Thailand: Wasserfest bleibt trocken
Untypisch trocken blieben die Strassen Bangkoks am Montag. Das Songkran genannte thailändische Neujahrsfest, das sonst von gigantischen Wasserschlachten geprägt ist, findet in diesem Jahr vor allem im privaten Rahmen statt. Die mit Wasserfässern beladenen Pickups bleiben stehen, die Wasserpistolen schweigen in den Ladenregalen, nur wenige Menschen feiern auf der Strasse.
Sogar auf der Khao San Road, wo Backpacker und Einheimische normalerweise am ausgelassensten feiern, war es relativ ruhig, schreibt die «Bangkok Post». Einige Besucher seien zwar mit Plastikpistolen rumgelaufen und von Leuten auf dem Trottoir mit Eiswasser übergossen worden, die Menge sei allerdings viel kleiner als in den Vorjahren gewesen. Am Nachmittag hätten die Ladenbesitzer an der beliebten Touristenmeile die Feiernden mit Lautsprechern aufgefordert, in die Häuser zurückzukehren. Weil die Khao San Road auf dem Weg zum Regierungsgebäude liegt, befürchtete die Regierung eine Ausweitung der Proteste auf das Backpacker-Quartier. Die traditionellen Festivitäten wurden deshalb abgesagt, in der Millionenstadt Bangkok herrscht der Notstand.
Neujahrsfest fordert Blutzoll
Ursprünglich hatte die Regierung geprüft, den Verkauf von Alkohol während der Songkran-Woche zu verbieten. Wie in den Vorjahren hat das Neujahrsfest einen hohen Blutzoll gefordert: Wie die «Bangkok Post» meldet, gab es während der ersten drei Tage der gefährlichen Woche des Jahres im ganzen Land 1605 Verkehrsunfälle, wobei 139 Leute starben. Gemäss Behördenangaben wurden die Unfälle meist durch Trunkenheit am Steuer verursacht.
Das traditionelle Neujahrsfest, das ursprünglich an wechselnden Daten während der Tagundnachtgleiche gefeiert wurde, findet mittlerweile immer vom 13. bis 15. April statt. Viele Familien nehmen dann einen ausgiebigen Frühjahrsputz vor. Die Jüngeren erweisen den älteren Familienmitgliedern die Ehre, indem sie ihnen Wasser über die Hände träufeln. Die Gläubigen begeben sich in die Tempel und bringen Opfergaben dar. In vielen Städten werden Buddha-Statuen durch die Strassen gezogen und mit Wasser begossen. In den letzten Jahrzehnten wurde Songkran auch zur Touristenattraktion, die Tausende von Reisenden anlockte.
Tourismus leidet unter Instabilität
Im Moment ist die Lage in Bangkok weitgehend ruhig. Da das EDA weiterhin von Reisen in die thailändische Hauptstadt abrät, erlaubt M-Travel seinen Kunden, gebuchte Reisen kostenlos zu annullieren. Der Reiseveranstalter geht bis am Abend von einer Normalisierung der Lage aus. Die Züge verkehrten wieder wie gewohnt, die Einkaufszentren seien geöffnet.
Dass die Songkran-Feierlichkeiten weitgehend ausblieben, dürfte dem thailändischem Tourismus einen weiteren Schlag verleihen. Bereits die tagelange Blockade des Hauptstadt-Flughafens im Dezember hat dem Image von «Amazing Thailand» Schaden zugefügt; die Buchungen blieben danach unter dem Vorjahresniveau. 1,8 Millionen Einwohner verdienen mit dem Tourismus ihren Reis. Die Branche erwirtschaftet pro Jahr mehr als 15 Milliarden Dollar. (cal)
Erstellt: 14.04.2009, 14:56 Uhr
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