Affa – das hippe Supermodel aus Bern

Von Nina Kobelt. Aktualisiert am 25.03.2010

Jung, hip – und Coverboy: Der Berner Affa Osman ziert die englische Version der Streetstylebibel «Facehunter». Noch erschrickt der 18-Jährige, wenn er als Supermodel bezeichnet wird. Dabei ist er schon fast im Modehimmel.

Zwischen zwei Shows: Osman auf dem «Facehunter»-Cover.

Zwischen zwei Shows: Osman auf dem «Facehunter»-Cover. (Bild: zvg)

Der Junge redet ein bisschen wie eine Miss-Schweiz-Kandidatin: «Eine Kollegin hat mich vor zwei Jahren bei der Modelagentur angemeldet», sagt Affa Osman (18) vergnügt.

Glück für ihn, dass nicht nur Missen solche Kolleginnen haben. Osman stresst heute von Shooting zu Shooting und dürfte in Kürze irgendwo ganz oben im Fashionhimmel ankommen. Der Berner ziert das Cover der englischen Ausgabe von «Facehunter», dem eben erschienenen Fotoband von Starblogger Yvan Rodic. Das Ganze tönt zwar nach einer Schweizer Mauschelei – Rodic ist Genfer. Aber Osman hatte damals in Paris keine Ahnung, wer ihn da zwischen zwei Shows der Men’s Wear Fashion Week nach draussen schleppte und ihn wild abknipste: «Als Model wird man ständig von Modebloggern fotografiert», so Osman. «Ich wusste noch nicht, dass Yvan der Facehunter war.»

Dieser Yvan stellte das Bild mit dem nachdenklich dreinschauenden Berner erst mal auf seinen international beliebten Blog. Und schrieb Affa dann irgendwann via Facebook eine Mail: Der englische Verlag Thames&Hunter wolle sein Konterfei auf dem Buch zum Blog.

Dass der Prestel-Verlag in Deutschland zwar ein identisches «Facehunter»-Buch druckte, aber ausgerechnet Osmans Foto links liegen liess, kann dem Berner egal sein. Die erste Auflage war in England sofort ausverkauft.

Es gibt noch anderes

Osmans Mutter kommt aus Yemen, sein Vater aus Äthiopien. Affa selber ist ganz Berner Giel und hat sich vor der Modekarriere stark für die Schweizer Politik engagiert – im Kinderparlament und später im Jugendrat. Jetzt mangle es an Zeit, aber nicht an Interesse. «Ich finde Leute wie Waris Dirie super. Als Model setzt sie sich gegen die Beschneidung ein.»

Auf seinen Blog fabiolebatard.blogspot.com stellte Osman jüngst zwei Bilder des schwarzen Models Alex Wek und fragte: Ist es nicht rassistisch, wenn man Schwarze mit Photoshop caramel einfärbt? Osman will etwas bewegen – «wir im Modebusiness vergessen oft, dass es noch etwas anderes als Kleider gibt».

«Bern hat Potenzial»

Vorerst bewegt Osman aber vor allem noch seinen Hintern über die Laufstege der Modemetropolen, seit ein paar Monaten hauptberuflich. Oder posiert für Magazine – wie diese Woche für das hippe «Dazed and Confused». Ganz an den Starstatus hat er sich noch nicht gewöhnt: Als er letzthin in einem Club jemanden sagen hörte: «Das ist Affa, ein Supermodel aus der Schweiz», fand er das seltsam. Aber cool.

Ist Bern als Modestadt inspirierend? «Kleider kaufe ich im Ausland», gibt Osman zu. Aber: «Bern hinkt zwar immer ein bisschen nach, hat sich aber modisch gewandelt. Und hat Potenzial!»

Darum kommt er nach Hause zu Freunden und Familie, wann immer er Zeit hat. In Zukunft wohl seltener. Die zweite Auflage des englischen «Facehunter» kommt in diesen Tagen heraus.

Yvan Rodic signiert am Freitag in Zürich «Facehunter» (16.30–17.30 Uhr, Orell Füssli Niederdorf). In der Schweiz sind beide Versionen des Buches erhältlich (dt. Prestel, engl. Thames&Hudson. Affa Osman steht morgen in Deutschland vor der Kamera. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.03.2010, 11:09 Uhr

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