Hollywoodsohn auf der Suche nach Erleuchtung

Jaden Smith modelt in der neuen Frauenkampagne von Louis Vuitton. Auch im neuen Jahr wird in der Mode ganz selbstverständlich mit Geschlechtern jongliert.

Jaden Smith im Röckli in der Frühling-Sommer-Kampagne von Louis Vuitton. Foto: Bruce Weber

Jaden Smith im Röckli in der Frühling-Sommer-Kampagne von Louis Vuitton. Foto: Bruce Weber

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Er ist der Sohn zweier millionenschwerer Hollywoodstars: Schauspieler Will Smith der Vater, Schauspielerin Jada Pinkett-Smith die Mutter. Dass Jaden Smith privilegiert aufgewachsen ist, versteht sich also von selbst.

Wie sich der 17-jährige Jungrapper im Rahmen seines weich gebetteten Daseins schlägt, ist interessant. Amerikanische Medien berichten, dass Smith gerade an einer Sammlung philosophischer Essays schreibe und zu Hause seine eigene Pyramide baue. Es sind Mutmassungen, die nicht so absurd sind, wenn man weiss, wie sich der kleine Smith in der Regel so verkauft. Er nutzt seit gut zwei Jahren die Gunst der Stunde für irre, aber durchaus intelligente Gespräche und prophetische Kampfparolen. In einem Interview mit «GQ» erklärte er vor kurzem, dass er und seine Schwester Willow sich in der selbst initiierten geschwisterlichen altgriechischen «Mystery School» in den höheren Wissenschaften weiterbildeten. «Wie Plato und Pythagoras, und alles bleibt geheim», sagt Smith. «Das Wort ‹Dodecahedron› etwa durfte man damals ausserhalb der Schule nicht laut sagen; es ist zwar nur eine Form, aber man wurde bestraft, wenn in der Öffentlichkeit davon laut berichtet wurde.»

Teenieschwarm der Mode

Es sei eine Ehre, dass die Journalisten schrieben, er sei verrückt, sagt Jaden Smith, das sei Galileo ja schliesslich auch nachgesagt worden. «Ich bin nicht so revolutionär wie er, aber ich glaube auch nicht, dass ich es nicht bin.»

Smith macht jederzeit klar, dass er sich für einen geistig trainierten und elastischen Vertreter der Generation Z hält. Und so erstaunt es keineswegs, dass es dem Teenager auch nicht an modischem Freigeist mangelt: Smith trägt seine Dreadlocks aufgetürmt, dazu die für die Jugend von Los Angeles typischen überlangen T-Shirts, aber auch kurze Röcke oder wallende Kaftane – ohne viel Aufhebens. Das kommt an und schlägt sich in einer mittlerweile grossen Fangemeinde nieder. Ein Braten, den auch das französische Modehaus Louis Vuitton gerochen hat: In der neuen Frauen-Frühlingskampagne posiert neben den weiblichen Models auch Jaden Smith in einem futuristischen Minirock aus der aktuellen Kollektion. Auf den ersten Blick könnte er ein Mädchen sein, auf den zweiten ein Junge, auf den dritten ist es egal. Jaden Smith mag tolle Klamotten.Damit wird das neue Modejahr mit einem jener Genderspiele eröffnet, die 2015 ohne viel Geschrei, aber sehr ernsthaft betrieben wurden: Gucci-Designer Alessandro Michele steckte seine Männermodels in weiblich besetzte Siebzigerjahre-Schluppenblusen, junge angesagte Labels wie Vêtements oder Eckhaus Latta entwarfen Kleider, die an Männern und Frauen toll aussehen, Designer Jonathan Anderson gewann mit seinen genderfluiden Entwürfen einen British Fashion Award, und die neue Unisex-Etage des englischen Warenhauses Selfridges verzeichnete Rekordumsätze.

Generation Freigeist

Jaden Smith und Louis Vuittons Beitrag zur Debatte kann vorgeworfen werden, dass sie reisserisch sei, weil man sich des Ruhmes eines hippen Jugendlichen bedient. Denn immerhin hat man bei der Showpräsentation aufgrund der Kollektion und der Wahl der Models – keine Armee, sondern alles einprägsame Individuuen – mehr als deutlich mitbekommen, wie sich Chefdesigner Nicolas Ghesquière seine aktuellen Cyberpunk-Heldinnen vorstellt: stark und unabhäng, aber auch zart und unfassbar. Trotzdem berührt die Wahl Smith. Dass sich die heranwachsende prägende Generation Z in den kommenden Jahren womöglich so frei und vorbehaltlos modisch ausprobiert wie Jaden Smith, ist ein schöner Gedanke.

Die smithsche Idee der eigenen Wichtigkeit weniger. Auf Instagram schrieb er neben das neue Kampagnenbild: «Danke, Louis Vuitton, für die Möglichkeit, diese Welt zu beeinflussen.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 10.01.2016, 22:43 Uhr)

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