Die «Vogue» bleibt weiss
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Es schien ja in den vergangenen Wochen, als habe die Welt Afrika umarmt. Man redete nicht mehr von Hunger und Krankheiten, von mangelnder Bildung und genitalverstümmelten Frauen, sondern von Hoffnung und davon, dass es überhaupt viel Positives zu vermelden gebe. Der Fussball wollte es so.
Jetzt, da die Welt in die Realität zurückgekehrt ist und Afrika wieder vergessen, läuft alles wie gehabt. Zum Beispiel in der Mode. Der Condé-Nast-Verlag, der Herausgeber der «Vogue», will nämlich keine «Vogue Africa». In 18 Ländern gibt es eine eigene Ausgabe, Afrika sollte als Ganzes hinzukommen. Initiant war der kamerunische Fotograf Mario Epanya, der bereits virtuelle Cover-Bilder für eine schwarze «Vogue» ins Internet gestellt hatte. Jetzt meldet Epanya über Facebook, der Verlag habe die Idee ohne Begründung abgelehnt.
Die Wogen gingen hoch, auf Blogs wurde über die Vorherrschaft der Weissen in der Modebranche geschimpft; darüber, dass Afrika nur dann eine Rolle spiele, wenn gerade wieder Safari im Trend oder der Schmuck etwas rustikaler sei. Und im Winter, wenn fast alle Mode-Titel dieser Welt für die Produktion ihrer Sommeraufnahmen nach Südafrika fliegen. In der Tat ist Afrika in der Mode inexistent. Erfolgreiche schwarze Models kann man wie namhafte schwarze Designer an einer Hand abzählen.
Schwarz verkauft nicht
Dass deshalb die Branche rassistisch sei, ist ein Vorwurf, der seit Jahren immer wieder auftaucht. Jedes Mal werden sodann unter dem Vorsitz von Naomi Campbell Manifeste gegen Diskriminierung verfasst, und die Magazine beteuern, mehr schwarze Models zu buchen. Ohne dass sich etwas ändert. Denn hinter vorgehaltener Hand heisst es: Dunkelhäutige Models verkaufen nicht.
Dabei bewies die italienische «Vogue» vor zwei Jahren das Gegenteil. Im Juli 2008 zeigte das Heft nur schwarze Models und Protagonisten – und war innert 72 Stunden weltweit ausverkauft. Zum ersten Mal in der Geschichte der «Vogue» wurde nachgedruckt, 60'000 Exemplare (bei einer Auflage von 120'000). Auf Ebay wurden über 50 Dollar für ein Heft geboten. Franca Sozzani, Chefredaktorin der «Vogue Italia» und eine der ganz Grossen der Branche, erklärte: «Ich sass an den Schauen, sah all die weissen Models, und keines interessierte mich. Die Einzige, die mich umhaute, war die Äthiopierin Liya Kebede.»
Dass auf den Anzeigenseiten jener Ausgabe ausnahmslos alle Models weiss waren, war die Ironie der Geschichte. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.07.2010, 14:37 Uhr












































