Leben

«Wir liiiiiiiieeebten dieses Hotel»

Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 12.08.2011 14 Kommentare

Das Web quillt über von Millionen Bewertungen von Hotels durch Privatleute. Wie soll man erkennen, ob eine Lobeshymne gelogen ist? US-Forscher sagen: Am besten mit Computern!

1/4 Ratespiel der Wissenschaftler: Welche von den beiden Online-Urteilen über ein Hotel ist gefälscht?
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Glaubt man der Webseite www.tripadvisor.com, sind die Grand Hotels in der schönen Stadt Zürich zum grossen Teil perfekt. «We loooovved this hotel und its luxurious style», heisst es in einem Kommentar von «ymas2010» aus Abu Dhabi über das Baur au Lac, und auch andere Unbekannte loben das Hotel über den Klee. Vom Dolder Grand bleibt «lovetotravel2812» aus Delhi nur das Allerbeste in Erinnerung. «Einfach fantastisch!!!!» sei die Herberge gewesen: «der Service, das Personal, die Zimmer und ihre Aussicht. Sie sind einfach fantastisch!!!»

Zweifellos sind die genannten Hotels erstklassige Adressen – doch die Anzahl und Art von Lobeshymnen auf Hotels in aller Welt wecken nicht nur bei vielen Web-Lesern Misstrauen, sondern auch bei Gastronomen. Noch im vergangenen September drohten laut dem britischen ««Guardian» mehr als 400 Hotel- und Restaurantbetreiber, den Betreibern der Webseite juristisch zu Leibe zu rücken. Zum Beispiel wegen möglicher Empfehlungen, die von Unbekannten gefälscht und publiziert wurden – schlimmstenfalls im Auftrag von Hotels, die sich so Kunden sichern wollen.

Echte und gefälschte Urteile im Experiment

Vier Forscher der Cornell University im Bundesstaat New York sind überzeugt, dass die Skepsis berechtigt ist. Um herauszufinden, ob man Fake-Reviews auf die Schliche kommen kann, führten die IT-Spezialisten und Kommunikationsforscher ein Experiment durch – anhand von 400 Bewertungen von 20 Hotels in Chicago auf Webseiten wie www.tripadvisor.com, www.yelp.com oder www.travelpost.com.

Im ersten Schritt legten die Forscher drei Probanden sorgfältig als echt verifizierte Urteile vor – zusammen mit 400 gefälschten Belobigungen, die für den Versuch von aussenstehenden Personen verfasst worden waren. Wie sich laut der Universität zeigte, konnten die Testpersonen nicht zwischen gefälschten und echten Texten unterscheiden: Ihre Zuordnung war nicht besser als die eines Zufallsgenerators.

Software auf der Suche nach verräterischen Wörtern

Gegen diese Leistungen testeten die Forscher eine Software, die alle Texte untersuchte – auf bestimmte Worte wie «Badezimmer», «check-in», «vacation», «my husband» oder «business trip» und andere Eigenheiten. Es zeigte sich, dass in echten Hotelratings eher konkrete Begriffe auftauchten, die den Preis oder Service beschrieben. Dagegen deuteten erzählerische Elemente wie «Mein Ehemann» oder «Ferien»daraufhin, dass der Kommentar eine aufgepeppte Fälschung war.

Zudem zeigten sich bei echten und gefälschten Lobreden Unterschiede in der Zahl bestimmter Satzzeichen wie Ausrufezeichen – und der Verben. Betrüger benutzen demnach eher Tätigkeitswörter als ehrliche Autoren. Aus sämtlichen Kennzeichen bastelten die IT-Fachleute schliesslich eine Software, deren erfolgreichste Variante 89,9 Prozent der eingelesenen Texte richtig als wahr oder falsch identifizierte.

Hilfreiches Tool für die Kontrollen der Betreiber?

Falls eine so hohe Trefferquote auch bei der Analyse von Zehntausenden Hotels in aller Welt möglich wäre, stünde eine Software zur Verfügung, um die Glaubwürdigkeit von Online-Kommentaren in einem ersten Check massenhaft zu analysieren – mit Vorteilen für die lesende Kundschaft und die Glaubwürdigkeit von Betreibern wie dem Marktführer Trip Advisor, der vor einigen Wochen den 50-millionsten Leser-Eintrag online gestellt hat.

Das Unternehmen hatte bereits mehrmals betont, dass sämtliche Einträge systematisch auf ihre Echtheit hin durchleuchtet würden – von selbst entwickelten Analyse-Tools und eigenen Experten. Wie hoch die Fehlerquote am Ende ist, ist jedoch ungewiss – und das Team von der Cornell University ist überzeugt, dass seine Software den Betreibern solcher Webseiten helfen könnte.

Zumal die Forschungen noch ausgeweitet werden könnten – auf andere Städte und auch auf weitere Kategorien wie etwa Restaurant-Kritiken. Ausserdem haben die Wissenschaftler die menschliche Lust am Mäkeln im Visier: Im nächsten Schritt wollen sie auch die kritischen Online-Urteile von unbekannten Autoren in ihre Arbeit einbeziehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.08.2011, 09:49 Uhr

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14 Kommentare

Severin Brunner

12.08.2011, 10:34 Uhr
Melden 9 Empfehlung 0

Die Grenze zwischen Ehrlichkeit und Verlogenheit hat sich im "Social Network"-Zeitalter längst verschoben, zugunsten der Frage "ist es beliebt oder nicht". WIe wir alle wissen, muss Beliebtheit, Popularität, nicht auf Qualität beruhen. Bei Facebook klicke ich "gefällt mir" - und alle Zweifel sind verflogen. Facebook ist ein pseudo-demokratisches Manipulations-Instrument. Gefährlich !!! Antworten


Juerg Studer

12.08.2011, 10:31 Uhr
Melden 8 Empfehlung 0

Vor allem die kritischen Kommentare sollten beachtet werden. Ausserdem werden auch viele Gaestefotos hochgeladen und da sieht man sehr schnell ob diese fake sind oder nicht. Diese Bewertugstools sind meiner Meinung nach immer noch besser als die Fotos aus den Hochglany Prospekten. Antworten



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