Leben
«Wenn ich aufs Meer gehe, dann will ich das auch merken»
«Kreuzfahrten sind alles andere als verstaubt»: Andreas Lukoschik (Bild: PD)
Zur Person
Andreas Lukoschik hat bereits 24 Kreuzfahrten erlebt. Angefangen hat es damit, dass er vor Jahren als Moderator auf einem Schiff engagiert wurde. Es hiess Maxim Gorki und lag vor Monte Carlo. «Die Fahrt durch das westliche Mittelmeer war so grossartig, dass wir dem Meer treu geblieben sind – und seitdem immer wieder auf ein Schiff zurückkehren.»
Von Achterdeck bis Zodiac: Andreas Lukoschik beschreibt in «Schläft das Personal auch an Bord? Ein Kreuzfahrt-ABC» amüsante Geschichten und gibt hilfreiche Tipps für die Ferien auf Kreuzfahrtschiffen. Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
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Schweizer und Kreuzfahrten
Auch Schweizer Reisebüros haben Kreuzfahrten im Angebot. Bei Hotelplan sind zum Beispiel vor allem die Mittelmeer-Routen (östliches und westliches Mittelmeer) sehr gefragt.
Kreuzfahrten werden seit einigen Jahren von sämtlichen Zielgruppen gebucht, je nach Routing, Saison und Themen-Kreuzfahrt. «Heutzutage gilt das Klischee, Kreuzfahrten seien vor allem für ältere Semester, definitiv nicht mehr. Zudem sind die Preise für Kreuzfahrten in den letzten Jahren auch sehr gesunken, sodass sich für jeden Kunden und für jedes Budget ein passendes Schiff findet», sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Mediensprecherin von Hotelplan Suisse, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
Junge und Familien schätzen viel Unterhaltung auf dem Schiff sowie tägliche Hafenstopps. Im Premium-Bereich seien kleinere und luxuriösere Schiffe Trumpf, auch Segel-Kreuzfahrten seien teilweise sehr gefragt.
Video: Grösste Kreuzfahrtschiffe
Der Fall Costa Concordia
Andreas Lukoschik glaubt nicht, dass das Image der Schifffahrt durch die Havarie auf der Costa Concordia gelitten hat. «Wenn ein Pilot seinen Flieger gegen einen Berg steuert, weil er beim Landeanflug mit der Stewardess schäkert, würde niemand auf die Idee kommen, dass alle Flugzeuge unsicher sind.»
«Die Kapitäne, die ich kenne, sagen alle, dass das Verhalten dieses Mannes indiskutabel sei. Gegen den Ehrenkodex der Kapitäne verstösst man nicht, das gibt es einfach nicht. Punkt.»
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Umringt von Rentnern, ein gemächliches Rahmenprogramm, Dinner und dann früh schlafen gehen: Beim Gedanken an Kreuzfahrten haben viele noch diese Bilder vor Augen.
Das ist aber falsch. Gehen Sie mal auf ein Schiff der Aida-Reederei, da ist Party angesagt, der Altersdurchschnitt liegt bei 42. Kreuzfahrten sind alles andere als verstaubt. Schon wegen des Fahrtwindes kann da niemand Staub ansetzen.
Was tut man den lieben langen Tag auf dem Kreuzfahrtschiff. Da wirds doch mit der Zeit langweilig.
Wieder ein falsches Bild: Die Schiffe fahren zu 85 Prozent der Reise nachts und liegen tagsüber am Kai einer neuen Stadt. Und was man da macht, ist leicht zu sagen – den Menschen beim Leben zuschauen, die Seele baumeln lassen und gelassen über die Welt und das Leben nachdenken. In einem Strassencafé. Auf der Treppe einer Kirche. An einem Brunnen. Gut, hin und wieder ist das Schiff auch tagsüber unterwegs. Das nennt man dann einen Seetag. Aber da sorgt das Hotelmanagement dafür, dass keine Langeweile auftaucht.
Was fasziniert Sie persönlich an Kreuzfahrten?
Die Weite des Meeres, der fortwährende Sonnenschein, nur einmal die Koffer auspacken zu müssen und trotzdem jeden Tag in einer anderen Stadt zu sein. Tagsüber streift man an Land durch Basare und lernt fremde Kulturen kennen. Abends gibt es an weiss gedeckten Tischen fein zu essen und gute Weine zu trinken. Man kann die Welt unkompliziert kennen lernen.
Sie unterscheiden im Buch zwischen klassischer und moderner Kreuzfahrt.
Ja. Bei der klassischen Kreuzfahrt ist die Fahrt auf dem Schiff ein angenehmes und hilfreiches Erlebnis, um an seine Ziele zu gelangen. Bei der modernen Kreuzfahrt ist die Anwesenheit auf dem Schiff der eigentliche Reiz und die Ziele werden billigend in Kauf genommen.
Die Auswahl an Kreuzfahrtschiffen ist riesig. Von Maschinen mit 500 Plätzen geht es bis hin zu kleinen Städten für bis zu 3000 Passagiere. Für welches Schiff soll man sich entscheiden?
