlands verbergen sich nämlich Kuriositäten und Nebenschauplätze, aus welchen der gewiefte Erzähler erstklassige Räubergeschichten basteln kann. Fügt er dann noch beiläufig hinzu, er habe übrigens im K-Club übernachtet (siehe Kasten), also da, wo während des Ryder-Cups 2006 auch Tiger Woods schlief (angeblich allein), und der Sommelier dieses 5-Stern-Hotels habe ihm persönlich einen Burgunder in die Hände gelegt, der so viel koste wie eine Occasions-Harley, dürfte dem Triumph beim Stamm nichts mehrim Wege stehen. So, jetzt aber alles schön der Reihe nach.
Heimelig wie das Swissminiatur
Erste Station unseres blumigen Abenteuers ist das Killruddery House in Bray im County Wicklow, rund 20 Kilometer südlich von Dublin. Dessen Juwel ist eine im 17. Jahrhundert angelegte und bis ins 19. Jahrhundert stetig erweiterte Parkanlage mit langgezogenen Alleen, üppigen Blumenbeeten, Brunnen, Teichen und einem nach wie vor bespielten Freilufttheater. Überhaupt scheint der Schlossherr - er trägt den Titel «Earl of Meath» - eine Vorliebe für die Hochkultur zu hegen, lässt er auf seinem Anwesen doch das ganze Jahr hindurch klassische Konzerte, Opern und Filmfestivals stattfinden. Zudem dienen das Adelshaus, der Garten und die Orangerie regelmässig als Spielorte für die auch bei uns zu sehende Historien-Soap «The Tudors»; wer nett fragt, bekommt gar Autogramme.
Das vom Earl und seiner Familie bewohnte Adelshaus wurde 1618 erbaut. Viele der präsentierten Antiquitäten haben frühere Earls auf ihren «Grand Tours» - so nannte man die Bildungsreisen der ehrenwerten Gesellschaft - zusammengekauft. Das Prunkstück der Sammlung ist jedoch ein geschenktes Suppenservice. Banal? Nicht, wenn man weiss, dass es Kaiserin Sisi höchstpersönlich vorbeigebracht hat. Besonders fancy ist das weiss-grün-goldene Geschirr zwar nicht, aber für eine Stammtisch-Anekdote reicht es allemal.
Reisende, die nach dieser Visite bereits vom eigenen irischen Garten träumen, sollten jetzt einen Abstecher ins National Garden Exhibition Centre in Kilquade machen. Auf rund zwei Quadratkilometern haben dort Landschaftsarchitekten und Gartendesigner 22 labyrinthisch miteinander verbundene Mustergärtchen errichtet; die einen wild und verwegen, andere eher züchtig und formal. Wer sich das Bild nicht so richtig ausmalen kann: Es wirkt ähnlich heimelig wie das Swissminiatur in Melide.
«Wer mich vertreiben will, der muss mich umbringen.» Mit diesen schwarzhumorigen Worten empfing uns der Verwalter des Powerscourt Estate in Enniskerry, dem eindrücklichsten Landsitz von Wicklow County. Wenn man aus seiner Aussage ableitet, dass er den besten Job der Welt hat, so hat Michael Byrne mit Sicherheit den zweitbesten. Der Ire ist seit fünf Jahren Chefgärtner in Powerscourt - und somit der heimliche König über ein klassisch-britisch gestaltetes Landschaftsimperium mit Terrassen, Seen, Teichen und einer überwältigenden Flora, das mit einer Fläche von 22 Hektaren zwar deutlich kleiner, aber nicht minder zauberhaft ist als jenes von Schloss Versailles.
Hat man die Möglichkeit, mit Michael sein blühendes Reich abzuschreiten, lernt man einen Mann kennen, der seine Berufung zum Beruf machen durfte. Der mit Dahlien, Lilien, Begonien, Orchideen, Gladiolen, Primeln, Tulpen, Rosen und Dutzenden anderen Blumenarten dafür sorgt, «dass es das ganze Jahr über Farben hat». Der im Gewächshaus laufend Experimente mit exotischen Pflanzen und tropischen Früchten startet. Und der trotz viel Arbeit geduldig erklärt, wie der «Monkey Puzzle»-Baum zu seinem Namen kam, oder weshalb im kleinen Tierfriedhof - auch dem Tod begegnet man in dieser kunterbunten Natur-Bijouterie - zwar viele Kühe und Ponys, aber keine Katzen, Wellensittiche oder Goldhamster begraben sind.
Michaels Gärtnerlatein ist derart animierend, dass der Schreibende eine Busfahrt lang darüber nachdachte, in der Schweiz stante pede einen Schrebergarten zu mieten.
Der rebellische Philosoph
Die Busfahrt endete vernünftigerweise in der Vernunft - und im 30 Minuten entfernten Ashford, wo wir die Mount Usher Gardens besuchten. Der 1868 entstandene Park offenbart eine komplett andere Welt. Oder wie es Chefgärtner Sean Hefernan formuliert: Eine ganz andere, vom rebellischen Gartenphilosophen William Robinson geprägte Haltung. Mit der Idee, seltene Bäume, Sträucher und Blumen (darunter allein 70 Eukalyptusarten) aus der ganzen Welt mit einheimischen Pflanzen zu kombinieren und diesen ein natürliches Gedeihen ohne Pestizide zu ermöglichen, hat er am Ufer des Vartry-Flusses einen entfesselten und doch seltsam idyllischen Paradiesgarten geschaffen. Plätscherndes Wasser, verschlungene Pfade, romantische Plätzchen, redselige irische Landladys: Wenn man sich hier nicht von Flann O’Brien «kurieren» und gleichzeitig mit grüner Bleifrei-Energie volltanken kann, wo denn dann? Die Stammtischler werden vor Neid erblassen, Ehrenwort.
Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung von Tourism Ireland. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.03.2010, 22:32 Uhr













































