Swiss-Uniformen: Schweizerischer als nötig
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 01.12.2009 17 Kommentare
Bild: Keystone.
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Neue Uniformen
Der Grund, weshalb die bisherigen Uniformen, die von Akris (Frauen) und Strellson (Männer) stammten, nach gut fünf Jahren schon wieder ersetzt werden, ist finanzieller Natur. «Manchmal muss man investieren, um zu sparen», sagte Swiss-Kommunikationschef Jürg Dinner. Die neuen Kleider seien in der Produktion um «etwa einen Viertel» billiger, wobei er keinen konkreten Betrag nennen wollte. Ein Mitarbeiter, der am Projekt beteiligt war, sprach von «einer dreistelligen Summe», die eine komplette Uniform kosten durfte. Dafür erhalten die 3400 Flugbegleiter, 1100 Piloten und 1200 Mitarbeiter am Boden 15 (Frauen) bzw. 13 (Männer) Kleidungsstücke.
Insgesamt wurden gut 250'000 m2 Stoff und 776'545 Knöpfe vernäht. In Betrieb genommen wird die Uniform, die von der Schweizer Firma JAS hergestellt wird, am 7. Dezember.
Über den Wolken herrschen noch Grenzen – zumindest was die Kleidung betrifft. Während Polizisten ihre Hüte längst mit Baseball-Caps getauscht haben, Buschauffeure Faserpelz tragen und Kondukteure ihren Dienst in sackartigen Einheitsklamotten verrichten, hält die Airline mit dem Kreuz auf der Heckflosse an einem würdigen Auftritt fest. Das ist die gute Nachricht.
Die schlechte? Allzu modisch geht es in den Kabinen der Swiss-Flugzeuge auch in Zukunft nicht zu und her. Die Piloten und Flight-Attendants, die an einer Pressekonferenz im Flughafen Zürich die neuen Uniformen präsentieren durften, lobten diese als «sehr bequem» und «angenehmer zu tragen als die bisherige». Die Modeschöpferin Ruth Grüninger, die für das Design verantwortlich ist, strich denn auch hervor, dass sich die Mitarbeiter darin vor allem «wohl fühlen» müssten – schlechte Voraussetzungen, um eine wirklich schöne Uniform zu entwerfen.
Für die schlimmste Stilsünde etwa kann Grüninger nichts: «Natürlich habe ich Mühe mit den kurzen Ärmeln der Hemden», gibt Grüninger im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet zu. Darüber habe man jedoch nicht diskutieren können. Ein Pilot verteidigte die Vorgabe: Wenn er acht Stunden im Cockpit sitze, sei das in kurzen Ärmeln angenehmer. «Wir Piloten sitzen ja immer in unserem Kämmerchen.» Vielleicht sei das Auftreten bei den Flight-Attendants wichtiger.
Doch auch die Frauenkluft mutet wenig modisch an: Die Kombination Blüschen/Strickjäckchen strotzt vor Biederkeit, Jupe und Blazer wirken allzusehr nach dem Zürichberg der 60er-Jahre. Eine Stewardess, die nicht gerade Modelbeine hat, kommt wegen der allzu kurzen Rocklängen schwergewichtiger daher als nötig. Doch auch dafür will Ruth Grüninger nicht haften: «Viele Flight-Attendants wollen den Saum so hoch, auch wenns weniger schön aussieht.» Und auch hinter der bisweilen kastenartigen Optik der Blazer steckt menschliches Versagen: Die Damen haben die Auswahl aus 50 (!) verschiedenen Grössen, wählen aber viel zu oft eine Nummer zu gross.
Bequem, gut verarbeitet, langlebig und zeitlos: Die neuen Uniformen reflektieren die schweizerischen Primärtugenden auf ideale Weise. Dass die Swiss auch in den Kategorien Eleganz und Sexyness auf einen Kompromiss gesetzt hat, wäre jedoch nicht nötig gewesen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.12.2009, 16:20 Uhr
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