Schiffe haben viel von Hotels. Wenn Sie gerne in kleinen Boutique-Hotels wohnen, gehen Sie nicht auf einen 5000-Passagiere-Pott. Wenn Sie Party wollen, buchen Sie kein Expeditionsschiff. Und wenn Sie zu Hause gerne Segeln, buchen Sie auch auf hoher See einen Windjammer. Nur für eine Atlantiküberquerung sollten sie in jedem Fall auf ein grosses Schiff setzen – sonst kann einem schnell langweilig werden. Aber in jedem Fall gilt: Ins Reisebüro gehen und sich von Kreuzfahrtexperten beraten lassen, welches Schiff für was steht.
Welche Routen empfehlen Sie Kreuzfahrt-Einsteigern?
Anfangen sollte man mit dem Mittelmeer. Ob östlicher oder westlicher Teil, ist egal. Denn da fährt man meistens nur nachts, bekommt jeden Tag eine neue Stadt vor das Kabinenfenster gezogen und bleibt im europäischen Kulturkreis. Wem dieses Reisen gefällt, der kann sich dann anderen Routen widmen – von der Antarktis bis zur Südsee. Ob man dorthin reist, entscheidet aber nicht nur das Budget, sondern auch der Kalender.
Denn Kreuzfahrtschiffe fahren immer da, wo die Sonne scheint. Im Sommer Richtung Nordkap, im Herbst durchs Mittelmeer und danach begeben sich viele auf Weltreise. Wer sich an die üblichen Schulferien halten muss, dem bleiben deshalb nicht so viele Möglichkeiten
Was muss man neben dem üblichen Reisegepäck auf eine Kreuzfahrt mitnehmen? Wichtig ist breites Klebeband, um damit die Klimaanlage abzukleben. Es sollte allerdings durchsichtig sein, damit es das Kabinenpersonal nicht gleich entdeckt. Wäscheklammern, um Badesachen zu befestigen. Die wichtigste Regel zu diesem Thema aber lautet: Packen Sie nur halb so viele Klamotten ein, wie Sie denken, und dafür doppelt so viel Geld. Das macht frei.
Was war Ihr grösstes Kreuzfahrt-Highlight?
An eine Reise erinnere ich mich immer wieder gern: Sie führte entlang der chilenischen Fjorde, über Kap Horn hinaus in die Antarktis. Und dort: 7 Tage dunkelblauer Himmel, grünes Meer, strahlender Sonnenschein und eine Welt voller gigantischer, gleissend weisser Sahnebaisers. Wale, die aus den Tiefen des Meeres springen, Kaiserpinguine, die auf eisigem Ufer stehen und zu einem herüberschauen. Und eine Stille, die ihresgleichen sucht. Das war grandios.
Das grösste Frusterlebnis?
Ob Sie es glauben oder nicht: Ich habe bislang noch keins erlebt. Vielleicht habe ich ein kindliches Gemüt, dass mich Schiffsreisen so begeistern können. Aber vielleicht liegt es auch an dem wichtigsten Gepäckstück, dass man auf eine Schiffsreise mitnehmen sollte: Es ist die Bereitschaft zu staunen. Schiffe sind eine eigene Welt – und die soll man kennen lernen wollen. Beim Reisen lernt man an erster Stelle etwas über sich.
Was hat sich in Sachen Angebot, Komfort oder Möglichkeiten in den letzten Jahren getan?
Es hat sich nicht viel verändert. Am auffälligsten ist sicherlich – wie in jedem Bereich – die Spezialisierung. Heute gibt es Expeditionsschiffe, Clubschiffe, Luxusschiffe, kleine Schiffe, Riesenpötte mit Kletterwänden und Wasserrutschen, Shopping Malls und weiss der Seeteufel was. Ob man das haben muss? Ich nicht. Wenn ich aufs Meer gehe, dann will ich das auch merken. Und nicht einen fahrbaren Vergnügungspark buchen, der mich von den Ufern wegfährt, um mich auf See ordentlich auszunehmen. Nein, für mich ist ein Schiff immer noch ein Transportmittel, um von einem schönen Hafen zum nächsten zu kommen. Allerdings ist es mir das liebste Transportmittel.
Welche Kabinenplätze sind die besten?
Wie immer im Leben, gibt es das Beste nur, wenn man weiss, was man will. Das gilt auch für Kreuzfahrtschiffe. Ein Beispiel: Wollen Sie eine Kabine, die möglichst wenig in Bewegung ist, dann sollten Sie eine Kabine wählen, die in der Mitte des Schiffes liegt (bezogen auf den Abstand zwischen Bug und Heck) und die möglichst tief unten liegt. Da ist das Drehmoment am geringsten. Nachteil: So tief unten gibts keine Balkone – weil sonst die Gefahr bestünde, dass Wasser ins Schiff laufen könnte. Sie sehen, alles hat seinen Preis. Ich kenne Leute, die haben sich auf einem der grossen Windjammer am liebsten im Krähennest im Grossmast zur Nacht gebettet – was natürlich strengstens verboten ist! Aber in diesem Fall hatten sie das ganze Schiff gechartert.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.07.2012, 09:59 Uhr
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