«Wir Schweizer haben die vielen Touristen nicht verdient»
Aktualisiert am 08.10.2010 85 Kommentare
So müsste es sein: Der Werbespot von Schweiz Tourismus verspricht grössten Einsatz für die Gäste.
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Zumindest in der Werbung macht die Schweiz den Touristen das Leben so schön wie möglich.
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Die deutsche Journalistin Nadja Klingler erhitzt mit ihrem Reisebericht die Schweizer Gemüter: Auf ihrem Weg über die Alpen mag sie den einheimischen Alphütten und Gaststätten nur wenig Positives abgewinnen. Unfreundlich, pingelig und knauserig sind ihr die Wirte begegnet, wie sie im Artikel vom «Tages-Anzeiger» schreibt.
Viele Leser können Tagesanzeiger.ch/Newsnet dies nur bestätigen. «Unsere mangelnde Gastfreundlichkeit ist ja bekannt», schreibt Leser John Kraft. Er ist darüber «nicht ganz unglücklich». So würden die Alpen immerhin kein Ort des Massentourismus. «Das abgeschiedene Bergler etwas kurrlig und verschlossen sein können, weiss man ja», findet auch René Schumacher.
Auch eigene negative Erlebnisse werden geschildert: von Hotels, in denen nur Hausschuhe erlaubt sind oder Buffets, bei denen alles mit Preisschildern versehen ist.
Lieber asiatische Freundlichkeit
Weil er Ähnliches wie die deutsche Journalistin erlebt habe, schreibt Leser Peter Zampoli, mache er seit 20 Jahren keine Ferien mehr in der Schweiz. Stattdessen geniesse er lieber die asiatische Freundlichkeit.
Und Werner Schneider schreibt: «Die Schweizer Tourismus-Industrie ist schwach, viele Hotels wurden seit Jahrzehnten nicht renoviert. … Ich wundere mich, dass überhaupt noch Touristen kommen.» Das sieht Roger Frauchiger genauso: «Wir Schweizer haben es eigentlich gar nicht verdient, dass sich so viele Touristen in unser Land verirren.» Stattdessen werden die Österreicher als die «wahren Gastgeber» genannt.
«Den Eindruck, zu stören»
Die Diskussion ist seit Jahren im Gange. Auch anderswo im Web braucht man nicht lange nach negativen Kommentaren zu suchen: «Manches Mal hatten wir im Haus eher den Eindruck, zu stören, statt willkommen zu sein», schreibt ein Tourist auf der Seite Holydaycheck.ch. Bereits im Juli dieses Jahres zählte auch die französische Zeitung «Le Figaro» die fehlende Gastfreundschaft zu den grössten Schwächen der Schweiz. Sie sei nicht mehr das, was sie einmal war.
Daniela Bär von Schweiz Tourismus will das so nicht gelten lassen. «Ich will keine Schönmalerei betreiben, aber solche Vorwürfe sind für mich neu.» Es handle sich um vereinzelte Negativbeispiele, die sich nicht ausmerzen liessen. Ein Imageproblem im Generellen sei jedoch auch im Alpentourismus nicht vorhanden – im Gegenteil.
Bär gibt jedoch zu: «Kleinbetriebe sind besonders gefordert. Da läuft es auch öfter mal etwas handgestrickter.» Einfacheren Betrieben ohne grosse Infrastruktur falle es manchmal schwer, den immer höher werdenden Ansprüchen der Touristen gerecht zu werden. «Die einen beschweren sich über den zunehmenden Komfort in SAC-Hütten, andere hätten am liebsten auch noch Wireless-Empfang», so Bär.
Keine Fünfsternehotels in den Alpen
Nicht wenige Kommentatoren auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet nehmen denn auch die Touristen in die Verantwortung. «Für mich immer wieder unverständlich, wie naiv und abgehoben sich Gäste in SAC-Hütten benehmen», schreibt beispielsweise Leser Francis Gabriel. Auch andere User kommen zum Schluss: Die deutsche Journalistin sei naiv und realitätsfremd an ihre Reise gegangen. Dass eine SAC-Hütte kein Fünfsternehotel ist, sei doch klar. Und: «Gegessen wird, was auf den Tisch kommt.»
Andere orten das Problem im Anti-Deutschen-Reflex der Schweizer: «Ich habe mich bereits daran gewöhnt, in der Schweiz wie ein Störfaktor behandelt zu werden», schreibt Sabine Neumann. (reh)
Erstellt: 08.10.2010, 12:41 Uhr
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85 Kommentare
Mir scheint, die arme Berlin- und eben nicht Alpen-gewöhnte Frau Klingler hat etwas einen Kulturschock erlitten... Ob das wohl ihre letzte Reise in die Schweizer Berge war? Hoffentlich verkauft sich wenigstens ihr Buch gut. Und hoffentlich ist dieses nicht ganz so einseitig negativ wie ihr Eindruck in diesem Artikel... Antworten
Erfrischender Bericht. Unsere mangelnde Gastfreundlichkeit ist ja bekannt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich darüber am Rande der alpinen Routen nicht ganz unglücklich bin. Die Alpen, so hoffe ich, werden kein Ort des Massentourismus. Wer alpin wandert möchte nicht in der Schlange stehen. Weder am Alpstein, noch am Martinsloch. Und Berggasthöfe sind nun mal eng und rau. Ist ganz gut so... Antworten
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