Karl und das Fleisch

Letzten Herbst noch behauptete Karl Lagerfeld, niemand wolle füllige Frauen sehen. Jetzt straft er seine eigenen Worte Lügen und lichtet selbst ein Übergrössen-Model ab - und liegt damit im Trend.

1/5 Die Dame rechts nennt sich Miss Dirty Martini. Links die Chanel-Darstellerin und Schauspielerin Jane Schmitt

Kaum ein halbes Jahr ist es her, dass Karl Lagerfeld seine Meinung über kurvige Frauen kundtat. Niemand wolle diese sehen, so sagte er. Wobei man nicht vergessen darf, dass Lagerfeld auch Heidi Klum schon als «dick» bezeichnet hatte. Doch nun scheint er seine Meinung gründlich geändert zu haben. Für die neue Ausgabe der Stilfibel «V-Magazin» zum Thema Übergrössen griff Lagerfeld nämlich selbst zur Kamera und lichtete für eine Chanel-Fotostrecke ausgerechnet den reichlich fülligen Burleske-Star «Miss Dirty Martini» ab. Der Burleske-Star posiert neben einem Coco-Chanel-Double in Cocos Wohnung in der Rue-Cambon.

Es scheint, als habe Lagerfeld das alles nicht so ernst gemeint, mit den hässlichen dicken Frauen. Schliesslich hat er auch für die Gossip-Sängerin Beth Dito Designerkleider entworfen – und Dito gehört nun definitiv nicht zu den Size-Zero-Typen. Noch wahrscheinlicher aber ist, dass Lagerfeld sein Publikum gerne provoziert.

Übergrössen und nackte Haut

Miss Dirty Martini antwortete auf die Frage, warum sie für Lagerfeld posiere: «Für Chanel zu posieren, als ob mein Leben davon abhinge, da dachte ich: Warum nicht? Warum entwerfen Designer nicht einfach Mode, die sich den Hüften und Brüsten anpasst und wählen dann die Modelle aus, die das perfekt tragen können?»

Damit spricht der Burleske-Star ein Thema an, welches auch das «New York Times Magazine» in seinem Bericht zum neuen Trend Übergrössen-Modelle anschneidet. Denn zwar bildeten im Moment einige Magazine Frauen mit Übergrössen ab, aber meistens seien sie dabei unbekleidet - oder fast. Das «Love»-Magazin etwa zeigte die nackte Beth Dito auf dem Titelblatt, das Magazin «Glamour» setzte Lizzie Miller in Szene und zwar inmitten einer orgienähnlichen Szene von Übergrössen-Modellen.

«Was hat diese Betonung nackter Haut bei Übergrössen-Modellen zu bedeuten?» fragt das «NY-Magazine» und schliesst: es wäre schön, wenn wir in diesen Magazinen endlich mal normalgewichtige Frauen sehen würden. (mcb)

Erstellt: 14.01.2010, 14:22 Uhr




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