In die Serviette schneuzen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zu korrekten Tischmanieren.

Körperliche Ausscheidungen haben beim Essen nichts zu suchen: Schlechtes Beispiel eines Gastes aus Monty Pythons «The Meaning Of Life». Foto: PD

Körperliche Ausscheidungen haben beim Essen nichts zu suchen: Schlechtes Beispiel eines Gastes aus Monty Pythons «The Meaning Of Life». Foto: PD

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In jedem Benimmkatalog heisst es, man dürfe die Serviette im Restaurant nicht zum Schneuzen benützen, kürzlich wieder im «Züritipp». Ich verstehe das überhaupt nicht. Denn die Serviette ist doch mein persönliches Tuch, das ich mit Speiseresten, Speichel und weiss Gott was noch verschmutze. Zum Schluss falte ich es zusammen mit der sauberen Seite nach aussen. Warum soll da keine – selbstverständlich dezent gelöste – Nasenflüssigkeit Platz haben dürfen?
J. R.

Lieber Herr R.

Ihre Frage kommt zur richtigen Zeit, jetzt grochst und schnieft und näselt es ja wieder um einen herum wie verrückt. Türfallen und Automatentasten grausen einen noch mehr als sonst, wobei, vielleicht ist das nur bei mir der Fall, ich neige da etwas zur Überspanntheit.

Dennoch wollen wir uns heute mit Schleim und Ausscheidungen befassen, und das dünkt mich nichts als recht, denn dieser unserer kleinen Rubrik ist nichts Menschliches fremd. Es geht allerdings nicht darum, was Sie so vornehm das «dezente Lösen der Nasenflüssigkeit» nennen – obschon das natürlich geschätzt wird, das Achten auf einen geräuscharmen Vorgang, denn dieses Trompetenartige ist ja immer etwas ärgerlich. Aber eben, es geht vielmehr um den, nun, Inhalt. Wir wollen nicht so weit gehen und uns der Konsistenz widmen oder gar über selbige nachdenken, die spielt nämlich keine Rolle, ausser, dass sie an sich in einer Serviette nichts verloren hat.

Schnupfenmaterial gehört in ein Taschentuch und dieses in den Hosensack oder den Jackenärmel, jedenfalls irgendwohin, wo es unsichtbar ist. Es wird nicht auf dem Tisch oder gar dem Teller deponiert, weil es unschön anzusehen ist und unappetitlich und zudem auch irgendwie zu intim, um der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. Die Serviette ist deshalb kein erfreulich grosses Taschentuch, das so richtig was hergibt. Sie dient lediglich dazu, den Mund abzutupfen. Man wischt sich damit im Sommer auch nicht den Schweiss ab, weil körperliche Ausscheidungen beim Essen nichts zu suchen haben, obschon da natürlich ein nicht zu bestreitender Zusammenhang besteht, aber es gibt einen Grund, weshalb die Darmaktivität kein Sujet des gepflegten Tischgesprächs ist.

Abgesehen davon: Man mutet dem Servicepersonal keine verschneuzte Serviette zu. Ein abgewischter Mund oder ein bisschen Lippenstift sind definitiv von einem anderen Kaliber als Schnuder, wenn ich das jetzt so ungeniert formulieren darf.


Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an gesellschaft@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 24.10.2016, 08:31 Uhr)

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