Leben

Flexible Möbel für flexible Menschen

Von Jürg Zulliger. Aktualisiert am 28.12.2009

Die Wohn- und Lebensverhältnisse ändern sich immer schneller – zeitgemässe Möbel passen sich im Handumdrehen an.

Das Modulsystem Trofast von Ikea räumt im Kinderzimmer auf und ist zudem ein Blickfang.

Das Modulsystem Trofast von Ikea räumt im Kinderzimmer auf und ist zudem ein Blickfang.
Bild: Ikea

Das Scherenregal von Thut lässt sich zu einem 24 cm hohen Paket verkleinern.

Das Scherenregal von Thut lässt sich zu einem 24 cm hohen Paket verkleinern.

Wie ein variabler Pfannenuntersatz: Das Scherenbett passt sich der Matratze an.

Wie ein variabler Pfannenuntersatz: Das Scherenbett passt sich der Matratze an.

Den Nerv der Zeit trifft heute das Mobiliar am besten, das verschiedensten Ansprüchen nomadisierender Stadtmenschen entgegenkommt. Warum eine wuchtige Wohnwand kaufen, die schon beim nächsten Umzug zum lästigen Ballast wird? Warum Nägel einschlagen und Dutzende von Bildern aufhängen, wenn man doch schon wieder auf dem Sprung ist? Die Umzugsrate ist hoch, eine wachsende Zahl von Menschen pendelt, die Biografie verläuft wechselnden Lebensabschnittspartnern entlang. Immer mehr Menschen erfreuen sich aber auch eines Zweit- oder Ferienwohnsitzes. Wenn man diese Unstetigkeit konsequent zu Ende denkt, muss das Mobiliar anpassungsfähiger werden. Weg mit burleskem Ballast, Schnörkeln und Blendwerk. Von Dauer ist das Mobile.

Ein Designklassiker in diesem Segment ist das Scherenbett der Aargauer Firma Möbel Thut. Die Konstruktion gleicht einem variablen Pfannenuntersatz, der sich wahlweise stauchen und dehnen lässt. Dies ist die Reduktion auf das Wesentliche. Der Transport ist leicht, und das Bett passt sich jeder Matratzengrösse an: Vom 90-Zentimeter-Mass bis zur Maximalgrösse von 180 mal 200 Zentimeter ist es jedem eine bequeme Schlafstatt. Vom gleichen Minimalismus zeugen andere Entwürfe aus demselben Haus, etwa das zusammenfaltbare Bücherregal oder der mit leichtem Segeltuch umspannte Schrank.

Ein Puzzle zum Sitzen

Als Klassiker gelten natürlich auch ausziehbare Tische oder jene Sofas, die sich mit ein paar einfachen Handgriffen in ein Bett verwandeln lassen. Ein neuer, raffinierter Entwurf in dieser Kategorie ist «Roro 3» von Brühl – die clevere Konstruktion des Metallgestells sieht sogar drei verschiedene Funktionen vor: Es lässt sich als hübsches Sofa für zwei nutzen, als Chaiselongue zum Lesen oder genauso gut als Bett.

In jeder Hinsicht variabel ist auch die Sitzgruppe Confluences von Ligne Roset: Der Entwurf von Philippe Nigro gleicht einer Puzzlelandschaft, die einzelnen Elemente lassen sich variabel zusammenstellen und gestatten fast jede beliebige Sitzposition – 2-Sitzer, 3-Sitzer, 4-Sitzer mit Loungesessel oder auch Einzelsessel. Je nach Anordnung gehen die Sitzplätze ineinander über oder überlappen sich.

Als echter Verwandlungskünstler macht auch der Salontisch Blocco von Leolux eine gute Figur: Das trapezförmige Möbel besteht aus drei Teilen, die sich dank einer vertikalen Verbindungsachse in einer Ecke verdrehen lassen – also wie der Spielzeugklassiker Rubic’s Cube aus den Achtzigerjahren. Hat man den richtigen Dreh einmal raus, wird «Blocco» entweder zu einem rechteckigen Tisch oder zu einem Ecktisch. Die untere Lage bildet eine nützliche Ablagefläche für all die Alltagsdinge, die man so gerne ordentlich verstauen möchte – also Zeitungen, Zeitschriften, Kugelschreiber oder Fernbedienungen.

Ein Wickeltisch, der mitwächst

Allerlei Verwandlungsmobiliar findet sich auch im Sortiment von Ikea: Da ist etwa das stapelbare, modulare Aufbewahrungssystem Trofast, bestehend aus massiver Kiefer oder weissen Spanplatten. Boxen in allerlei Farben machen das Möbel anpassungsfähig – etwa wenn die Kinder irgendwann der Farben Pink und Hellblau überdrüssig werden. «Trofast» ist auch insofern praktisch, als es dafür einen Wickelaufsatz gibt. Während die klassische Wickelkommode mit den Kindern nicht mitwächst, ist das Möbel auch ohne diesen praktischen Aufsatz immer noch gut zu gebrauchen.

Ähnlich das Küchenutensil Grundtal: Mit ein paar Schrauben ist jeder Heimwerker in der Lage, es in der Küche zu befestigen. Je nach Bedarf und Alltagsgewohnheiten finden damit Pfannen, Haushaltpapier, Besteck und vieles mehr Platz. Das aus Edelstahl gefertigte System eignet sich aber genauso gut fürs Büro, Kinderzimmer, für die Garderobe oder das Bad.

Wer sich also genauer umsieht, findet ein wachsendes Sortiment an Multifunktionsmobiliar. Es passt ideal zum Zeitgeist, der immer mehr nach Flexibilität verlangt: Flexibilität im Geist oder im Berufsleben, aber auch in der Art und Weise, in der man seine Wohnung ausstaffiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.12.2009, 04:00 Uhr

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